16.07.2020 13:54

Kapo St. Gallen

Bei diesem Polizeiauto kommt nur Wasser aus dem Auspuff

Die Kantonspolizei St. Gallen hat eine Neuheit in ihrer Fahrzeugflotte. Ein Wasserstoffauto steht in der Polizeigarage. Trotz hohem Anschaffungspreis ist das Fahrzeug nicht für jeden Einsatz geeignet.

von
Michel Eggimann

Der Leiter der Kantonspolizeigarage stellt das neue Wasserstoffauto vor.

mig

Darum gehts

  • Die Kantonspolizei St. Gallen hat sich ein Wasserstoffauto angeschafft.
  • Ab August soll das Auto bei der Verkehrspolizei zum Einsatz kommen.
  • Wegen beschränkter Leistung ist das Auto nicht für jeden Einsatz geeignet.
  • Das Auto stösst keine schädlichen Emissionen aus, sondern nur Wasser.
  • Ein Tank reicht für eine Distanz von rund 660 Kilometern.

Ökologisches und nachhaltiges Handeln der Organisationen ist längst nicht mehr erwünscht, sondern wird erwartet. Auch die Kantonspolizei St. Gallen nimmt ihre Rolle als öffentlicher Dienstleister wahr und trägt unter anderem mit der Anschaffung des Wasserstoffautos Hyundai Nexo zur Verminderung der Umweltbelastung bei. Sprecher Hanspeter Krüsi sagte bei der Präsentation des Autos: «Ich kann selten über etwas Positives informieren, umso mehr freut es mich, das Wasserstoffauto zu zeigen.»

Wie Elektroautos stossen auch wasserstoffbetriebene Autos keine schädlichen Emissionen aus. Sind die Kantonspolizisten neu mit dem wasserstoffbetriebenen Auto unterwegs, werden somit ausser grünem Wasserdampf keine weiteren Stoffe freigesetzt. Aus Wasserstoff von nachhaltiger Herkunft, erzeugt das Wasserstoffauto mithilfe einer Brennstoffzelle die elektrische Energie selbst. In einem Tank wird der gasförmiger Wasserstoff unter sehr hohem Druck gespeichert.

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Das ist das neue Wasserstoffauto der Kantonspolizei St. Gallen.

Das ist das neue Wasserstoffauto der Kantonspolizei St. Gallen.

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Der Listenpreis des Hyundai Nexo bewegt sich um die 85’000 Franken. Die Polizei bekam bei der Anschaffung jedoch noch einen Behörden-Rabatt.

Der Listenpreis des Hyundai Nexo bewegt sich um die 85’000 Franken. Die Polizei bekam bei der Anschaffung jedoch noch einen Behörden-Rabatt.

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Zusätzliche Kosten entstanden durch spezifische Anpassungen. Etwa die Beschriftung, das Blaulicht, der Funk oder der Wlan-Anschluss im Auto. Dies wurde alles in der eigenen Polizeigarage gemacht.

Zusätzliche Kosten entstanden durch spezifische Anpassungen. Etwa die Beschriftung, das Blaulicht, der Funk oder der Wlan-Anschluss im Auto. Dies wurde alles in der eigenen Polizeigarage gemacht.

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Noch kaum Tankstellen

Das Wasserstoffauto erreicht mit rund 660 Kilometern eine hohe Reichweite und der Tank ist innerhalb von wenigen Minuten voll. Das ist ein Vorteil gegenüber der 20 Elektrofahrzeuge der Kantonspolizei St. Gallen. Der Nachteil: Es gibt in der Region zurzeit kaum Wasserstofftankstellen. Je nach Stützpunkt oder Polizeistation ist eine Tankstelle somit oft nicht in nächster Nähe.

Wasserstofftankstellen

Erst letzte Woche wurde die erste Wasserstofftankstelle in der Ostschweiz eröffnet. Bei der Eröffnung war auch der Schweizer Solarflugpionier Bertrand Piccard dabei. Mit der Tankstelle in der Ostschweiz startet der Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes in der Schweiz. Zuvor gab es nur eine einzige solche Tankstelle in der ganzen Schweiz. Bis Ende Jahr sollen es insgesamt sechs sein.

Die Firma Osterwalder St.Gallen AG bietet als einziger Anbieter in der Ostschweiz neu eine Wasserstofftankstelle an. Deshalb hat sich die Kantonspolizei St.Gallen entschlossen, das wasserstoffbetriebene Auto der in St.Gallen stationierten Verkehrsinstruktion zu zuteilen. Somit kann es dort nach einem Einsatz ohne grosse Umwege getankt werden.

Keine Verfolgungsjagd mit dem Nexo

Zudem sei das Auto auch nicht für jeden Einsatz geeignet, sagt Jakob Schläpfer, Leiter der Kantonspolizeigarage. Die Leistung des Hyundai Nexo ist beschränkt. Er hat knapp über 160 PS und braucht von 0 auf 100 mehr als 9 Sekunden. Somit ist er beispielsweise für eine Verfolgungsjagd definitiv nicht das richtige Auto.

Ob die Wasserstoffautos auch für weitere Polizeieinsätze genutzt und ob weitere angeschafft werden, wird die Erfahrung zeigen. Je nach Einsatz werden nebst den Grundanforderungen unterschiedlichste, zusätzliche Anforderungen an die Fahrzeuge gestellt. Deshalb werden auch in naher Zukunft diesel- und benzinbetriebene genauso bei den Anschaffungskriterien berücksichtigt, wie alternativbetriebene Autos.

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53 Kommentare
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Pedro

17.07.2020, 08:38

H2 dient einzig und alleine der Öllobby auch in Zukunft ein gutes Einkommen zu gewährleisten. Wer möchte schon, dass sich der Bürger selber versorgen kann? H2 als Speichermedium für Spitzenstrom ist für mich eine von vielen Lösungen. H2 im Strassenverkehr hingegen ein klares Nein.

Wolf

17.07.2020, 08:34

Bei einem Auto das Wasserstoff fährt noch dazu in der Garage ist nütz sehr viel. geht es hier um Prestiges. Wasserstoff ist sicher das beste was es gibt denn jede Produktion von Brennstoff Zellen ist mit hohen Umwelt Belastung verbunden.

EJB

17.07.2020, 06:41

Für den vorgesehenen Einsatz bei der Verkehrsinstruktion sind 160 PS völlig ausreichend und das Fahrzeug macht Sinn, vor allem auch deshalb, weil es leise ist und gewissen Machos zeigt, dass man auch ohne nervendes Brunstgeröhre aus der Auspuffsröhre mobil sein kann.