Tod in Venedig: «Bei diesem Verkehr würde ich hier nie fahren»

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Tod in Venedig«Bei diesem Verkehr würde ich hier nie fahren»

Nach dem Unglück auf dem Canal Grande, bei dem ein deutscher Tourist tödlich verunglückt ist, meldet sich der Gondoliere zu Wort. Die letzten Worte seines Passagiers klingen wie eine dunkle Vorahnung.

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In Venedig sitzt der Schock nach dem tragischen Gondelunfall vom Samstag tief. Bei der Kollision zwischen einem Vaporetto-Wassertaxi und einer Touristengondel auf dem Canal Grande unter der Rialto-Brücke ist der Deutsche Joachim V. ums Leben gekommen. Seine dreijährige Tochter wird dabei verletzt, die Eherau und zwei weitere Kinder bleiben unversehrt.

Nun erzählt Gondoliere Stefano Pizzaggia gegenüber der zuständigen Staatsanwaltschaft, wie es zum tödlichen Unglück kam: Der 50-jährige V. und seine Familie waren wenige Minuten zuvor in seine Gondel gestiegen. Als das Boot gerade unter der Rialto-Brücke durchfuhr, habe der deutsche Passagier seine Frau küssen wollen, «weil das Glück bringt», zitiert Pizzaggias Anwalt seinen Mandanten im «Corriere della Sera». Kurz nachdem die Familie eingestiegen war, habe der Vater noch laut über den chaotischen Verkehr nachgedacht: «Bei diesen Verhältnissen würde ich niemals ein Boot steuern wollen.»

Im Nachhinein wird darüber diskutiert

Genau in jenem Moment habe ein Vaporetto mit seinem Heck die Gondel gerammt. Das Schiff riss die leichte Gondel im Rückwärtsgang 20 Meter mit, schreibt die «Bild»-Zeitung. Augenzeugen zufolge habe Joachim V. versucht, seine kleine Tochter zu schützen, als beide ins Wasser stürzten. Der Mann wurde dabei zwischen den Booten zerdrückt. Er starb noch an der Unfallstelle – in den Armen seiner verzweifelten Frau. Die Kleine wurde mit leichten Verletzungen im Gesicht ins Spital gebracht. Sie konnte wenige Stunden später wieder entlassen werden.

Im Nachhinein denkt die Stadt über mehr Verkehrssicherheit nach. Wie «La Stampa» am Montag berichtet, erklärte Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni, dass der Verkehr im Laufe der Jahre «stark zugenommen» hat. Durchquerten vor drei Jahren 2500 Schiffe, Wassertaxis und Gondeln den Canal Grande, seien es heute etwa 3500.

Gondeln sollen weniger fahren dürfen

Bürgermeister Orsoni schwebt jetzt vor allem vor, private Gondeln nur zu bestimmten Zeiten fahren zu lassen, da der öffentliche Verkehr in Venedig Vorrang habe. «Man könnte an einigen Punkten die Anlegestellen verlegen, so an der Rialto-Brücke, wo öffentliche Verkehrsmittel, Gondeln und Taxis festmachen», sagte der Bürgermeister dem «Corriere della Sera».

Denkbar wäre es zudem, die Boote mehr auf dem abgelegeneren Giudecca-Kanal fahren zu lassen. Gondeln, Vaporetti, Wasser-Taxis und Frachtschiffe verstopfen zunehmend den zentralen Verkehrsweg der Lagunenstadt, den Canal Grande. Die Gespräche über neue Regeln für den Wasserverkehr sollten noch am Montag beginnen, sie dürften erfahrungsgemäss schwierig sein. Der Gondoliere-Präsident Nicola Falconi hat sich bereits gegen Fahrzeiten ausgesprochen, denn die Gondeln seien nicht die Gefahr auf dem Canal.

In einem Kommentar bringt der «Corriere della Sera» die Problematik zur Debatte auf den Punkt: «Es ist ein Unsegen in Italien, dass immer ‹danach› gehandelt wird.»

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