Aktualisiert 24.01.2016 15:04

Thrombose-Gefahr«Behörden müssen diese Pille vom Markt nehmen»

Krankenversicherer CSS gibt nicht auf: Die Anti-Baby-Pille Yasmin verursache mehr Schaden als Nutzen, zeigt eine neue Studie. Beim Pharmakonzern Bayer ist man von der Kritik wenig beeindruckt.

von
vro

Der Streit um die Anti-Baby-Pille Yasmin geht in eine neue Runde. Seit dem Schicksalsschlag der damals 16-jährigen Céline, die 2008 nach zweimonatiger Einnahme der Pille eine Thrombose erlitten hatte und seither schwerstbehindert ist, steht das Verhütungsmittel des Pharmakonzerns Bayer in der Kritik.

Eine neue Studie des Krankenversicherers CSS spielt nun den Yasmin-Gegnern in die Hände. Die Ergebnisse zeigen, dass die Pille volkswirtschaftlich mehr Schaden als Nutzen bringt. So müsse eine Frau, die Yasmin nehme, mit Gesundheitskosten von bis zu 391 Franken im Jahr rechnen, schreibt die Sonntagszeitung. Dies bei einem Ladenpreis von 243 Franken. Für Studienautor Konstantin Beck steht deshalb fest: «Die Behörden müssen die Pille vom Markt nehmen.»

Kampf geht trotz Niederlage vor Gericht weiter

Laut den zuständigen Behörden ist das – lediglich gestützt auf die neusten Ergebnisse – jedoch nicht möglich. Beck glaubt dennoch an einen Teilerfolg. Denn auch in Deutschland muss sich Bayer vor Gericht verantworten. Eine Frau hat geklagt, weil sie eine Lungenembolie erlitten hatte. Als Ursache sieht sie die Anti-Baby-Pille Yasmin, berichtet die Zeitung weiter. Beck: «Ich stelle meine Berechnungen der Klägerin zur Verfügung. Ich bin überzeugt, dass es ihr helfen wird.»

Im Fall Céline zog die CSS jedoch den Kürzeren. Anfang 2015 urteilte das Bundesgericht, dass Bayer nicht haften muss. Bereits damals kündigte der Krankenversicherer an, andere Wege zu beschreiten, um weitere Fälle zu verhindern. In einer Studie, die im Herbst vorgestellt wurde, kritisierte das Unternehmen etwa, dass in den Packungsbeilagen sowie in den Fachinformationen für die Ärzte wesentliche Informationen zu den Risiken und Nebenwirkungen fehlten. Mit der neusten Studie hat die CSS nun zum nächsten Schlag ausgeholt.

Bayer kritisiert Studie

Pharmakonzern Bayer zeigt sich jedoch unbeeindruckt. Die Berechnungen der Studie könne man «weder nachvollziehen noch kommentieren», sagt eine Sprecherin zur Sonntagszeitung. Die Quellen der Informationen und Daten seien nicht erkennbar. Beck ist jedoch anderer Meinung. Wären die neusten Berechnungen damals schon bekannt gewesen, hätte das Bundesgericht im Fall Céline möglicherweise anders entschieden, ist er überzeugt.

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