Experiment vertagt: Bei CERN bleibt der Schampus im Kühlschrank
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Experiment vertagtBei CERN bleibt der Schampus im Kühlschrank

Ohne grosses Getöse hatte das CERN gestern den Neustart des weltweit grössten Teilchenbeschleunigers angekündigt. Wenige Minuten vor dem Termin wurde das Urknall-Experiment wieder abgeblasen. Nun soll die 4,5 Milliarden teure Anlage am Samstagmorgen wieder angeworfen werden.

von
kbr

Ursprünglich war der Neustart des Beschleunigers für Freitagmorgen um 9.30 Uhr angekündigt worden. Diesmal wurden die Fanfaren nicht zu laut geblasen: Die Ankündigung war seit ein paar Wochen auf dem Internetauftritt des Genfer Kernforschungszentrums zu lesen. Doch kurz vor dem genannten Termin wurde das Experiment abgesagt. Der Tag werde um einen Start verschoben, heisst es auf der CERN Webseite. Gründe für die Verschiebung wurden nicht genannt. Die Pressestelle des Europäischen Kernforschungszentrums war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Brotkrümmel verhindert Urknall

Geht es morgen nun wirklich los? Ein Blick in die Vergangenheit lässt Zweifel aufkommen. In den letzten Monaten kam es zu einigen Störfällen, welche der termingerechten Ausführung des Experiments immer wieder im Weg standen. Der letzte ereignete sich vor rund einer Woche, als ein Vogel ungeschickterweise einen Brotkrümmel in der Anlage fallen liess. Dies führte zu einem Kurzschluss in einer elektrischen Anlage ausserhalb des Gebäudes. Der Vogel konnte sich unverletzt aus dem Staub machen, sein Frühstück hatte er jedoch im 27 Kilometer langen Tunnel, in dem der Teilchenbeschleuniger sich befindet, verloren.

Von dem Vorfall war auch das Kühlsystem betroffen. In der Folge stieg die Temperatur an und musste wieder heruntergefahren werden. Das Kühlsystem hat schon einmal den Start des Teilchenbeschleunigers verhindert. Am 19. September 2008 hatte dessen Panne zwei Magneten des unterirdischen Beschleunigers lahmgelegt. In der Folge strömte eine grosse Menge zur Kühlung benötigtes Helium in den Tunnel. Damit das Experiment durchgeführt werden kann, muss der absolute Nullpunkt von 0 Grad Kelvin -zirka minus 273 Grad Celsius- annähernd erreicht werden. Das Experiment soll den Forschern mehr Erkenntnisse zur Enstehung des Weltalls liefern.

Der Traum der Kernphysiker ist 27 Kilometer lang

Wie CERN nach dem letzten Experiment-Abbruch mitteilte, sind inzwischen mehrere Sicherungsvorrichtungen eingebaut zu haben, die einen reibungslosen Betrieb gewährleisten sollen. Um seine volle Leistungskraft zu erreichen, muss der LHC mehrere Jahre laufen. Dabei werden hochenergetische Teilchen in einer 27 Kilometer langen Ringröhre bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, um sie dann aufeinander prallen zu lassen.

Der im Grenzgebiet von Frankreich und der Schweiz liegende, 27 Kilometer lange Beschleunigerring des Large Hadron Colliders (LHC) war Anfang September 2008 nach 13 Jahren Bauzeit eröffnet worden. Der Bau hat rund 4,5 Milliarden Schweizer Franken gekostet.

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