Manager entmachtet: Bei Apple rollen die Köpfe
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Manager entmachtetBei Apple rollen die Köpfe

Der für das Karten-App-Desaster verantwortliche Apple-Manager muss gehen. Und auch den Chef der Apple Stores hat es erwischt. Dafür erhält Design-Guru Jonathan Ive deutlich mehr Verantwortung.

von
dsc
Scott Forstall, einstiger Jobs-Intimus und verantwortlich für das iPhone-Betriebssystem iOS, hat seine Sonderstellung bei Apple verloren.

Scott Forstall, einstiger Jobs-Intimus und verantwortlich für das iPhone-Betriebssystem iOS, hat seine Sonderstellung bei Apple verloren.

Stühle rücken in der Teppichetage von Apple. Gleich zwei Spitzenmanager verlassen überraschend das Unternehmen. Und das nicht freiwillig, wie es scheint. Ein Grund für die Abgänge wird von Apple aber nicht genannt.

Vertriebschef John Browett scheidet nach nur sechs Monaten im Amt mit sofortiger Wirkung aus, wie das im kalifornischen Cupertino ansässige Unternehmen am Montag mitteilte. Browett war im April von der britischen Elektronikkette Dixons Retail zu Apple gewechselt. Neben ihm verlässt mit Scott Forstall ein langjähriger und erfahrener Manager den Konzern. Gemäss ersten Reaktionen handelt es sich um die einschneidensten Änderungen im Top-Management von Apple seit mehr als zehn Jahren.

Langjähriger Weggefährt von Steve Jobs

Forstall war seit 1997 bei Apple und ist einer der Urheber des Betriebssystems Mac OS X. Zuletzt war er als Senior Vice President für das iOS-Betriebssystem zuständig. Forstall scheidet im kommenden Jahr aus. Bis zu diesem Zeitpunkt wird er als Berater von Apple-Chef Tim Cook fungieren. Ein gut dotierter Beratervertrag ermöglicht dem Unternehmen, einen seiner wertvollsten Manager noch für eine gewisse Zeit zu binden. Immerhin verfügt der iOS-Chef über Wissen, dass er bei der Konkurrenz wohl mehr als vergolden lassen könnte. Forstalls bisherige Aufgaben werden von anderen Apple-Managern übernommen.

Forstall wollte sich nicht entschuldigen

Beide geschassten Apple-Manager waren für Entscheidungen verantwortlich, die sich als nachteilig für das Unternehmen herausgestellt haben. Browett hatte das Personal der Apple Stores verringert, was das Unternehmen später rückgängig machte und als Fehler bezeichnete. Forstalls Abteilung war im September für ein Software-Update zuständig, mit dem das Programm Google Maps durch die erste Apple-eigene Karten-App ersetzt wurde. Diese stiess wegen zahlreicher Fehler auf heftige Kritik von Nutzern.

Unbestätigten US-Medienberichten zufolge musste Forstall den Hut nehmen, weil er sich nicht öffentlich für das Karten-App-Desaster entschuldigen wollte. An seiner Stelle unterzeichnete der Apple-Chef Tim Cook den offenen Brief an die Kunden. Forstall galt als Schützling des im vergangenen Oktober verstorbenen Steve Jobs. Die beiden hatten in den 90er-Jahren bei der von Jobs gegründeten Computerfirma NeXT zusammengearbeitet.

Um die Karten-App (Maps), die Sprachassistentin Siri und weitere iOS-Herausforderungen wird sich neu der Chef der Multimedia-Plattform iTunes und des App Stores kümmern. Eddy Cue ist ebenfalls ein langjähriger Apple-Veteran und auch für den Online-Speicherdienst iCloud zuständig.

Mehr Macht für Jonathan Ive

Dafür wird die Stellung von Design-Chef Jonathan Ive ausgebaut. Er überwacht neu die Qualität aller Hardware und Software mit speziellem Fokus auf die Benutzerfreundlichkeit. Dass ein einzelner Manager für das Design aller Apple-Produkte verantwortlich ist, sei ein wichtiger Schritt in der Ära nach Steve Jobs, meinen Kommentatoren. Offenbar gab es nach dem Tod des Apple-Gründers beträchtliche interne Machtkämpfe. Mit dem Machtwort von CEO Tim Cook dürften diese ein Ende haben.

Die Auswirkung der Ankündigung auf die Börse ist noch nicht absehbar. In New York ist der Börsenhandel wegen des Hurrikans Sandy ausgesetzt. Ob zufällig oder gewollt: Der Zeitpunkt der Veröffentlichung scheint gut gewählt, das öffentliche Interesse ist zurzeit auf die US-Ostküste gerichtet.

Das erfolgsverwöhnte Unternehmen hatte kürzlich das zweite Geschäftsquartal in Folge die Aktionäre enttäuscht. Und auch die Prognose für das so wichtige Weihnachtsgeschäft blieb unter den Erwartungen der Analysten. (dsc/dapd)

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