Nico Elvedi spricht über die WM in Katar und seine Karriere

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Nico Elvedi im Interview«Bei der Nati dachten sie, dass ich albanischer Doppelbürger bin»

Stammspieler in der Bundesliga und bei der Schweizer Nati: Nico Elvedi spricht im Interview mit 20 Minuten über die WM in Katar, seine Karriere und wie er die FCZ-Krise mitverfolgt.

von
Tobias Wedermann
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Gehört zu den Leistungsträgern bei Borussia Mönchengladbach und in der Schweizer Nationalmannschaft: Nico Elvedi.

Gehört zu den Leistungsträgern bei Borussia Mönchengladbach und in der Schweizer Nationalmannschaft: Nico Elvedi.

Borussia Mönchengladbach/Christian Verheyen
Kurz vor der WM empfängt Elvedi 20-Minuten-Sportchef Tobias Wedermann (links) und NZZ-Fussballjournalist Fabian Ruch (rechts) im Borussia-Park.

Kurz vor der WM empfängt Elvedi 20-Minuten-Sportchef Tobias Wedermann (links) und NZZ-Fussballjournalist Fabian Ruch (rechts) im Borussia-Park.

Borussia Mönchengladbach/Christian Verheyen
Im Fussballpodcast «Anderi Liga» gibt der Gladbach-Star ausführlich Auskunft.

Im Fussballpodcast «Anderi Liga» gibt der Gladbach-Star ausführlich Auskunft.

Borussia Mönchengladbach/Christian Verheyen

Darum gehts


Nico Elvedi, in rund drei Wochen starten Sie gegen Kamerun ins WM-Abenteuer. Wie sehr sind Sie mit dem Kopf schon in Katar?

Noch gar nicht. Der Fokus ist aktuell komplett auf Gladbach und der Bundesliga.

Platz elf, Tabellenmittelfeld. Sie sind unangefochtener Stammspieler und Leistungsträger. Wie zufrieden sind Sie mit der Saison bisher?

Es ist ganz okay. Der neue Trainer macht das wirklich gut und wir haben schon sehr starke Spiele gezeigt. Es funktioniert noch nicht alles, die letzte Phase war nicht optimal. 

Nicht optimal – wohl eher hinter den Erwartungen?

Klar ist unser Ziel, wieder europäisch zu spielen. Das ist aus meiner Sicht aber auch weiter im Bereich des Möglichen.

Sie sind mit 26 Jahren bereits in der achten Saison bei Gladbach. Wie erleben Sie diesen Traditionsclub?

Fussball bedeutet den Leuten hier in der Region extrem viel. Man lebt dafür und das spürt man tagtäglich im Umfeld. Die Stimmung im fast immer ausverkauften Borussia-Park ist riesig.

Es gibt immer wieder Transfergerüchte um Sie. Zwischenzeitlich hatten Sie mal einen Marktwert von fast 40 Millionen Franken. Wohin geht der Weg weiter?

Es gab schon immer wieder mal Angebote. Ich fühle mich aber extrem wohl in Gladbach und weiss, was ich hier habe.

Aber wenn ein grosser Club anklopfen würde, würden Sie sich das schon überlegen?

Es müsste schon eine perfekte Kombination sein. Ich müsste spüren, dass der Trainer mich wirklich will und der Club müsste in einer reizvollen Stadt sein. Aber wie schon gesagt: Ich fühle mich bei Borussia sehr wohl.

Sie sind in sehr jungen Jahren vom FCZ zu Mönchengladbach gewechselt. War das damals einfach?

Ich habe damals sehr lange mit meinen Eltern darüber gesprochen, Pro- und Contra-Listen gemacht. Schlussendlich glaubten wir, dass es der richtige Schritt ist – und so war es. Ich habe es nie bereut. Zuerst musste ich aber auch noch meine KV-Lehre auf der Geschäftsstelle abschliessen, die ich in Zürich begonnen hatte.

Podcast «Anderi Liga»

Wie sehr verfolgen Sie den FCZ noch?

Sehr intensiv. Ich habe mich riesig gefreut über den Meistertitel und leide aktuell auch mit, wenn es weniger gut läuft. 

Vom Meister direkt zum Abstiegskandidaten, wie erklären Sie sich als Profi eine solche Entwicklung?

Es ist ein grosses Fragezeichen. Ich kann mir nicht erklären, wie es zu einem derartigen Absturz gekommen ist.

Elvedi ist ein Bündner Name. Sind Sie der beste Bündner Fussballer der Schweiz?

(lacht) Nein, ich bin im Kanton Zürich aufgewachsen und habe keinen grossen Bezug zu Graubünden, ausser meinem Heimatort Lumnezia. Viele wissen auch nicht, dass Elvedi aus dem Bündnerland stammt. Da habe ich schon anderes erlebt.

Erzählen Sie.

Es fragen mich immer wieder mal Leute, ob ich Albaner bin. Für einige klingt Elvedi offenbar albanisch. Auch bei der Nati wurde ich ganz zu Beginn gefragt, ob ich Doppelbürger bin und noch für Albanien spielen könnte. 

Sie gehören zu den Leistungsträgern bei der Nati, in der Bundesliga. Trotzdem hat man das Gefühl, dass Sie stets etwas unter dem Radar der Öffentlichkeit fliegen. Wieso?

Ich mache das nicht bewusst, aber es ist auch in Ordnung so. Ich muss nicht wöchentlich in den Medien stehen. Seit ich in der Nati Stammspieler bin, merke ich in der Schweiz aber schon, dass ich auf der Strasse öfters erkannt oder angesprochen werde. 

Der Konkurrenzkampf in der Nati ist hoch. Manuel Akanji und Fabian Schär zeigen ebenfalls gute Leistungen in der Premier League. Gehören Sie in Katar zur Stammelf?

Ich hoffe es natürlich, aber es ist schwierig vorherzusagen. Ich gebe einfach alles im Training und in den Spielen. Murat Yakin weiss, was er an mir hat und was er von mir erwarten kann. Schlussendlich entscheidet er. 

Sie sind auch schon länger dabei. Ist das aktuell die beste Schweizer Nati, die es je gab?

Kann man schon so sagen. Wir haben auch an der EM gezeigt, dass man mit diesem Team etwas erreichen kann. Wir haben bewiesen, dass wir gegen grosse Gegner bestehen können. In dieser schwierigen WM-Gruppe können wir beweisen, wie reif wir als Team schon sind. 

Was erwarten Sie vom Serbien-Spiel?

Sie waren auch 2018 dabei. Ich denke, alle sind Profis genug, um das Spiel seriös anzugehen und wir haben aus der WM in Russland als Team gelernt. 

Es gibt Familienmitglieder, die diese WM in Katar boykottieren. Wie sieht es in Ihrem Umfeld aus?

Man bekommt natürlich mit, was alles passiert ist, und mein Umfeld heisst das natürlich auch nicht gut. Aber schlussendlich kommen sie wegen mir und um mich vor Ort zu unterstützen nach Doha.

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