Aktualisiert 13.08.2009 17:54

SinglebörsenBei der Liebe wird nicht gespart

Die Finanzkrise kann das Feuer der Liebe nicht löschen. Trotz sinkender Konsumstimmung nutzen Herr und Frau Schweizer sogar vermehrt kostenpflichtige Partnerschaftsangebote.

von
Elisabeth Rizzi

Dass sich die Konsumentenstimmung auch im zweiten Quartal 09 weiter eingetrübt hat, lässt das Geschäft rund um die Liebe kalt. Partnerschafts-Angebote zeigen sich konjunkturresistent. Die regelmässigen Kosten von einigen zehn Franken bis zu etlichen hundert Franken für die Suche nach einem Schatz werden nicht weggespart. Die Betreiber haben auch keinerlei Angst vor einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage. «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage auch im zweiten Halbjahr gleich hoch bleiben wird», sagt Nick Ganz, Geschäftsführer des Clubs und der Single-Eventorganisation Mellow. Jährlich zählt er 2000 bis 3000 Neueinschreibungen – egal ob sich die Läden mit Rabattschlachten in der Krise gegenseitig übertrumpfen oder Hochkonjunktur die Champagnerkorken knallen lässt.

Ganzjähriges Grundbedürfnis

Ähnlich klingt es beim Onlineportal Parship.ch. «Es nutzen sogar eher mehr Menschen unsere Plattform als vor der Krise», sagt der Schweizer Länderchef Martin Dobner. Auch Swissfriends.ch verzeichnet laut Marketing Managerin Sarah Stiefel eine stetige Zunahme der Mitgliederzahl, während die durchschnittliche Abonnementsdauer konstant bleibt. Bei der Akademikervermittlung ElitePartner,ch stiegen gemäss Geschäftsführer Arne Kahlke die Anmeldezahlen seit letztem Herbst sogar um 20 Prozent.

Warum das so ist? «In den Anfangsjahren der Online-Partnervermittlung war es noch so, dass das Geschäft zyklisch verlief: Vor Weihnachten und zu Beginn des neuen Jahres nahm die Nachfrage jeweils sprunghaft zu. Inzwischen jedoch haben die Schwankungen abgenommen», beobachtet Chris Lüscher, ehemaliger Geschäftsführer des Tamedia-Partnerportals Partnerwinner.ch. Die Partnersuch-Maschinen und Blinddate-Organisationen hätten ihr Image als letzter Rettungsanker abgelegt und sich als ganzjähriges Bedürfnis etabliert. Kahlke meint sogar: «Laut unserer aktuellen Singlestudie verspürt mehr als jeder zweite Single aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation ein grösseres Geborgenheitsbedürfnis.» Ergo suchen mehr Leute einen Kuschelpartner, koste es, was es wolle.

Weil bei vielen Usern die Suche nach einem Partner weit oben auf der Prioritäten- und auch Ausgabenliste steht, ist auch die Zahlungsmoral gut geblieben. Bei keinem der von 20 Minuten Online befragten Unternehmen macht sich die allgemein schlechter werdende Zahlungsmoral bemerkbar.

Keine Goldgrube

Eine Goldgrube sind die Verkupplungs-Firmen allerdings trotzdem nicht. Zwar beeindrucken vordergründig die Mitgliederzahlen der Organisationen. Arne Kahlke von ElitePartner spricht von «weit mehr als eine Million Mitglieder im deutschsprachigen Raum». Parship zählt über 300 000 User. Und Swissfriends kommt nach eigenen Angaben auf 200 000 registrierte Nutzerkonten.

«Doch der Markt der Partnersuch-Vermittlungen wird stark überschätzt», warnt Lüscher. Besonders die von den grossen Unternehmen publizierten Userzahlen würden mit allen möglichen Tricks geschönt. Weit verbreitet ist es, die Einschreibungen seit Geschäftsstart zu zählen. «Dabei sind manchmal 95 Prozent der Accounts inaktiv», so Lüscher.

Ebenso würden häufig internationale Zahlen genannt, die wenig über die tatsächlichen Kontaktaktivitäten innerhalb der Schweiz aussagen. Partnerwinner wurde Ende letzten Jahres eingestellt, weil die Profitabilität kleiner war, als erwartet. «Letztlich bleibt die Partnervermittlung in der Schweiz ein KMU-Geschäft», meint denn auch Lüscher.

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