Kinder-Einbürgerung: Behörde schikaniert 13-jährigen Türken
Aktualisiert

Kinder-EinbürgerungBehörde schikaniert 13-jährigen Türken

Hakan* ist in der Schweiz geboren, ist hier zur Schule gegangen und spricht perfekt Schweizerdeutsch. Jetzt will er den roten Pass. Doch beim Einbürgerungsgespräch in Uster ZH stellte man im staatskundliche Fragen, die viele erwachsene Schweizer nicht beantworten könnten.

von
Gabi Schwegler
Immer in der Hosentasche: Grafik zur Gewaltentrennung.

Immer in der Hosentasche: Grafik zur Gewaltentrennung.

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Fast zwei Wochen lang hatte der 13-jährige er mit seinem Bruder intensiv das zugestellte elfseitige Dossier «Basiswissen Staatskunde» studiert, zu dem ihm der Stadtrat Fragen stellen wollte. Die abstrakte Grafik zur Gewaltentrennung in der Schweiz kopierte er sich gar und nahm sie überall hin mit. «Vor dem Gespräch war ich sehr nervös», so Hakan.

Dann kam das Einbürgerungsgespräch: Fragen zur politischen Geschichte der Schweiz und zur Gewaltentrennung konnte er noch beantworten. Auch drei Bundesräte konnte er nennen. «Doch die vollen Namen der grossen Parteien konnte ich nicht sagen. Ich weiss noch nicht einmal genau, was eine Partei für eine Aufgabe hat», erzählt Hakan. «Als ich sagte, ich wisse es nicht, schaute mich die Frau ganz entgeistert an, so der 13-Jährige weiter. Und die Frage nach den Aussenwachten der Stadt Uster habe er nicht beantworten können, weil er das Wort nicht verstanden habe. «Da fürchtete ich plötzlich, dass ich den Schweizer Pass nicht kriege.»

Bedenken beim Experten

Laut Jörg Schweiter, dem stellvertretenden Stadtschreiber, werden solche Gespräche mit Kindern ab elf Jahren durchgeführt: «In diesem Gespräch klären wir die grundsätzliche Integration ab. Dazu gehört die Sprache, aber auch ein gewisses staatsbürgerliches Wissen.» Der Migrationsexperte und Richter Luca Cirigliano hat Bedenken: «Diese Befragung muss unbedingt altersgerecht gestaltet werden. Sonst ist die Rechtsgleichheit zwischen Kindern und Erwachsenen nicht gewahrt.»

* Name von der Redaktion geändert

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