Basel: Bei diesem Rotlicht hält niemand an
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BaselBei diesem Rotlicht hält niemand an

Sperrt die Polizei auf der Autobahn nach einem Unfall eine Spur mit einer Ampel, wird das Rotlicht garantiert missachtet. Ein Verkehrspsychologe erklärt, warum das so ist.

von
obr
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Hätten Sie dieses Rotlicht beachtet? Nach einem Unfall am Sonntag, 3. November sperrte die Polizei die Autobahneinfahrt Luzernerring in Basel mit dieser Ampel.

Hätten Sie dieses Rotlicht beachtet? Nach einem Unfall am Sonntag, 3. November sperrte die Polizei die Autobahneinfahrt Luzernerring in Basel mit dieser Ampel.

Kapo BS
Im Tunnel verunfallte eine Junglenkerin. Sie war betrunken und durch ein Telefongespräch abgelenkt. Sie wurde leicht verletzt.

Im Tunnel verunfallte eine Junglenkerin. Sie war betrunken und durch ein Telefongespräch abgelenkt. Sie wurde leicht verletzt.

Kapo BS
Die Polizei sperrte daraufhin die Autobahneinfahrt per Lichtsignal. Trotzdem fuhren 14 Autolenker in Richtung der Unfallstelle.

Die Polizei sperrte daraufhin die Autobahneinfahrt per Lichtsignal. Trotzdem fuhren 14 Autolenker in Richtung der Unfallstelle.

Kapo BS

14 Fahrzeuge sind in der Nacht auf Sonntag trotz Sperrung per Lichtsignal in die Einfahrt des Autobahnzubringers Luzernerring in Richtung einer Unfallstelle gefahren und wurden gebüsst. Die Unachtsamkeit der Autofahrer ist notorisch.

2017 kontrollierte die Basler Polizei das Beachten der Lichtsignale auf der A2 in Richtung Deutschland. Dabei hagelte es innert drei Stunden über 500 Bussen, weil viele die roten Ampeln überfahren hatten. 2018 bekamen 153 Autolenkende bei einer Kontrolle auf der A2 bei Basel eine Ordnungsbusse in Höhe von 250 Franken aus dem selben Grund. Diesen Sommer fuhr eine Frau mit elektrischem Rollstuhl auf der Autobahn. Auch damals wurde die Fahrbahn per Lichtsignal gesperrt, um die Frau zu schützen. Und wieder wurden die Ampeln reihenweise missachtet.

Viele halten es für eine Störung

Verkehrspsychologe Urs Gerhard sieht drei Gründe, weshalb Ampeln auf Autobahnen oft ignoriert werden: Erstens gäbe es die Tunnelangst. «Gewisse Autofahrer haben Panik vor einem Stillstand in einem Tunnel», erklärt er. Andere wiederum seien schlicht zu ungeduldig, um die geänderten Verkehrsführung zu beachten.

«Schliesslich gibt es jene, die vermuten, es handle sich beim Signal um eine Störung.» Diese machen den grössten Teil der Rotsünder aus, so der emeritierte Dozent der Universität Basel. «Ähnlich wie bei den Warnlampen im Auto gehen die Fahrer davon aus, dass das Signal keine Dringlichkeit besitzt», wie der 69-Jährige sagt. All dies hätte auch viel damit zu tun, dass Ungewohntes erst einmal ignoriert würde.

«Blind dem Navi folgen»

Toprak Yerguz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt verweist ausserdem darauf, dass sich fehlbare Autolenker «vom nachfolgenden Verkehr gedrängt fühlen». Und nachfolgende Lenker sehen ihre Durchfahrt aufgrund des Voranfahrenden legitimiert. Er fügt aber auch an, dass viele Autofahrer ihrem Navigationsgerät zu sehr vertrauten und deshalb «die Signalisation zu wenig beachten».

Wäre es denn nicht sinnvoller gewesen, die Barriere auszuziehen, die an der Tunneleinfahrt beim Luzernerring schon vorhanden ist? Das sei keine Option, meint Yerguz. Dies müsste man weit vorne ankündigen, was zu aufwendig wäre. Denn: «Diese Lichtsignalanlage ist genauso gut sichtbar wie jede andere in der Stadt.» Gerhard pflichtet dem bei: «Bei einer Barriere besteht ausserdem die Gefahr weiterer Kollisionen», sagt er.

Der Verkehrspsychologe hat aber auch Verständnis für all jene, die über Rot zur Unfallstelle gefahren sind. «Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn sie die Ampel vor der Tunneleinfahrt beim Luzernerring zu spät gesehen haben, gibt es im Tunnel ja kein Zurück mehr.»

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