Hansjörg Wyss – «Bei der SVP fehlt es an Intelligenz»
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Hansjörg Wyss«Bei der SVP fehlt es an Intelligenz»

Der Schweizer Multimilliardär Hansjörg Wyss hat in einem Interview die Schweizerische Volkspartei, den Bundesrat und die fehlende Weitsichtigkeit der Schweiz kritisiert.

von
Marcel Urech
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Die grösste Herausforderung der Schweiz sei denn auch das Bevölkerungswachstum.

Die grösste Herausforderung der Schweiz sei denn auch das Bevölkerungswachstum.

Tamedia/Reto Oeschger
«Jeder logisch denkende Mensch lässt sich impfen», sagt er zur aktuellen Impfdebatte.

«Jeder logisch denkende Mensch lässt sich impfen», sagt er zur aktuellen Impfdebatte.

Tamedia/Reto Oeschger
Erst kürzlich sprach er der Stadt Bern eine Summe von 30 Millionen Franken zu.

Erst kürzlich sprach er der Stadt Bern eine Summe von 30 Millionen Franken zu.

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Darum gehts

  • Jeder logisch denkende Mensch lasse sich gegen das Coronavirus impfen, sagt Hansjörg Wyss.

  • Die grösste Herausforderung für die Schweiz sei das Bevölkerungswachstum, so der 86-Jährige.

  • Die SVP sei für die Schweiz eine grosse Gefahr – er würde sie nie wählen, sagt der Multimilliardär.

Hansjörg Wyss hat sich im «Blick» zur Schweizer Corona-Politik und zur Impfthematik geäussert. Der Schweizer Multimilliardär sagt, dass er keine Angst vor dem Coronavirus habe – aber Respekt. «Meine Frau und ich haben versucht, so normal zu leben wie möglich», so Wyss. «Wir haben uns nie abgeschottet.»

Die SVP als Gefahr für die Schweiz

Laut Wyss hat der Kantönligeist in der Schweiz den Umgang mit der Pandemie erschwert. Das Zertifikat sei allerdings eine sehr gute Massnahme. Über seine Kritiker sagt Wyss: «Das sind gewisse Politiker der Schweizerischen Volkspartei, die hier ihre Meinung lautstark und medienwirksam vertreten. Da fehlt es an Intelligenz.» Die SVP sei eine grosse Gefahr für die Schweiz und er würde sie nie wählen, so der 86-Jährige.

«Als ich kürzlich meine Freunde im Bündnerland traf, habe ich auf der Impfung bestanden», sagt Wyss weiter. «Wer kein Zertifikat hatte, blieb zu Hause.» Zusätzlich hätten sich alle jeden Morgen testen lassen.

«Wir werden wie Pakistan behandelt werden»

Die Schweiz stehe jetzt noch gut da, sie werde aber «in den nächsten fünf bis zehn Jahren» in eine schwierige Situation kommen. Denn sie habe keine normale Beziehung zur EU und der Abbruch der Verhandlungen durch den Bundesrat sei falsch gewesen. «Wir werden wie Pakistan behandelt werden», prognostiziert Wyss.

Dass die Schweiz ignoriert werde, beim Forschungsprogramm Horizon 2027 aussen vor bliebe und bei wichtigen Diskussionen nicht am Tisch sitze, sei Gift für die Wirtschaft. Die grösste Herausforderung sei das Bevölkerungswachstum. «Die Schweiz kann mit elf Millionen Einwohnern nicht konkurrenzfähig sein.» Einfach die Zuwanderung zu stoppen, sei aber keine Lösung. Die Schweiz könne das Problem nicht allein lösen.

«Jeder logisch denkende Mensch lässt sich impfen»

In den USA habe sich die Pandemie-Lage entspannt, nachdem sie im September ausser Kontrolle geraten sei, so Wyss. An der Westküste und der nördlichen Ostküste seien die Impfraten gut, im ländlichen Zentrum und im Süden des Landes aber nicht. Es gebe immer wieder Infektionswellen und knappe Betten in den Spitälern.

In seiner Stiftung verlange er von allen Mitarbeitenden eine Impfung. Trotzdem habe er noch keine einzige Person entlassen müssen. «Es sind die konservativen Politiker in Amerika, die nicht verstehen wollen, wie gefährlich dieses Virus ist», urteilt Wyss. «Jeder logisch denkende Mensch lässt sich impfen».

Zur Person

Hansjörg Wyss, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, wurde 2011 mit dem Verkauf des Medizintechnik-Konzerns Synthes an Johnson & Johnson auf einen Schlag zu einem der reichsten Schweizer. Von seinem Vermögen von über 10 Milliarden Dollar spendete er einen erheblichen Teil, auch in der Schweiz. Der ETH überwies er 2014 beispielsweise 120 Millionen Franken für ein neues Forschungszentrum. Heute besitzt Wyss geschätzt noch sechs Milliarden Dollar.

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