Ersthelfer brauchen Ausrüstung - «Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute»

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Ersthelfer brauchen Ausrüstung«Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute»

Im Kanton Obwalden rücken sogenannte Responder Plus bei medizinischen Notfällen aus. Die medizinischen Laien leisten erste Hilfe bis der Rettungsdienst eintrifft.

von
Rochus Zopp
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Ersthelfer und Ersthelferinnen trainieren die Beatmung eines Patienten.

Ersthelfer und Ersthelferinnen trainieren die Beatmung eines Patienten.

Härz fir Obwaldä
Die Obwaldner Responder Plus üben den Einsatz an einer Simulationspuppe.

Die Obwaldner Responder Plus üben den Einsatz an einer Simulationspuppe.

Härz fir Obwaldä
Ein Ersthelfer holt gerade einen Notfallrucksack aus dem Tresor.

Ein Ersthelfer holt gerade einen Notfallrucksack aus dem Tresor.

Härz fir Obwaldä

Darum gehts

  • Der Verein «Härz fir Obwaldä» sammelt mittels Crowdfunding Geld, um neues Material und Ausbildungen für freiwillige Ersthelfer und Ersthelferinnen zu finanzieren.

  • Diese Responder Plus sind jeweils in wenigen Minuten vor Ort und leisten bei medizinischen Notfällen erste Hilfe.

  • In einigen Obwaldner Gemeinden fehlen aber immer noch Helfende und Material.

Wenn in Obwalden jemand einen Herzinfarkt hat oder einen Schlaganfall erleidet, rücken die sogenannten Responder Plus aus. Innert drei bis fünf Minuten sind im Normalfall solche freiwilligen Ersthelfer und Ersthelferinnen vor Ort und betreuen den Patienten oder die Patientin, bis der Rettungsdienst eintrifft. «Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute», erklärt Sandra Schallberger, Sekretärin vom Verein «Härz fir Obwaldä» und selber ausgebildete Rettungssanitäterin. «Nach drei Minuten sinken die Überlebenschancen mit jeder weiteren Minute um zehn Prozent.» Darum ist es laut Schallberger wichtig, dass Hilfe schnell vor Ort ist und die Erstversorgung gewährleistet werden kann.

Damit die Obwaldner Ersthelfer und Ersthelferinnen auch weiterhin helfen können, sammeln sie nun via Crowdfunding Geld. Mit dem Geld soll neues Einsatzmaterial gekauft werden und in den Obwaldner Gemeinden, in denen noch keine Notfallausrüstung vorhanden ist, zentral deponiert werden. «Ein solcher Notfallrucksack kostet ungefähr 8000 Franken», sagt Schallberger. Zudem sollen auch weitere Responder Plus ausgebildet werden. In einigen Gemeinden fehlen noch immer ausgebildete Helfer: Diese fehlen in den Regionen Sarnen, Wilen, Stalden, Ramersberg, Kägiswil, Alpnachstad, Grafenort, Engelberg und Kaiserstuhl.

Ersthelfer und Ersthelferinnen werden per App alarmiert

Seit März 2021 sind die Obwaldner Ersthelfer und Ersthelferinnen im Netzwerk der First Responder Zentralschweiz eingegliedert. Mit dem Anschluss an die Zentralschweizer Organisation wurden aus den Obwaldner First Responder sogar Responder Plus. Im Gegensatz zu den First Respondern, die bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand aufgeboten werden, können die Responder Plus auch bei Hirnschlag, akuter Atemnot oder bei akuten Schmerzen im Brustkorb eingesetzt werden.

Koordiniert werden die Einsätze der First Responder und Responder Plus über die Notrufzentrale. «Wenn die 144 angerufen wird, werden zeitgleich der Rettungsdienst und die First Responder aufgeboten», sagt Schallberger. Dann werden die Freiwilligen per App angefragt und können den Einsatz annehmen oder ablehnen. «Wir werten in Obwalden danach aus, wo wir genügend Helfer und Helferinnen haben und gehen sonst aktiv auf die Bevölkerung zu, um neue Notfallhelfer anzuwerben», sagt Schallberger.

Auch beim Luzerner Kantonsspital (LUKS), dessen Rettungsdienst die First Responder Zentralschweiz koordiniert, betont man die Wichtigkeit der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. «Der Rettungsdienst braucht durchschnittlich zehn bis zwölf Minuten von der Alarmierung bis zum Einsatzort. Die First Responder brauchen durchschnittlich etwa fünf Minuten. Dies erhöht die Überlebenschancen der Betroffenen», schreibt Markus von Rotz, Mediensprecher LUKS auf Anfrage. In diesem Jahr leisteten die First Responder in der Zentralschweiz bereits 144 Einsätze. Durch den Einsatz der - aktuell 1561 - registrierten First Responder konnten im ersten vollen Jahr 25 Personen stabil in die Hände der Ambulanz übergeben werden.

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