Terroranschläge: Bei Chinesen wächst die Angst vor Europareisen

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TerroranschlägeBei Chinesen wächst die Angst vor Europareisen

Reisegruppen aus China halfen Schweizer Hotels die Verluste von europäischen Gästen zu kompensieren. Nun meiden immer mehr Chinesen Europa.

von
F. Lindegger
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Die Schweiz hat es schwer, als Hauptdestination einer Europareise gewählt zu werden: Eine chinesische Touristin auf dem Titlis oberhalb von Engelberg OW.

Die Schweiz hat es schwer, als Hauptdestination einer Europareise gewählt zu werden: Eine chinesische Touristin auf dem Titlis oberhalb von Engelberg OW.

Keystone/Urs Flüeler
Im Winter 2015/16 kamen erstmals weniger Touristen aus China in die Schweiz als im Vorjahr.

Im Winter 2015/16 kamen erstmals weniger Touristen aus China in die Schweiz als im Vorjahr.

Keystone/Urs Flüeler
Diese Tendenz dürfte sich durch die jüngsten Terroranschläge weiter verstärken.

Diese Tendenz dürfte sich durch die jüngsten Terroranschläge weiter verstärken.

Keystone/Martial Trezzini

Das Attentat in einem Regionalzug in der Nähe von Würzburg sorgt auch in China für grosse Schlagzeilen. Grund: Der 17-Jährige Täter attackierte unter anderem vier Touristen aus Hongkong. Zwei der Chinesen sind gar lebensgefährlich verletzt worden. Das verstärkt in China die bereits vorhandenen Sicherheitsbedenken für Europareisen weiter, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet.

«Seit die Flüchtlingswelle nach Europa geschwappt ist, habe ich das Gefühl, dass der Terror nicht aufhören wird», zitiert die Zeitung einen Nutzer des chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo. «Frankreich, Deutschland – künftig wird es Terror in ganz Europa geben.» Die Chinesen sehen Europa als Krisenherd. Seit den Attacken in Paris im Januar und November 2015 sei die häufigste Frage der Kunden, ob geplante Reisen nach Paris noch sicher seien oder ob man sie stornieren solle, erklärt ein Manager des chinesischen Reiseveranstalters CYTS Tours der «Global Times».

Weniger Chinesen in der Schweiz

Obwohl die Schweiz von Terroranschlägen bisher verschont blieb, wirkt sich die Unsicherheit bei den chinesischen Touristen auch hierzulande aus. «Die Angst vor Terroranschlägen in Europa, aber auch die Flüchtlingskrise drücken stark auf die Reiselust. Da viele chinesische Touristen eine Schweizreise oft mit dem Besuch anderer europäischer Länder kombinieren, ist auch die Schweiz als vergleichsweise sicher geltendes Land betroffen», sagt Véronique Kanel, Sprecherin von Schweiz Tourismus.

Die Zahlen der Logiernächte vom Bundesamt für Statistik bestätigen das: Zwischen Januar und Mai sind sie im Vergleich zum Vorjahr bei chinesischen Touristen um über 12 Prozent zurückgegangen. Trotzdem rechnet Schweiz Tourismus für das laufende Jahr weiterhin mit einem Wachstum von 2 bis 3 Prozent bei den Hotellogiernächten von Chinesen. Das ist aber deutlich tiefer als in der ursprünglichen Prognose, die noch von 5 bis 7 Prozent ausging.

Neue Visastellen sollen helfen

Im vergangenen Jahr legten die Logiernächte von chinesischen Touristen noch um ein Drittel zu. Zwischen 2008 und 2015 hat sich die Zahl der Logiernächte von chinesischen Touristen von 214'349 auf 1'378'434 gut versechsfacht. Der Boom bei Besuchern aus China half der Schweizer Tourismusbranche, die Rückgänge bei europäischen Touristen teilweise zu kompensieren. Trotzdem setzt Schweiz Tourismus bei ihrer Werbung vor Ort weiterhin auf Motive wie Natur, frische Luft oder die Berge. «Dass die Schweiz verhaltnismassig sicher ist, brauchen wir hier nicht zu betonen, da dies gemeinhin bekannt ist», so Kanel.

Auch die Abschwächung der Konjunktur in China drückt auf die Reiselust. Zudem hatte auch die Einführung des biometrischen Schengenvisums für Chinesen im Oktober 2015 einen negativen Einfluss, da die Touristen seither eine von sechs Visaantragsstellen in China aufsuchen müssen. Laut Schweiz Tourismus hat die Schweiz nun als erster Schengen-Staat von China grünes Licht erhalten, um die Visaantragsstellen auf maximal 15 chinesische Städte auszuweiten. Das soll helfen, dass wieder mehr Touristen aus China den Weg in die Schweiz finden.

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