Balkon-Drama in Montreux (VD): Behörden bestätigen Suizid-These – Sohn (15) ausser Lebensgefahr
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Balkon-Drama in Montreux (VD)Behörden bestätigen Suizid-These – Sohn (15) ausser Lebensgefahr

Die Waadtländer Justiz hat ihre Untersuchung zum Fall abgeschlossen. Zwar sei keine endgültige Klarheit da, aber mit grösster Wahrscheinlichkeit hätten die Eltern ihre Kinder in den Tod getrieben.

von
Patrick McEvily
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Ende März starben in Montreux vier Mitglieder einer Familie nach Stürzen aus mehreren Metern Höhe.

Ende März starben in Montreux vier Mitglieder einer Familie nach Stürzen aus mehreren Metern Höhe.

20min/Sébastien Anex
Einzig der 15-jährige Sohn eines 41-jährigen Franzosen und dessen 40-jähriger marokkanischer Frau überlebte.

Einzig der 15-jährige Sohn eines 41-jährigen Franzosen und dessen 40-jähriger marokkanischer Frau überlebte.

20min/Sébastien Anex
Nun haben die Waadtländer Behörden erklärt, dass es sich beim Vorfall mit grosser Sicherheit um einen kollektiven Suizid gehandelt hat.

Nun haben die Waadtländer Behörden erklärt, dass es sich beim Vorfall mit grosser Sicherheit um einen kollektiven Suizid gehandelt hat.

20min/Daniel Krähenbühl

Darum gehts

Im März war es in der westschweizer Stadt Montreux zum tragischen Tod mehrerer Mitglieder einer Familie gekommen. Ein 40-jähriger Mann, dessen Ehefrau (41), die gemeinsamen Tochter (8) und die Zwillingsschwester der Frau waren tot auf der Strasse vor einem Wohnhochhaus im Stadtzentrum aufgefunden worden.

Nun geben die Behörden bekannt: Es handelte sich dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit um einen sogenannten «kollektiven Suizid». Die Familienmitglieder waren eins nach dem anderen vom Balkon im siebten Stock gesprungen. 

Der 15-jährige Sohn war schwerverletzt neben seinen Verwandten aufgefunden worden. Beim Sturz hatte er sich mehrere Knochenbrüche zugezogen. Noch immer liegt er in einem Spital, befindet sich aber ausser Lebensgefahr, wie die Waadtländer Behörden in einer Mitteilung am Mittwoch schreiben.

Familie sorgte sich vor Eingriff der Behörden

In den Tagen und Wochen nach dem tragischen Vorfall hätten Vertreter der Jugendstaatsanwaltschaft und Jugendpsychologen mit ihm gesprochen. An den Tag des Sturzes kann er sich nicht erinnern. Allerdings bestätigte er den Lebensstil der Familie, erklärte aber auch, es habe keinerlei Anzeichen für eine solche Eskalation gegeben. 

Nach Ausbruch der Pandemie hat sich die Familie gemäss den Ermittelnden stark zurückgezogen und ein Lager an Lebensmitteln angehäuft. Die Wohnung hätten sie kaum noch verlassen. Die aus Marokko stammende Mutter und die achtjährige Tochter seien nicht bei den Behörden am Wohnort gemeldet gewesen, beide Kinder seien im Homeschooling unterrichtet worden.

Die Familie hätte sich zunehmend vor den Behörden gefürchtet. Die Ergebnisse einer Autopsie der vier Todesopfer stehen noch aus. Die polizeilichen Ermittlungen seien mittlerweile aber abgeschlossen, schreiben die Verantwortlichen am Mittwoch.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Kind verloren?

Hier findest du Hilfe:

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Himmelskind.ch, für Akuthilfe und Trauerbegleitung

SIDS, nach plötzlichem Kindstod

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Mein-Sternenkind.ch, für betroffene Väter, Familien, Angehörige

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Appella, Telefon- und Onlineberatung bei früher Fehlgeburt

Pro Pallium, Trauergespräche und Trauertreffen

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

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