Flug-Chaos: Bei der Swiss hängen Kunden erstklassig
Aktualisiert

Flug-ChaosBei der Swiss hängen Kunden erstklassig

Gestrandete Passagiere werden von der Swiss und anderen Airlines vor eine teure Wahl gestellt: Eine schnelle Heimreise in der ersten Klasse oder warten.

von
Fabienne Riklin
Business-Class der Swiss: Darin hätte die gestrandete Corinne G. heimfliegen können, doch bezahlt hätti sie dafür 1700 Franken.

Business-Class der Swiss: Darin hätte die gestrandete Corinne G. heimfliegen können, doch bezahlt hätti sie dafür 1700 Franken.

Mit der Vulkanwolke hat sich offenbar auch die Kulanz im Flugverkehr aus dem Staub gemacht. Tausende Reisende sitzen immer noch irgendwo auf der Welt fest. Doch anstatt die Gestrandeten so schnell wie möglich nach Hause zu transportieren, bleiben die besten Plätze in den Flugzeugen oft leer. Denn statt mit Upgrades unter den Passagieren für volle First- und Business-Class und leere Economy-Plätze zu sorgen, wollen die Airlines die strapazierte Geduld der gestrandeten Passagiere versilbern. Eine schnelle Heimkehr wird nur gegen einen massiven Aufpreis beziehungsweise einen Klassenwechsel angeboten.

Dies hat auch Leser-Reporter André Schindler erfahren. Zusammen mit seiner Frau verbrachte er Tauchferien auf den Malediven. Ihr Rückflug war für den 18. April mit Emirates Airlines via Dubai nach Zürich vorgebucht. Bis nach Dubai hatte es das Ehepaar dann auch geschafft, doch dort hiess es warten wegen der Aschewolke. Nach etlichen Versuchen bei der Airline-Hotline durchzukommen bot man dem Paar am dritten Tag einen Economy-Flug Anfang Mai oder einen First-Class-Flug am 26. April an. Der Haken: Den First-Class-Flug hätten die Schindlers selber berappen müssen. «Dieses Ticket war rund fünfmal so teuer wie normal», sagt Schindler gegenüber 20 Minuten Online. Als Begründung gaben die Emirates-Mitarbeiter an: «It's not our fault».

Auch Corinne G., die in Shanghai feststeckt (20 Minuten Online berichtete) wurde seitens der Swiss neben einem Rückflug Mitte Mai ein Business-Class-Ticket für den 28. April angeboten. Für diesen Flug hätte sie aber 1700 Franken bezahlen müssen. «Dies hätte das Ferienbudget gerade verdoppelt», sagt Corinne G.

«Eyja...was?!»

Glücklicherweise blieben Schindlers und Corinne G. genügend hartnäckig und kontaktierten die Airline-Hotline täglich, um nach freien Economy-Tickets zu fragen. Schindlers sind am Mittwoch von Dubai zurückgekehrt und Corinne G. wird am Freitag heimreisen – ohne Aufpreis, versteht sich.

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Airlines verteidigen sich

Das Vulkan-Lied

«In den meisten Fällen konnte eine pragmatische und möglichst gute Lösung für die Passagiere gefunden werden», nimmt Swiss-Sprecherin Andrea Kreuzer gegenüber 20 Minuten Online Stellung. «Ohne Details zu kennen, können wir den vorliegenden Fall aber leider nicht beurteilen.» Man vermute ein Missverständnis. Die Swiss versucht seit Tagen, alle gestrandeten Passagiere möglichst schnell an ihren Zielort zu fliegen. «Es ist natürlich nicht in unserem Sinn, dass Flugzeuge mit leeren Sitzen abfliegen, während von Annullationen betroffene Kunden von uns noch auf einen Flug warten», sagt Kreuzer. Die Swiss habe in einer ersten Phase den Verkauf von neuen Tickets eingeschränkt, damit möglichst alle diese Kunden mitkommen.

Auch Emirates verteidigt sich: «Wir versuchen auf keinen Fall, aus der Notlage von Passagieren Profit zu schlagen», schreibt Jürg Müller, Country Manager von Emirates Schweiz, gegenüber 20 Minuten Online. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, diese freien Sitze an wartende Passagiere weiterzugeben.

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