19.10.2020 11:57

Marcel Dobler«Bei einem zweiten Lockdown geht auch Franz Carl Weber in Konkurs»

Laut Unternehmer und FDP-Nationalrat Marcel Dobler entzweit der Streit um Corona-Massnahmen die Gesellschaft. Er fordert, dass sich neben Epidemiologen auch Politiker einmischen.

von
Pascal Michel
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Für Unternehmer Marcel Dobler ist ein zweiter Lockdown keine Option.

Für Unternehmer Marcel Dobler ist ein zweiter Lockdown keine Option.

Franz Carl Weber
Er plädiert dafür, dass sich auch Politiker in die Debatte um Massnahmen gegen das Virus einmischen.

Er plädiert dafür, dass sich auch Politiker in die Debatte um Massnahmen gegen das Virus einmischen.

KEYSTONE
«Ich bin nicht Epidemiologe, aber ich muss mich bei politischen Entscheiden einmischen, bei denen es um das Schicksal Tausender Arbeitsplätze oder die unverhältnismässige Einschränkungen der Freiheiten geht», sagt Dobler.

«Ich bin nicht Epidemiologe, aber ich muss mich bei politischen Entscheiden einmischen, bei denen es um das Schicksal Tausender Arbeitsplätze oder die unverhältnismässige Einschränkungen der Freiheiten geht», sagt Dobler.

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Darum gehts

  • FDP-Nationalrat Marcel Dobler vermisst eine «ehrliche» Corona-Debatte.

  • Er warnt vor unwirksamen, harten Massnahmen im Kampf gegen das Virus.

  • Zu einem zweiten Lockdown sagt er: «Das gäbe eine Konkurswelle.»

  • Von dieser wäre er als Unternehmer selbst betroffen.

Herr Dobler, Sie sagen: «Corona spaltet unsere Gesellschaft.» Wie erleben Sie das konkret?

Ich stelle fest, dass es keinen echten Dialog über Wirkung und Schäden von Corona-Massnahmen gibt. Es gibt nur zwei Extreme: Die «Covidioten», die das Virus an sich negieren, oder Skeptiker, die zur Durchseuchung tendieren und jene, die nun sofort der Schweiz den zweiten Lockdown verordnen wollen – ungeachtet dessen, was dieser wirtschaftlich und gesellschaftlich bedeuten würde. Ich wünsche mir eine ehrlichere Debatte.

Zur Person

Marcel Dobler ist FDP-Nationalrat, Inhaber und Verwaltungsratspräsident des Spielwarenhändlers Franz Carl Weber sowie Co-Gründer von Digitec.

Sie sind Mitinitiant der Gruppe Coronadialog. Ein weiterer Zusammenschluss von Corona-Skeptikern?

Nein. Wir verstehen uns als Brückenbauer. Die Leute sollen sich eigenständig eine Meinung bilden können. Es darf keine Denkverbote geben. Ich bin angesichts der explodierenden Zahlen nicht grundsätzlich gegen zusätzliche Massnahmen. Aber diese müssen evidenzbasiert und für die Bürger nachvollziehbar sein. Ansonsten spielt dies eben den Leugnern in die Hände. Wir haben aber noch viel zu tun: Ich bekomme bereits für mein Engagement Hass-Mails von Personen, die aufgrund meiner Haltung meine ehemalige Firma Digitec boykottieren wollen.

Was löst das bei Ihnen aus?

Ich finde das eigenartig. Es ist wohl auch der Grund, warum sich viele Politiker nicht äussern. Epidemiologen haben nicht Volkswirtschaft studiert und umgekehrt. Die Massnahmen betreffen aber unser aller Leben. Gerade wenn Entscheidungen nicht zahlenbasiert getroffen werden, ist es schlussendlich ein politischer Entscheid. Ich bin nicht Epidemiologe, aber ich muss mich bei politischen Entscheiden einmischen, bei denen es um das Schicksal Tausender Arbeitsplätze oder die unverhältnismässige Einschränkungen der Freiheiten geht. Ich hoffe, dass dies künftig auch andere Politiker tun.

Laut vielen Experten müssen wir jetzt handeln, und zwar schnell. Wenn der Trend nicht gebrochen werde, würden bald noch einschneidendere Massnahmen wie Lockdowns nötig – das schade der Wirtschaft dann noch mehr.

Tatsächlich braucht es jetzt wirksame Massnahmen, um eine exponentielle Ausbreitung zu unterbinden. Mit einer Maskenpflicht in Läden kann ich gut leben, auch wenn ich sehe, dass sie in anderen Ländern auf die Entwicklung der Fallzahlen keinen grossen Einfluss hatte. Auch mit Homeoffice, solange es bei der Empfehlung bleibt. Skeptisch bin ich bei den neuen Regeln von Geburtstagsfesten, wie es der Bundesrat beschlossen hat. Das ist einfach nicht praktikabel und für mich heute ein zu grosser Eingriff in die individuelle Freiheit. Was ich einfach vermisse: Die Kantone müssten sofort die Zahlen des Contact-Tracing offenlegen und weitergehende Massnahmen damit begründen. Ansonsten habe ich – und sicher auch viele Bürger – das Gefühl, die Massnahmen zielten einfach ins Blaue.

Dass die Reduktion der sozialen Kontakte die Verbreitung verlangsamt, dürfte den meisten einleuchten. Und dass exponentielles Wachstum schnelles Handeln bedingt, auch.

Ja. Aber am Familienfest eine Maske anzuziehen, finde ich dann schon happig. Am Tisch ist dann wieder alles erlaubt. Das muss mir zuerst jemand ganz genau erklären. Ich sage nicht, wir sollten weiter zuwarten. Ich fand es gut, dass der Bundesrat lange zurückhaltend war und jetzt angesichts der Zahlen einheitlich eingreift. Mein Punkt ist: Alle Entscheide sollen auf Daten basieren. Ich weiss aus dem Contact-Tracing des Kantons St. Gallen, dass sich 20 bis 30 Prozent der Infizierten im Nachtleben angesteckt haben.

Die Mahner argumentieren auch wirtschaftlich und sagen, je länger man warte, desto eher werde ein Lockdown unumgänglich. Sie wehren sich vehement gegen einen Lockdown.

Ein Lockdown ist gar keine Option. Da wird eine Drohkulisse aufgebaut als Legitimation für neue Massnahmen. Es gäbe eine Kettenreaktion und eine Konkurswelle. Wir werden bis im Januar noch eine Flut an Konkursen aus dem ersten Lockdown sehen. Bei einem nochmaligen Herunterfahren käme es zu einem Massensterben von Firmen. Für deren Rettung müsste sich der Staat für 20 bis 30 Jahre verschulden. Bei einem zweiten Lockdown geht auch Franz Carl Weber in Konkurs.

Erklären Sie das.

Als Firma, die die Hälfte des Umsatzes in den letzten vier Monaten des Jahres macht, wäre jetzt ein Lockdown verheerend. Wir mussten schon im Frühling kämpfen, um über die Runden zu kommen, und ich hatte Franz Carl Weber ja als Sanierungsfall übernommen. Ich bin ehrlich: Wenn der Lockdown kommt, müssen wir die Schlüssel abgeben.

Auch mit den neuen Massnahmen stellt sich die Frage, ob diese reichen, um überlastete Spitäler und viele Tote zu verhindern. Die Taskforce warnte bei zögerlichem Handeln vor 12’000 Fällen pro Tag in zwei Wochen.

Dass der Bundesrat jetzt handelt, ist nachvollziehbar. Ich finde, dass einige Kantone einen guten Job gemacht haben. Bevor man aber dann wieder mit noch härteren Massnahmen auf Bundesebene kommt, erwarte ich, dass man die Wirkung von Maskenpflicht, Homeoffice und so weiter analysiert. Ich warne davor, Massnahmen auf Vorrat zu erlassen. Zudem müssen wir beobachten, wie sich die Zahl der schweren Fälle entwickelt. Wir können das Virus mittlerweile viel besser behandeln. Ich bin gespannt, ob sich dies auch in der Zahl der schweren Verläufe spiegelt.

Auf Twitter haben Sie dabei auf Holland verwiesen, wo es zuerst trotz massiv steigender Zahlen zuerst zu vergleichsweise wenigen Toten kam. Mittlerweile steigen dort die Todeszahlen. Epidemiologe Christian Althaus taxierte Ihre Aussage als «Blödsinn».

Holland ist für mich kein Vorbild. Ich sage lediglich, dass reine Fallzahlen nicht das einzige Mass für einschneidende Massnahmen sein können und die Anzahl schwerer Verläufe im Verhältnis zu den Infektionszahlen heute deutlich tiefer sind als im März. Mir wurde ja auch vorgeworfen, ich würde Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung ausblenden. Ich habe dazu beim Bundesrat eine Frage eingereicht. Er teilte mir mit, dass es derzeit keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu gebe. Auch hier wieder: Gerade Massnahmen müssen meiner Meinung nach auf Daten abgestützt werden.

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575 Kommentare
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Grandma

20.10.2020, 19:45

Wäre schade, FCW hat sehr schöne Spielwaren. Vielleicht hätte man schon früher über die Bücher gehen sollen, denn die Preise sind viel zu hoch. In Konstanz gibt es im Spielwarengeschäft eine riesen Auswahl an qualitativ hochstehenden Spielsachen zu viel günstigeren Preisen...und höher schlagende Kinderherzen fragen nicht mehr nach FCW an der Bahnhofstrasse...🍭

stephan

20.10.2020, 16:30

so lange mit Gewinn und nach drei Monaten Bankrott?? einfach zum lachen!!!

Techniker

20.10.2020, 12:42

Lobbyisten bei solchen Themen zu beteiligen, ja klar doch! denen geht es doch nur um den Profit, nichts weiter. Make money money, make money money