Aktualisiert 17.09.2019 07:48

Shopping-App Wish

«Bei diesen Preisen wägt der Kunde nicht lange ab»

Warum shoppen wir auf Apps wie Wish entgegen jeder Vernunft? Konsumforscherin Marta Kwiatkowski über impulsive Käufer – und was Wish mit Ikea zu tun hat.

von
V. Blank
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«Auf Plattformen wie Wish kommt eine Art Flohmarkteffekt zum Tragen»: Marta Kwiatkowski, Konsum- und Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI).

«Auf Plattformen wie Wish kommt eine Art Flohmarkteffekt zum Tragen»: Marta Kwiatkowski, Konsum- und Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI).

GDI
Die Billig-Shopping-App scheint den Nerv der hiesigen Konsumenten zu treffen: Der Umsatz von Wish hat sich seit 2016 in der Schweiz mehr als verdreifacht.

Die Billig-Shopping-App scheint den Nerv der hiesigen Konsumenten zu treffen: Der Umsatz von Wish hat sich seit 2016 in der Schweiz mehr als verdreifacht.

Laylabird
Billigprodukte zu Billigpreisen zu verkaufen – das ist die Devise der Shopping-App.

Billigprodukte zu Billigpreisen zu verkaufen – das ist die Devise der Shopping-App.

Screenshot Wish

Die Billig-Shopping-App Wish scheint den Nerv der hiesigen Konsumenten zu treffen: Der Umsatz hat sich seit 2016 in der Schweiz mehr als verdreifacht.

Doch nicht alles, was auf der Plattform angeboten wird, erfüllt die Qualitätsstandards. Ein Test hat gezeigt, dass gewisse Produkte sogar gefährlich sind.

Auch ist vielen Konsumenten bewusst, dass Shoppen auf Wish nicht unbedingt ökologisch vertretbar ist. Ausserdem nehmen viele hin, dass die Billigware oft unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt wird.

Trotz aller Bedenken shoppen viele Schweizer munter weiter auf Wish. Warum ist das so? 20 Minuten hat eine Konsumforscherin befragt:

Frau Kwiatkowski, was reizt Online-Shopper an Apps wie Wish?

Die Plattform nutzt einen spielerischen Ansatz. Wish nutzt für die Vermarktung die sozialen Medien wie Instagram und Youtube sehr gut und versteht es dadurch auch gekonnt, die Interaktion mit dem Kunden zu fördern. So bleibt es meist nicht bei einem einmaligen Einkauf …

… der noch dazu spottbillig ist.

Ja, der Preis spielt natürlich eine grosse Rolle. Durch die Schleuderpreise empfinden die Konsumenten das Shopping als relativ schmerzfrei; es erfolgt grösstenteils intuitiv.

Was ist mit dem schlechten Gewissen? So billige Produkte werden sicher nicht unter den besten Arbeitsbedingungen hergestellt.

Wir sprechen da vom hybriden Konsumenten. Im Alltag achtet er beispielsweise darauf, Bio-Produkte zu kaufen und mit dem ÖV zu reisen. Auf Apps wie Wish legt er ein ganz anderes Kaufverhalten an den Tag. Er sieht die bunt präsentierten Waren und denkt «Ist noch cool» oder «Ach, was solls». Und dann bestellt er drauflos. Wir alle haben widersprüchliches Verhalten in uns.

Wie rechtfertigen das ansonsten verantwortungsbewusste Konsumenten vor sich selbst?

Sie legen sich unbewusst Stellvertreterargumente zurecht, warum der Billigeinkauf gerechtfertigt ist – zum Beispiel, dass man in der Schweiz das Mehrfache für ein Produkt bezahlen müsste.

Schalten Apps wie Wish das Hirn aus?

Das nicht gerade, aber die Preise und der Kaufprozess sind so niederschwellig, dass der Konsument gar nicht lange darüber nachdenkt und abwägt. Das Risiko scheint überschaubar. Auf Plattformen wie Wish kommt eine Art Flohmarkteffekt zum Tragen.

Wie meinen Sie das?

Viele Kunden besuchen den Shop, ohne etwas Bestimmtes zu brauchen. Sie stöbern rum und sehen all die billigen Waren. Das verführt sie dazu, eigentlich Unnötiges zu bestellen. Es kommt gar kein reflektierter Abwägungsprozess in Gang. Es ist wie bei Ikea: Eigentlich wollte ich nur nach einem Tisch Ausschau halten, komme aber mit vielen zusätzlichen Accessoires aus dem Laden, nach denen ich gar nicht gesucht habe.

Marta Kwiatkowski ist Konsum- und Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut.

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