«Cumulus-Green»: Bei Bio-Produkten gibts einen Röstigraben

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«Cumulus-Green»Bei Bio-Produkten gibts einen Röstigraben

Die Migros hat die Daten von Cumulus-Besitzern bezüglich Nachhaltigkeit ausgewertet. Das Resultat: Romands kaufen weniger Öko-Produkte.

von
lin

Seit 2014 gibt es für Besitzer der Cumulus-Karte der Migros die Möglichkeit zu erfahren, wie gross der Anteil nachhaltiger Produkte an ihrem Einkauf ist. «Cumulus Green» nennt der Grossverteiler dieses Programm, das zusammen mit dem WWF ausgearbeitet wurde. Als nachhaltig gelten dabei Produkte von zwölf verschiedenen Labels wie Migros Bio, Terra Suisse oder Max Havelaar. «Aus der Region für die Region» hingegen zählt nicht dazu.

Eine Auswertung der Migros zeigt nun, in welchen Kantonen am meisten «grüne» Produkte eingekauft werden. Am höchsten ist der Anteil in Zürich: Seit Beginn des Jahres kauften Cumulus-Besitzer dort 20,2 Prozent nachhaltige Produkte. Auf dem zweiten Platz folgt Glarus mit einem Anteil von 18,9 Prozent. Walliser Konsumenten kauften mit 15,6 Prozent am wenigsten Produkte der Migros-Öko-Labels. Freiburg mit 16,4 und Nidwalden mit 16,6 komplettieren die hintersten drei Plätze.

Insgesamt zeigt sich, dass die Migros-Konsumenten in der Westschweiz und im Tessin weniger nachhaltige Produkte kaufen als jene der deutschen Schweiz, wie «Le Matin» schreibt. Kantone aus der Romandie belegen sechs der hintersten acht Plätze im Migros-Ranking.

Unterschiede schwierig zu erklären

Dass die Westschweizer Konsumenten weniger nachhaltig denken, lasse sich aus den Zahlen aber nicht ablesen, denn zahlreiche Faktoren können des regionale Konsumverhalten beeinflussen, erklärt ein Migros-Sprecher «Le Matin». Dazu gehöre unter anderem, ob es in einer Region vor allem grosse oder kleine Filialen gebe. In grossen Filialen sei die Auswahl an Produkten grösser. Zudem habe die Migros Alnatura-Produkte bisher nur in der Deutschschweiz vertrieben, dies könne ebenfalls zu den Unterschieden beigetragen haben.

Auch für WWF-Sprecherin Pierrette Rey sind die regionalen Unterschiede schwierig zu erklären. Sie stellt aber fest: «Wenn man eine Hitparade der kleinen ökologischen Gesten macht, schneiden Romands oft schlechter ab.»

Herr Jaun, wieso konsumieren die Romands weniger Bio-Produkte?

Unsere Erfahrung zeigt: Den Deutschschweizern ist Bio und Nachhaltigkeit sehr wichtig, den Romands dafür eher Herkunftsbezeichnungen wie die Appellation d'Originie Protégée AOP (deutsch: geschütze Ursprungsbezeichnung). Romands fragen sich also eher: Was haben die Produkte für eine Tradition?

Wie stark wächst der Anteil von Bio-Produkten in der Schweiz?

In der Deutschschweiz ist der Bio-Anteil im Lebensmittelmarkt von 2012 bis 2014 von 6,5 auf 7,4 Prozent gestiegen. In der Romandie ist er im gleichen Zeitraum von 5,8 auf 6,5 Prozent gewachsen. Die Romands sind im Vergleich zu den Deutschschweizern punkto Bio also zwei Jahre im Rückstand.

Wie sieht dies bei der Produktion aus?

Auch bei der Herstellung von Bio-Produkten ist die Deutschschweiz im Vergleich zur Romandie führend. Deshalb hat Bio Suisse eine Initiative lanciert, um mehr Westschweizer Bauern zum Umstieg auf die Bio-Landwirtschaft zu bewegen. Bisher waren die Reaktionen sehr positiv.

Stephan Jaun ist Leiter Unternehmenskommunikation von Bio Suisse, dem Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe. (kwo)

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