Teure Sozialwerke: Bei der AHV ist sparen angesagt
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Teure SozialwerkeBei der AHV ist sparen angesagt

Bei den Sozialversicherungen ist nach den Worten von BSV-Chef Yves Rossier sparen angesagt. Denn weil die Menschen werden immer älter würden, stiegen die Ausgaben der Sozialwerke jährlich um 2 bis 3 Prozent.

«Entweder sind wir bereit, jedes Jahr etwas mehr in die Sozialwerke einzuzahlen, oder wir müssen jedes Jahr runter mit den Leistungen, oder von beidem etwas. Das ist die Ausgangslage», sagte der Chef des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV), in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag».

Mit der 6. Revision der Invalidenversicherung will er deshalb «fast 1 Milliarde Franken pro Jahr sparen». Denn eines sei sicher: «Nur mit Eingliederung können wir die IV nicht sanieren. Den ersten Teil der Sparvorschläge werden wir schon im Januar oder Februar vorlegen.»

Weiter hofft Rossier das sich die «Tragödie der IV» nicht wiederholt. Heikel werde es, wenn der AHV-Fonds unter 20 Prozent falle. Dann funktioniere das AHV-System nicht mehr reibungslos.

Höhere Lohnabzüge wegen Babyboom

Während der BSV-Direktor bei IV und AHV sparen will, will er neue Geldquellen für die Erwerbsersatzordnung (EO), die den Urlaub der Mütter und die Diensttage der Soldaten bezahlt. «Der Bundesrat wird die Beiträge 2011 um 0,2 Lohnprozente erhöhen müssen», sagte er. Damit würde der Lohnabzug bei der EO 0,5 Prozent betragen.

Mehr als 78 200 Babys sind 2009 gemäss dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz geboren – so viele wie seit neun Jahren nicht mehr. Der Babyboom hat auch Folgen für die Sozialversicherungen: Der Topf der Erwerbsersatzordnung (EO), die nebst den Diensttagen der Soldaten auch den Urlaub der Mütter bezahlt, ist bald leer. Seit 2006 schreibt die EO rote Zahlen, ihre Reserven dürften in der Zwischenzeit etwa auf die Hälfte einer Jahresauszahlung geschrumpft sein. «Sobald die Reserven der EO aufgebraucht sind, müssen die Beiträge erhöht werden», sagt Rossier.

Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben nur erwerbstätige Frauen. Das führe auch zu Missbrauch, wie Robert Gygax sagt, stellvertretender Direktor der Ausgleichskasse des Kantons Bern. «Insbesondere Kleinstunternehmer und Landwirte tendieren dazu, ihre schwangere Ehefrau anzustellen und ihr einen Lohn auszuzahlen.» Die Zahl der «Scheinlöhne» nehme zu. (sda)

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