Aktualisiert 09.03.2020 15:51

Der Terrier ist zurückBehrami kämpft wieder wie einst gegen Neymar

Die Karriere des Tessiners geriet ins Stocken. Nun sorgt auch er dafür, dass sie in Genua wieder auf den Klassenerhalt hoffen dürfen.

von
Marcel Rohner
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Jagt wieder Bälle und grosse Namen: Valon Behrami (rechts), hier im Duell mit dem Schweden Zlatan Ibrahimovic, der im Spiel zwischen Milan und Genoa so seine Mühe mit dem Schweizer hatte.

Jagt wieder Bälle und grosse Namen: Valon Behrami (rechts), hier im Duell mit dem Schweden Zlatan Ibrahimovic, der im Spiel zwischen Milan und Genoa so seine Mühe mit dem Schweizer hatte.

Reuters/Daniele Mascolo
Da war doch mal etwas: Behrami nach einem Zweikampf mit Neymar an der WM 2018. Der Brasilianer biss sich an Behrami die Zähne aus.

Da war doch mal etwas: Behrami nach einem Zweikampf mit Neymar an der WM 2018. Der Brasilianer biss sich an Behrami die Zähne aus.

kein Anbieter/AP Photo/Andrew Medichini
Im Sommer 2019 stiess Behrami zum FC Sion. Das Abenteuer war nach zwei Monaten wieder vorbei. Der Tessiner blieb drei Monate lang vereinslos.

Im Sommer 2019 stiess Behrami zum FC Sion. Das Abenteuer war nach zwei Monaten wieder vorbei. Der Tessiner blieb drei Monate lang vereinslos.

Keystone/Jean-Christophe Bott

Es sind fast zwei Jahre vergangen, da trieb Valon Behrami Neymar in den Wahnsinn. Der Brasilianer rollte und rollte, er hörte gar nicht mehr auf, sich vor Schmerzen zu winden. Und Behrami stand einfach da, mochte sich ab der ganzen Theatralik gar nicht gross aufregen. Er lachte sogar. Denn an ihm war kein Vorbeikommen. Nicht an diesem Juni-Tag an der WM in Russland, als die Schweiz auch dank seiner Leistung einen Punkt gegen Brasilien holte. Diese Zeitung gab ihm die Note 5,5. Er selbst sagte hinterher, er hoffe, dass die Schweizer nun mit einem Lächeln zur Arbeit gehen. An der Langstrasse skandierten Hunderte seinen Namen.

Seither ist einiges passiert im Leben von Valon Behrami. Die brasilianischen Fans wünschten ihn nach dem Spiel zum Teufel. Er hat geheiratet. Er hat der Nationalmannschaft den Rücken gekehrt, weil er sich in seinem Stolz verletzt sah. Er kam zurück in die Schweiz, zu Sion, und verliess den Verein zwei Monate danach wieder. Er war vereinslos. Während dreier Monate. Mit bald 35. Am 2. Januar 2020 kam er beim FC Genoa unter. Das ist der Verein, der ihm damals schon seine ersten fussballerischen Schritte in Italien ermöglicht hatte, 2003 wechselte er erstmals nach Ligurien.

«Er rennt wie ein Verrückter

Jetzt ist er also wieder da. Und er jagt die Bälle, als hätte er nie etwas anderes getan. Nicht gerade gegen Neymar, aber immerhin gegen Zlatan Ibrahimovic. Am Sonntagnachmittag traf Behrami mit Genoa auf die AC Milan, in einem wegen des Coronavirus gespenstisch leeren San Siro. Genoa gewann das Spiel. Und Behrami das Duell mit jedem Spieler in Rotschwarz, der sich mit einem Ball am Fuss in seine Zone wagte. Die «Gazzetta dello Sport» schreibt in ihrer Einzelkritik: «Immer am richtigen Ort, mit der Ausstrahlung derer, die viel gesehen haben und wissen, wie man es macht.» Der «Corriere della Sera» legt nach: «Solange er Benzin hat, rennt er wie ein Verrückter.»

Behramis Zone, das ist die vor der Abwehr. Er ist noch einer dieser Haudraufs, von denen es nicht mehr sehr viele gibt. Er geht dahin, wo es wehtut, und er sagte einmal, sein Körper werde nach der Karriere kaputt sein. Am Sonntag in Mailand reicht es für 63 Minuten, dann humpelt er raus. Da ist Genoa schon 2:0 vorne, und vor allem Ibrahimovic dürfte froh sein, ist Behramis Arbeitstag vorbei. Der Schwede lässt sich oft weit zurückfallen, einmal gibt er sogar den Passgeber an der Mittellinie, ist fast hinterster Mann. Es ist die Folge der grossen physischen Präsenz Genoas im Mittelfeld, nicht nur, aber vor allem, in Person von Valon Behrami. Erst in der Schlussphase schiesst Ibrahimovic das 1:2.

Erstmals seit November nicht auf einem Abstiegsplatz

Es sind solche Spiele, in denen der Tessiner glänzen kann. Spiele, in denen der Gegner das Spiel macht. Oder machen muss, wie Milan am Sonntag, weil Genoa nach sechs Minuten in Führung geht. Behrami ist nicht und war nie der Mann der Tore und Assists, er ist der, der den Gegner zermürbt. Einen wie ihn braucht man im Abstiegskampf. Es scheint, als habe sich Trainer Davide Nicola dasselbe gedacht. Als er Ende Dezember zu Genoa kam, war es seine erste Amtshandlung, Behrami zu verpflichten. Die beiden hatten schon bei Udinese zusammengearbeitet.

2019 beendete Genoa noch auf dem letzten Tabellenplatz der Serie A, hatte in 17 Spielen nur elf Punkte geholt. Seit Behrami da ist, geht es für das Team bergauf. Bei sieben Einsätzen steht der Schweizer im Jahr 2020, fünfmal spielte er dabei von Beginn an. In diesen Spielen gab es nur eine Niederlage, vor zwei Wochen zu Hause gegen Lazio Rom, den Tabellenzweiten. Erstmals seit November 2019 liegt Genoa nicht mehr auf einem Abstiegsplatz, auch wenn das Polster dünn ist. Im Duell mit Lecce auf Rang 18 entscheidet momentan die Tordifferenz.

Behrami wird in den kommenden Wochen nicht dafür sorgen, dass diese besser wird. Es ist auch nicht seine Aufgabe. Er wird versuchen, sie gering zu halten. Dafür wurde er geholt.

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