Stadt-Land-Graben - «Bei einem Ja hätte ich meine Eltern nicht mehr besuchen können»
Publiziert

Stadt-Land-Graben«Bei einem Ja hätte ich meine Eltern nicht mehr besuchen können»

Das CO2-Gesetz hat die Schweiz gespalten. Ein Klimastreiker und ein Angestellter erklären, was das Resultat bei ihnen ausgelöst hat.

von
Carla Pfister
1 / 6
Die Schweiz will kein revidiertes CO2-Gesetz. 51,6 Prozent haben am Sonntag gegen das Gesetz gestimmt. 

Die Schweiz will kein revidiertes CO2-Gesetz. 51,6 Prozent haben am Sonntag gegen das Gesetz gestimmt.

20min/Taddeo Cerletti
Der 28-Jährige Martin Martin Luskacz sagt, die Abgaben hätten vor allem den Mittelstand und Personen mit kleinerem Budget belastet. «Leute mit hohem Einkommen hätten den Preisunterschied wahrscheinlich nicht einmal bemerkt.»

Der 28-Jährige Martin Martin Luskacz sagt, die Abgaben hätten vor allem den Mittelstand und Personen mit kleinerem Budget belastet. «Leute mit hohem Einkommen hätten den Preisunterschied wahrscheinlich nicht einmal bemerkt.»

20min/Michael Scherrer
Der 21-Jährige Benjamin findet es hingegen schade, dass die Vorlage abgelehnt wurde. 

Der 21-Jährige Benjamin findet es hingegen schade, dass die Vorlage abgelehnt wurde.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Das CO2-Gesetz wurde mit 51,6 Prozent abgelehnt.

  • Vor allem die ländliche Bevölkerung stimmte gegen das Gesetz.

  • Gegner und Befürworter sprechen mit 20 Minuten über das Resultat.

Die Befürworter hofften bis zum Schluss, aber es reichte nicht: 51,6 Prozent sprachen sich an der Urne gegen das CO2-Gesetz aus. Vor allem bei der ländlichen Bevölkerung konnte die SVP punkten – und mobilisieren. Bei einer Annahme drohten hohe Flug- und Benzinpreise, argumentierte die Partei. Was sagen Gegner und Befürworter zum Resultat? 20 Minuten hat nachgefragt.

Flugabgabe gab den Ausschlag

Privat

Jan Malik (28) wohnt in Kloten und ist stellvertretender Geschäftsführer in einem Gastronomiebetrieb. Er fürchtete, wegen der Abgaben für Flugtickets seine Eltern in Tschechien nicht mehr besuchen zu können. «Meine Eltern sind älter und brauchen Pflege. Deshalb muss ich öfter hinfliegen. Wenn die Flüge plötzlich teurer geworden wären, hätte ich mir das nicht mehr leisten können.» Der 28-Jährige sagt, die Abgaben hätten vor allem den Mittelstand und Personen mit kleinerem Budget belastet. «Leute mit hohem Einkommen hätten den Preisunterschied wahrscheinlich nicht einmal bemerkt, aber ich hätte das zu spüren bekommen.»

Peter Bärtschi (47) ist Maurer und kommt aus Frutigen bei Bern. «Ich verstehe, dass die Städter eher für die Initiative waren. Wenn ich in der Stadt bin, finde auch ich es sehr praktisch, mich mit dem ÖV zu bewegen. Aber auf dem Land braucht man ein Auto, weil das Verkehrsnetz nicht so dicht ist wie in der Stadt.» Dadurch wäre die Landbevölkerung ungleich belastet worden, sagt Bärtschi. «Deshalb macht es Sinn, dass Leute aus ländlichen Gebieten zu diesem Gesetz Nein gesagt haben. Es hätte uns klar benachteiligt», so der 47-Jährige.

Benjamin Meier* (21) wohnt in einer Gemeinde bei Luzern und findet es schade, dass das CO2-Gesetz abgelehnt wurde. «Es muss etwas gemacht werden. Es ist eine verpasste Chance.» Der 21-Jährige Informatikstudent vermutet, dass viele aus Angst vor einem einem Anstieg der Flug- und Benzinpreise gegen das Gesetz gestimmt haben. Auch er gehe gerne in die Ferien: «Es ist aber frustrierend, aus Umweltbewusstsein mit dem Zug zu reisen. Letztes Jahr ging ich nach Rom und bezahlte für mein Zug-Billet mehr, als der Flug gekostet hätte. Obwohl ich ein GA hatte und mich die Reise mehr Zeit kostete.» Deshalb sei er dafür, dass Flüge teurer würden, da er die aktuellen Preise nicht verhältnismässig finde.

Das sagt der Klimastreiker

Privat

Cyrill Hermann (17) ist teil des Klimastreiks Schweiz. «Obwohl das CO2-Gesetz von der Schweizer Stimmbevölkerung abgelehnt wurde, bedeutet das nicht, dass Klimaschutz keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat: Laut einer aktuellen Studie der Universität St-Gallen stehen 60 Prozent der
Bevölkerung hinter dem Netto-Null-Ziel bis 2030, dies ist ein klares Zeichen, dass wir weiter kämpfen müssen», so der 17-Jährige.

Die Gegner des ungenügenden CO2-Gesetzes würden die Interessen von Wirtschaftsvertretern gegenüber jenen der jungen Generation priorisierten. «Bei einem konsequenten CO2-Gesetz hätte sich die gesamte Klimagerechtigkeitsbewegung und die Bevölkerung dahinterstellen und für ein Ja mobilisieren können», sagt er.

Der Gymnasiast sagt jedoch, dass gerade junge Menschen sich bewusst seien, dass die Politik keine Antworten auf die Probleme ihrer Generation habe. «Es ist bitter nötig, dass weiter gedacht wird. Das momentane System hat keine Antworten auf diese Krise. Deshalb gab es auch viele Junge, die nicht für dieses Gesetz gestimmt haben. Ihnen ist klar, dass das Gesetz Teil einer Scheinpolitik ist.»

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

74 Kommentare