«Operation Disruptor»: Behörden gelingt einer der grössten Drogen-Takedowns der Geschichte

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«Operation Disruptor»Behörden gelingt einer der grössten Drogen-Takedowns der Geschichte

In sieben Ländern ist es zu insgesamt 179 Verhaftungen gekommen. Es handelt sich dabei um einen gezielten Schlag gegen den Drogenhandel im Darknet.

von
Dominique Zeier
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Der «Operation Disruptor» ist es gelungen, 179 Personen in sieben verschiedenen Ländern der Welt aufzuspüren. 

Der «Operation Disruptor» ist es gelungen, 179 Personen in sieben verschiedenen Ländern der Welt aufzuspüren.

KEYSTONE
Es handelt sich um eine der grössten Operationen gegen Drogenhandel im Darknet. 

Es handelt sich um eine der grössten Operationen gegen Drogenhandel im Darknet.

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Rund 6,5 Millionen Dollar konnten sichergestellt werden. 

Rund 6,5 Millionen Dollar konnten sichergestellt werden.

DEA

Darum gehts

  • Im Zuge einer gross angelegten Untersuchung ist es gelungen, Drogenhändler in sieben verschiedenen Ländern aufzuspüren.
  • Sie boten ihre Ware über das Darknet an.
  • Insgesamt wurden 179 Personen verhaftet, 500 kg Drogen sichergestellt und rund 6,5 Millionen Dollar beschlagnahmt.
  • Es handelt sich um eine der grössten Operationen gegen illegalen Drogenhandel in der Geschichte des Darknets.

179 Verhaftungen verteilt auf sieben Länder, 500 Kilogramm Drogen beschlagnahmt, 6,5 Millionen Dollar sichergestellt: Es handelt sich um eine der grössten Operationen in der Geschichte gegen Drogenhandel im Darknet. Begonnen hat alles mit der Schliessung des Umschlagsplatzes «Wall Street Market» im Mai 2019. Damals war es der deutschen Polizei gelungen, den beliebten Untergrund-Basar ein für alle Mal zu vernichten. Drei Personen mussten sich vor Gericht verantworten.

Wie sich nun zeigt, stellte dies aber nur den Anfang einer noch viel grösseren Untersuchung dar, die den Codenamen «Operation Disruptor» erhielt und in Zusammenarbeit zwischen Europol und dem Department of Justice der USA entstanden ist. Was bisher nicht öffentlich bekannt war: Der deutschen Polizei war es 2019 gelungen, bei der Zerschlagung des Wall Street Market auch den Backend-Server sicherzustellen. Darauf zu finden waren wichtige Beweise, die die Existenz eines noch viel grösseren Drogennetzwerks dokumentieren, wie Wired.com beschreibt.

Morphin-Pillen in Maracas versteckt

«Diese Informationen halfen uns dabei, weitere Dealer zu identifizieren, die heute festgenommen werden konnten», teilte ein Polizeisprecher von Europol am Dienstag während einer Pressekonferenz mit. Um dies möglich zu machen, habe man zuerst einmal alle Informationen gesammelt und dann sogenannte «Geheimdienstpakete» in die betroffenen Länder geschickt. «Dabei handelt es sich hauptsächlich um Informationen oder Dokumente, die aufzeigen, dass eine bestimmte Person in diesem Land in illegale Aktivitäten verwickelt ist und dass vielleicht eine Untersuchung eingeleitet werden sollte», so der Sprecher.

Was ist das Darknet?

Über 99 Prozent der Daten im Internet sind nicht über Suchmaschinen auffindbar. Man spricht vom Deep Web. Darin versteckt sich auch das Darknet. Das sind Netzwerke, die bewusst unsichtbar sein wollen. Um darauf zuzugreifen, benötigt man spezielle Software wie den Tor-Browser. Der Datenverkehr verläuft dabei verschlüsselt und über unzählige, zufällig ausgewählte private Rechner. Überwacher können so nur schwer Informationen über die Kommunikation sammeln. Die Arbeit an der Tor-Software begann 2002 an der Universität Cambridge. In der Anfangszeit wurde Tor von US-amerikanischen Behörden wie Darpa unterstützt. Seit 2006 kümmert sich die Non-Profit-Organisation The Tor Project um die Aufrechterhaltung von Tor. Finanziert wird das Projekt von der US-Regierung und privaten Spenden.

Konkret wurden laut der BBC in den USA 119 Personen verhaftet. In Kanada waren es zwei Personen, in Deutschland 42, in Holland acht, in Grossbritannien vier, in Österreich drei und in Schweden eine Person. Über die Identität der meisten Festgenommenen ist nichts bekannt, allerdings soll sich darunter eine Gruppe von Dealern aus Ohio befinden, die unter dem Namen Pill Cosby bekannt war. Sie sollen Millionen von Fentanyl-Pillen verschickt haben. In Washington D.C. wurde ein Händler festgenommen, der Tausende von Oxycodon-, Xanax- und Morphin-Pillen verkaufte. Zum Versand versteckte er diese in Souvenir-Maracas.

Drogenboss festgenommen

Unter den Festgenommenen soll sich laut dem Drug-Enforcement-Administrator Timothy Shea auch der berühmt-berüchtigte Drogenhändler Arden McCann, besser bekannt als RC Queen oder DR Xanax, befinden. Er soll für den Verkauf und Versand von mehr als 20 Kilogramm Fentanyl und über 300’000 Xanax-Pillen pro Monat verantwortlich gewesen sein.

«Mit der Verkündigung dieser Festnahmen wollen wir zeigen, dass es egal ist, wohin ihr geht oder wie ihr versucht, eure Machenschaften zu verstecken, wir werden euch so oder so finden», sagte der FBI-Chef Christopher Wray. Dies scheint tatsächlich immer häufiger zu funktionieren. Bereits im Jahr 2017 war es den Behörden gelungen, den Drogenmarkt Hansa im Darknet zu zerschlagen. Ausserdem setzte das FBI auch dem noch grösseren Konkurrenten von Hansa, Alpha Bay, ein Ende.

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