Citroën C3: Bei diesem Franzosen «scheppert nix»
Aktualisiert

Citroën C3Bei diesem Franzosen «scheppert nix»

Nach rund 10'000 Kilometern im Citroën C3 lässt sich sagen: Er hat deutlich mehr Stärken als Schwächen. Die grösste Schwäche: Seine gerademal 82 Pferdchen.

von
pru
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Citroën C3: Der kleine Franzose bringt viel Farbe ins ansonsten ziemlich öde Segment der Kleinwagen.

Citroën C3: Der kleine Franzose bringt viel Farbe ins ansonsten ziemlich öde Segment der Kleinwagen.

Citroën/William Crozes
Auch in Sachen Qualität macht der Franzose einen sehr guten Eindruck.

Auch in Sachen Qualität macht der Franzose einen sehr guten Eindruck.

Citroën/William Crozes
Konnektivität wird bei Citroën gross geschrieben.

Konnektivität wird bei Citroën gross geschrieben.

Citroën/William Crozes

Während im normalen Testbetrieb nach zwei Wochen und vielleicht 1500 Kilometern schon wieder Schluss ist, muss unser Citroën C3 nun schon bald drei Monate und rund 10'000 Kilometer mit uns verbringen - das stärkt den Charakter, ganz besonders beim Piloten. Denn der kleiner Franzose tritt mit gerade einmal 82 PS an - da schimpft der Fahrer, der gern auch mal einen McLaren bewegt, dann schon, am Berg sowieso und bei Überholversuchen ebenfalls. Das Temperament des Citroën ist wahrlich nicht überschäumend, die 118 Nm maximales Drehmoment des Dreizylinder-Motors sind eher dürftig (weil: kein Turbo) - und der bisherige Testverbrauch von 5,6 Litern ist so grossartig halt auch nicht. Man vermisst auf langen Autobahnfahrten einen sechsten Gang - und darf dafür mit zunehmender Testdauer feststellen, dass der Verbrauch so langsam sinkt, unterdessen geht auch einmal eine Tankfüllung mit nur noch knapp über 5 Litern im Schnitt.

Das wäre es dann eigentlich schon mit den Schwächen des süssen Franzosen, der buchstäblich viel Farbe ins ansonsten ziemlich öde Segment der Kleinwagen bringt. Sein Design ist die abgeschwächte, massentauglichere Form des Cactus, aber halt frecher, fröhlicher als bei den meisten Konkurrenten - und dafür erntet die C3-Fahrerin, der C3-Pilot auf der Strasse manch ein Lächeln. Auf der Langstrecke mag er zwar nicht besonders schnell sein, aber überzeugt dafür mit gutem Komfort, einem eher weich abgestimmten Fahrwerk. Viel zum Wohlfühlfaktor tragen die breiten, tiefen Sitze bei, die so komfortabel sind, wie sie aussehen - und an den richtigen Stellen stützen. Das Bediensystem war schon nach wenigen Tagen durchschaut und klar, es wird fast alles über den Touchscreen gehändelt, und das ist schön logisch aufgebaut. Auch die Kinder mögen den Citroën, weil sie hinten genug Platz haben und hoch genug sitzen, um auch etwas sehen zu können. Und auch in Sachen Qualität macht der Franzose bislang einen sehr guten Eindruck: «Da scheppert nix».

Citroën C3

Karosserie: 3,99 Meter langer, 5-sitziger Kleinwagen.

Antrieb: 1,2-Liter-3-Zylinder-Benziner mit 82 PS (60 kW) und 118 Nm.

Getriebe: 5-Gang-Getriebe (manuell).

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 12,3 Sekunden; 174 km/h Spitze.

Verbrauch: 5,6 L/100 km (Testverbrauch).

CO2-Ausstoss: 109 g CO2/km (Werksangabe).

Preis: 18'590 Franken (exkl. Rabatte).

Infos:www.citroen.ch

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt:

«Begeisterung auf den ersten Blick.»

Wir sagen:

Tatsächlich ist der Citroën ein schöner Lichtblick im ansonsten doch sehr öden Segment der Kleinwagen - aber nur, wenn man ihn nicht in Leasing-Silber bestellt. Manche finden die Airbumps grauslig, aber: sie machen halt schon Sinn. Und ein Citroën darf durchaus ein wenig anders sein als alle andern.

Das gefällt:

Das Bediensystem, das in diesem Segment derzeit sicher die modernste Lösung bietet, weil fast alle Funktionen über einen grossen Touchscreen bedient werden können. Und ja, das schafft, versteht jeder, der auf seinem Smartphone eine Telefonnummer drücken kann.

Das eher weniger:

In unserem Testwagen die Motorisierung: das Dreizylinderchen ist schon etwas gar schwächlich für die Schweiz, wo es halt auch einmal einen Berg hat. Und der Verbrauch ist (noch) zu hoch für die eher dürftigen Fahrleistungen.

Spannendes Detail:

Der C3 verfügt über eine fest eingebaute Kamera, mit der sich Filmchen von den Abenteuern auf der Strasse direkt auf die sozialen Netzwerke übertragen lassen. Eine Spielerei, klar, aber sie kann bei Unfällen hilfreich sein.

Wer fährt so was?

Vernünftige Menschen, die sich nicht über den Protz ihres Automobils definieren müssen. Und scharfe Rechner, denn die Rabattschlacht tobt heftig.

Alternativen dazu:

Die gibt es reichlich. Ganz neu kommt der Seat Ibiza dazu, der kürzlich in Genf vorgestellt wurde - und ähnlich putzig ist in Sachen Design wie der Citroën. Ernsthafter: Polo, Corsa.

Am Steuer:

Peter Ruch, freier Mitarbeiter der Textlab GmbH und Gründer des Auto-Online-Magazins www.radical-mag.com

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