Covid-Ausbruch in Bezirksschule: «Die Schule tritt unsere Massnahmen mit Füssen»
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Covid-Ausbruch in Bezirksschule«Die Schule tritt unsere Massnahmen mit Füssen»

Nach Corona-Fällen an der Aargauer Bezirksschule Bremgarten setzte sich der Schulleiter für ein Durchtesten der gesamten Schule ein. Dass er damit beim Kanton nicht durchkam, bereitet Eltern Sorgen.

von
Bettina Zanni
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Der Schulleiter der Bezirksschule Bremgarten wollte die Infektionen mit dem Coronavirus mit Massentests in den Griff bekommen. 

Der Schulleiter der Bezirksschule Bremgarten wollte die Infektionen mit dem Coronavirus mit Massentests in den Griff bekommen.

20min/Marco Zangger
Aus diesem Grund habe er beim Contact Tracing des Kantons Aargau den Antrag gestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen und das weitere Schulpersonal getestet werden sollten.

Aus diesem Grund habe er beim Contact Tracing des Kantons Aargau den Antrag gestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen und das weitere Schulpersonal getestet werden sollten.

20min/Marco Zangger
«Leider musste man mir mitteilen, dass es keinen Ort gebe, der über die notwendige Kapazität verfüge, dass derart viele Personen getestet werden können», bedauert der Schulleiter im Elternbrief.

«Leider musste man mir mitteilen, dass es keinen Ort gebe, der über die notwendige Kapazität verfüge, dass derart viele Personen getestet werden können», bedauert der Schulleiter im Elternbrief.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Schüler der Bezirksschule Bremgarten im Kanton Aargau infizierten sich kürzlich mit dem Coronavirus.

  • In einem Elternbrief bedauert der Schulleiter die Absage für einen beantragten Massentest.

  • «Die Schule ist ein Virenherd, gegen den wir machtlos sind», so ein Vater.

Nach den Ostertagen schicken die Eltern ihre drei Kinder mit einem mulmigen Gefühl in die Bezirksschule Bremgarten. «Die Schule ist ein Virenherd, gegen den wir machtlos sind», sagt Vater P. V. * Zu Hause hätten sie seit einem Jahr keine auswärtigen Personen mehr empfangen, sagt Mutter S. V. «Wir halten uns extrem an die Massnahmen. Doch die Schule tritt das mit Füssen.»

Anlass zur Sorge gibt dem Paar ein Elternbrief, den Schulleiter Guido Wirth am 1. April verschickte. Im Brief, der 20 Minuten vorliegt, informiert er, dass sich die Corona-Fälle in den vergangenen Tagen an der Schule wieder gehäuft hätten. Aus diesem Grund habe er beim Contact Tracing des Kantons Aargau den Antrag gestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen und das weitere Schulpersonal getestet werden sollten.

Notwendige Kapazität fehle

Im Brief bedauert der Schulleiter jedoch, für eine Massentestung der rund 350 Personen eine Absage erhalten zu haben. «Leider musste man mir mitteilen, dass es keinen Ort gebe, der über die notwendige Kapazität verfüge, dass derart viele Personen getestet werden könnten.» Deshalb würden die Eltern gebeten, ihre Töchter und Söhne bei geringsten Anzeichen einer Symptomatik selber zum Test anzumelden.

Das Ehepaar V. hat kein Verständnis für die abgesagten Massentests. Die Schule müsse alles unternehmen, damit der Massentest in der Schule stattfinden könne, fordert es. «Es werden kaum alle Eltern ihre Kinder bei Symptomen selber zum Test schicken.»

«Es ist speziell»

Der Gesamtschulleiter bestätigt, dass die Schule ein anderes Vorgehen im Auge hatte. «Unter einem Massentest stellten wir uns die regelmässigen Spucktests in Räumlichkeiten der Schule vor, die an anderen Schulen bereits umgesetzt werden», sagt Guido Wirth, Gesamtschulleiter der Schule Bremgarten.

Er könne die Sorgen der Eltern gut verstehen, sagt Wirth. «Es ist speziell, dass der Kanton uns keinen Massentest an der Schule zubilligt.» In diesem Fall seien der Schule jedoch die Hände gebunden. «Wir dürfen über keine Massnahmen verfügen, die über die Vorgaben des Kantons hinausgehen.»

Abklärungen seien durchgeführt worden

Laut Michel Hassler, Sprecher des Aargauer Gesundheitsdepartements, kam es in der Bezirksschule Bremgarten zu einem Infektionsausbruch mit bisher sechs infizierten Personen. Im Rahmen von Ausbruchsuntersuchungen führe der Kanton Aargau keine repetitiven Spucktests vor Ort durch, sondern setze auf einmalige Tests in bestehenden Teststrukturen im Gesundheitswesen. In der Regel handle es sich um Testcenter der Spitäler.

Auf Wunsch der Schule und Eltern seien Abklärungen zu möglichen Massentestungen in diversen Testzentren durch das Contact Tracing durchgeführt worden, sagt Hassler. «Dabei waren am Kantonsspital Baden zu diesem Zeitpunkt nicht genügend Kapazitäten zur Übernahme des gesamten Massentestings vorhanden.»

Testen in Zentren, aber nicht in der Schule

Testdurchführungen ausserhalb des Kantonsspitals Baden seien von der Schule als nicht umsetzbar betrachtet worden, sagt Hassler. «Die flächendeckenden Tests wären möglich gewesen.» Aus Kapazitätsgründen hätten diese in mindestens zwei Testzentren durchgeführt werden müssen. «Alle Personen, die sich testen lassen wollten, konnten sich direkt beim Kantonsspital Baden melden.»

Der Schule schien dieser Weg laut Gudio Wirth aber kompliziert. «Möglicherweise gab es beim Kanton gar nie die Überlegung, die Tests direkt an der Schule durchzuführen.»

«Es gibt keine Häufung von Ansteckungen»

Mit vielen Ansteckungen rechnet der Gesamtschulleiter trotz der Abfuhr nicht. «Es gibt keine Häufung von Ansteckungen in einer Klasse, da die infizierten Schüler aus verschiedenen Klassen stammen.» Auch das Aargauer Gesundheitsdepartement hält fest, dass keine breiten Quarantänemassnahmen notwendig seien – an der Bezirksschule sei die Maskenpflicht eingehalten worden.

Massentests könnten an Aargauer Schulen aber schon bald Zukunft sein. Michel Hassler macht darauf aufmerksam, dass der Kanton Ende März die Pilotphase für das Projekt «Repetitives Testen» abgeschlossen habe und aktuell das Hauptprojekt vorbereite.

Massentests würden evaluiert

Mit dem repetitiven Testen mit gepoolten Speicheltests (siehe Box) sollten asymptomatische Personen, die infiziert sind, gefunden werden, so Hassler. «Die Ausweitung auf möglichst viele Schulen ist Teil der laufenden Evaluation.»

Zu Corona-Ausbrüchen kam es in der letzten Zeit an Schulen immer wieder. Etwa die Website schulcluster.ch erfasst diese regelmässig.

*Name der Redaktion bekannt.

Pool-Probe

Bei Pool-Proben wie etwa an den Schulen im Kanton Zug werden jeweils rund zwölf Speichelproben der Schülerinnen und Schüler zusammengeführt und getestet. Im Falle einer negativen Pool-Probe ist der Massentest damit abgeschlossen. Ist die Pool-Probe dagegen positiv, werden zusätzlich die Individualproben, die durch einen Abstrich mittels Wattestäbchen im Mund erfolgten, einzeln nachgetestet.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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