«Wie ein Mörder»: Behörde will Hunde von 77-Jähriger einschläfern
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«Wie ein Mörder»Behörde will Hunde von 77-Jähriger einschläfern

Seit Jahrzehnten kümmert sich Jacqueline Locher in ihrem Chalet in Magglingen liebevoll um Hunde. Doch nun kamen Polizei und Veterinäramt bei ihr vorbei.

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Das kleine Hundeparadies im Chalet von Jacqueline Locher in Magglingen ist seit einigen Wochen aus den Fugen geraten. Die alte Frau ist verzweifelt. (Tanja Lander / Bieler Tagblatt)

Das kleine Hundeparadies im Chalet von Jacqueline Locher in Magglingen ist seit einigen Wochen aus den Fugen geraten. Die alte Frau ist verzweifelt. (Tanja Lander / Bieler Tagblatt)

«Ich weiss wirklich nicht mehr, wie es weitergehen soll. Es ist fast nicht auszuhalten. Die wollen, dass meine Hunde verschwinden. Und ich gleich dazu!», sagt Jacqueline Locher zu 20 Minuten. Ihre elf Hunde – sie sind das Leben der 77-Jährigen. Doch das ist wegen einer Anzeige ihrer Nachbarn aus den Fugen geraten, wie das «Bieler Tagblatt» berichtete: Die Hunde würden zu viel Lärm machen.

Da kam die Polizei bei Frau Locher vorbei, die seit rund vierzig Jahren das Chalet in Magglingen bewohnt. «Die kamen vorbei zur Kontrolle. Und die vom Veterinäramt auch. Ich kam mir vor wie ein Mörder!», sagt Locher. «Gegen Drögeler und Einbrecher macht man nichts, und bei mir kontrolliert man jedes Detail. Dabei geht es meinen Hunden doch gut», enerviert sich die Tierfreundin.

Einschläferung empfohlen

Tatsächlich hat das Veterinäramt des Kantons Bern laut «Bieler Tagblatt» den Gesundheitszustand der Hunde nicht grundsätzlich beanstandet. Eine gesetzlich vorgeschriebene Obergrenze für die Anzahl gehaltener Hunde gibt es nicht. Aber dennoch steht im Schreiben des Amts: Jacqueline Locher soll mindestens drei ihrer elf Hunde abgeben. Den ältesten, so die Empfehlung, sollte man einschläfern. Sie sei mit den Tieren «überfordert».

«Die wollen meine Hunde wegnehmen und meinen Ältesten töten», sagt Locher. «Dabei weiss ich genau, was zu tun ist, wenn die Zeit für ihn gekommen ist. Er ist alt – 19 – aber gesund. Er wackelt wacker, hat eindeutig keine Schmerzen, und er isst gut.» Locher kann nicht verstehen, warum das Amt ihren ältesten Schützling einschläfern möchte: «Hätte er Krebs oder würde er leiden, dann würde ich handeln. Das habe ich noch immer.» Ihre Hunde würden regelmässig von einer Tierärztin untersucht.

Hundeschulzwang und Streit mit den Nachbarn

Das Amt hatte von der betagten Frau auch verlangt, dass sie mit den Hunden, die seit der Gesetzesrevision im Jahr 2008 neu in ihre Obhut hinzugekommen sind, den obligatorischen Hundekurs absolviert. «Das ist doch ein Witz», sagt Locher, «ich soll einen über 14-jährigen, braven, kleinen Pudel in die Hundeschule schicken? Das bringt doch nichts!» Ausserdem könne sie wegen einiger körperlicher Beschwerden nicht selber an langen Hundeschulkursen teilnehmen.

Begonnen habe die Misere, als neue Nachbarn gegenüber ein Haus bauten. «Das war vor rund drei Jahren. Die wollen mich fertigmachen», sagt Locher. Die neuen Leute würden kein Wort persönlich mit ihr sprechen. Von Anfang an hätten sie verlangt, dass sie die alten Bäume in ihrem Garten fälle – «aber ich mag diese Bäume». Seit einiger Zeit «rufen sie immer gleich die Polizei. Auch wenn nicht mal ein Hund von mir im Garten ist. Dabei haben sie selber einen Hund, und der bellt am lautesten», so Locher. Nun hätten sie Klage eingereicht, weshalb es überhaupt zur Kontrolle gekommen sei. Auch bei der Gemeinde sei man überrascht von der Klage – man wolle eine gute Lösung finden, berichtet die Zeitung.

Dafür, seufzt Jacqueline Locher, sei es nun doch schon zu spät. Sie fürchtet um ihre Hunde. Und sie ist ihres Lebens nicht mehr froh: Am liebsten würde sie weg, obwohl es ihr doch gefällt in im Chalet mit ihren Tieren. «Aber für Veränderungen bin ich viel zu alt.»

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