Kyburz: Bei dieser Schweizer Firma geht die Post ab

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ElektromobilitätBei dieser Schweizer Firma geht die Post ab

Der Name Kyburz dürfte zwar vielen unbekannt sein, doch ziemlich sicher kennen sie deren Fahrzeuge: Mit ihnen wird täglich die Post ausgetragen. Nun hat Kyburz ein visionäres Batterie-Recycling enthüllt.

von
Jan Graber
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Aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: die gelben, dreirädrigen Postfahrzeuge.

Aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: die gelben, dreirädrigen Postfahrzeuge.

Kyburz
Kyburz stellt die Elektrofahrzeuge in einer eigenen Fertigungshalle her.

Kyburz stellt die Elektrofahrzeuge in einer eigenen Fertigungshalle her.

Kyburz
Nicht nur die Post setzt auf die Dreiräder.

Nicht nur die Post setzt auf die Dreiräder.

Kyburz

Darum gehts

  • Martin Kyburz ist ein Pionier der Elektromobilität.

  • Die elektrifizierten, dreirädrigen Postfahrzeuge von Kyburz sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

  • Bis der Erfolg kam, schrammte das Unternehmen an mehreren Konkursen vorbei. 

  • Nun hat die Firma ein revolutionäres Batterie-Recycling-System entwickelt.

  • Kyburz Switzerland AG ist dafür als einer von drei Finalisten für den Green Business Award nominiert.

«Die Vergangenheit interessiert mich nicht, ich schaue, was ich in der Zukunft verändern kann», sagt Martin Kyburz gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Er sei ein Techniker, er schaue nach vorne. Ihm fehle hingegen jedes Verständnis für Betriebswirtschaft. Dennoch gehört Kyburz heute zu den erfolgreichsten Schweizer Unternehmen im Bereich der Elektromobilität.

Die 1980er-Jahre. Der frisch gebackene Elektroingenieur Martin Kyburz liebt seinen Renault 18 Turbo, 250'000 Kilometer hat er mit ihm bereits zurückgelegt. Etwas aber wurmt ihn: der Benzinverbrauch. «Das muss besser gehen», findet er. Aus einer Lehrerfamilie stammend wurde ihm von früh weg ein ökologisches Bewusstsein eingepflanzt.

Gepard am Start

Zudem kommt er in Kontakt mit einem kleinen Haufen angefressener Solarenergie-Enthusiasten. Sie treffen sich regelmässig zur Tour de Sol, einem Rennen für solarbetriebene Fahrzeuge – es geht um Reichweiten, Effizienz, Tempo und Aufmerksamkeit. Auch Kyburz wird infiziert und nimmt bald mit seinem ersten selbst entwickelten Gefährt teil – dem Geetah.

Der Geetah (Gepard) ist schnell, kann 150 Kilometer fahren und sorgt für Aufsehen und erste wichtige Kontakte. «Der Geetah war jedoch zu aufwendig, um zu einem Serienmodell zu werden», sagt Kyburz. Stattdessen fand er eine Marktlücke: Fortbewegungsmittel für Senioren. 1991 gründete er die Firma Kyburz Switzerland AG und begann, elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel für Menschen mit Mobilitätsproblemen zu bauen.

«Ihr Verkauf generierte mein erstes bedingungsloses Grundeinkommen», sagt er. Leben musste er zwar auf bescheidenem Niveau und am Konkurs schrammte er ebenfalls mehrmals vorbei. Doch mit dem Geld konnte er neue Projekte anstossen.

Auf dem Postweg

So auch, als er 2002 den Auftrag bekam, ein Elektrotransporter für die Schweizer Post zu entwerfen. Es sollte allerdings sieben Jahre dauern, bis der erste DXP, so der Name des Fahrzeugs, aufgeliefert wurde – an die Deutsche Post.

2010 stieg auch die Schweizer Post ein. Der Erfolg war enorm: Mittlerweile wurden über 25'000 Elektrofahrzeuge verkauft. Aus dem Schweizer Alltag sind die gelben, lautlosen, dreirädrigen Postfahrzeuge nicht mehr wegzudenken. Die Firma verkauft die Elektrodreiräder unter anderem bis nach Island und Australien.

Damit könnte sich Martin Kyburz auf den Lorbeeren ausruhen. Doch wie gesagt: Sein Herz schlägt für die Zukunft. «Meine Idee war immer, Werkstoffe so lange wie möglich im Umlauf zu behalten», sagt er. Jedes Kyburz-Vehikel durchläuft zwei Leben, bevor die Batterie in einem dritten Leben als Energiespeicher dient.

Green Business Award

Der Green Business Award wird am 23. September in Bern im Rahmen des Swiss Sustainability Forums verliehen. Nominiert sind neben der Kyburz Switzerland AG auch das Stromspeicher-Start-up Energie Vault sowie das Food-Start-up Planted.

Batterie-Recycling ohne Energieverschwendung

Nun hat Kyburz die neuste Innovation enthüllt: Eine Anlage, die Lithium-Ionen-Batterien rezyklieren und deren Rohstoff zu fast 100 Prozent zurückgewinnen kann – ohne Chemie und hohen Energieaufwand. «Damit haben wir den Kreislauf bei Lithium-Ionen-Batterien geschlossen», sagt Kyburz stolz.

Für die Idee ist die Kyburz Switzerland AG als einer von drei Finalisten für den Green Business Award nominiert, der am 23. September verliehen wird. «Awards sind gut fürs Image, für mich aber nicht wichtig», sagt Kyburz indessen lakonisch. Viel lieber denkt er bereits an die nächsten Schritte in die umweltfreundliche Zukunft.

Eine Geschichte wie ein Roman

2021 feierte Kyburz Switzerland AG ihr 30-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum erschien ein dreiteiliges Buch, das sich liest wie ein filmreifer Roman. Darin beschrieben sind alle Ups und Downs dieses ungewöhnlichen Unternehmens. Nachlesen lassen sich Auszüge davon aber auch auf im 30-Jahre-Jubiläumsblog von Kyburz.

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