09.03.2016 18:11

Snowden zu iPhone-Hack«Bei allem Respekt, das FBI behauptet Bullshit»

Der Whistleblower Edward Snowden sagt, dass die US-Sicherheitsbehörde auch ohne Apples Hilfe schon iPhones entsperren könne.

von
pst

Im Rahmen einer Konferenz der Nonprofit-Organisation Common Cause hat sich Ex-CIA-Mitarbeiter Edward Snowden per Videoschaltung aus seinem Moskauer Exil zu Wort gemeldet. Der Whistleblower äusserte sich unter anderem zur Behauptung des FBI, nur Apple könne die Verschlüsselung des iPhones knacken. Er bezeichnete die Aussage der US-Sicherheitsbehörde als «Bullshit», wie Thenextweb.com berichtet.

Snowden verwies auf einen Blogeintrag auf der Website der American Civil Liberties Union (ACLU), der beschreibt, wie das FBI sehr wohl auch ohne die Hilfe des Smartphone-Herstellers aus Cupertino iPhones entsperren könnte. Schon zuvor hatten Sicherheitsexperten verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie man an iPhone-Daten herankommt, ohne dass die eingebauten Sicherheitsmechanismen des Geräts sie zerstören.

Brute-Force-Attacken möglich

Tippt man den Code zum Entsperren des iPhones mehr als zehnmal falsch ein, löscht das Gerät automatisch die darauf befindlichen Daten – falls diese Funktion aktiviert ist. Wie der ACLU-Bericht aber zeigt, könnte das iPhone mit allen Daten einfach geklont werden. Danach stehen pro Klon maximal zehn Versuche zur Verfügung, den PIN per Brute-Force-Methode (siehe Box) zu knacken.

Selbst wenn es beim FBI niemanden gebe, der in der Lage sei, ein iPhone zu knacken, könnte die Behörde problemlos jemanden mit den entsprechenden Fähigkeiten engagieren, heisst es in dem Blogeintrag weiter. Allerdings wäre es für das FBI wohl einfacher, wenn Apple dazu gezwungen wäre, seine Geräte selbst zu entschlüsseln. Apple-Chef Tim Cook und andere Tech-CEOs wie etwa Elon Musk (Tesla) stellen sich gegen die FBI-Pläne, Firmen zum Knacken eigener Geräte per Gerichtsbeschluss zu zwingen.

Das FBI versucht eigenen Angaben zufolge seit Monaten erfolglos, das Smartphone des San-Bernardino-Attentäters zu entsperren. Die Sicherheitsbehörde versucht, Apple mittels richterlicher Anordnung zum Knacken des fraglichen iPhones zu zwingen. Ein Richter in New York hingegen hat in einem anderen Fall nach der Anordnung aus Kalifornien entschieden, dass Apple nicht zum Knacken von iPhones gezwungen werden darf.

Whistleblower Edward Snowden ist der Meinung, dass das FBI auch ohne Apple iPhones knacken könne.

Brute-Force-Attacke

Unter einer Brute-Force-Attacke (engl. «Methode der rohen Gewalt») versteht man den Versuch, zum Beispiel ein gesichertes, digitales Gerät zu entsperren, indem alle möglichen Sicherheitsnummern eingegeben werden. Bei einem vierstelligen Code wären es zum Beispiel 10'000 mögliche Zahlenkombinationen.

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