Freiwillige Feuerwehr: «Bei einer Unfallbergung wird nie gesprochen»
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Freiwillige Feuerwehr«Bei einer Unfallbergung wird nie gesprochen»

In Menzingen musste am Montag ein Autofahrer aus einem Auto geschnitten werden. Wie die Retter bei solchen Einsätzen vorgehen, erzählt der Kommandant der Feuerwehr Zug.

von
jas

Daniel Jauch, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zug FFZ erklärt, wie man eingeklemmte Personen aus Autos holt. (Video: MME)

Am Montag musste in Menzingen nach einem Unfall mit einem LKW ein 23-Jähriger aus seinem Auto befreit werden. Wie läuft eine solche Strassenrettung ab?

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt hat als einzige Stützpunktfeuerwehr im Kanton Zug 40 Spezialisten, die für die Strassenrettung zuständig sind. Alle sind mental bestens dafür geeignet. Meist sind am Unfallort dann zwischen 12 und 15 Feuerwehrleute. Der Pikettoffizier rückt immer zusammen mit einem Offizier Bergung aus, dieser übernimmt die Führung. Er geht zum Unfallfahrzeug und spricht die technische Rettung mit dem Rettungsdienst ab. Auf dem Pionierfahrzeug werden hydraulischen Rettungsgeräte mitgeführt, um eine Personenrettung durchzuführen. Vor Ort gibt es auch immer ein Tanklöschfahrzeug, welches den Brandschutz sicherstellt.

Wie sind die Retter beim Unfall in Menzingen vorgegangen?

Das war eine Standardbergung. Das Unfallfahrzeug wurde zuerst unterbaut, um es gegen Bewegungen zu stabilisieren. Bis der Patient geborgen ist, bewegt sich das Fahrzeug keinen Millimeter. Die Batterie wird getrennt und alle Scheiben werden entfernt. Dafür wird eine Folie auf die Scheiben geklebt, damit sich die Scherben nicht überall verteilen. Die Gurten wurden mit einem Messer zerschnitten. Dann wird die Türe beim Patienten mit Spreizer und Schere entfernt, um die genaue Situation zu erkennen, bevor das Dach mit der hydraulischen Schere abgetrennt wird. Während der Bergung wurde der eingeklemmte Autofahrer von den Rettungssanitätern medizinisch betreut. Jeder Arbeitsschritt wird überlegt und nur auf Anweisung des Offiziers Bergung ausgeführt. Jede falsche Bewegung könnte dem Patienten schaden. Eine Bergung soll so schnell wie möglich gehen, also etwa 30 Minuten.

Wie reagieren die Eingeschlossenen?

Eigentlich reagieren sie gar nicht. Der Rettungsdienst hat sicher schon Massnahmen zur Schmerzlinderung ergriffen, um den Patienten zu beruhigen. Beim Einsatz wird nie gesprochen und schon gar nicht geschrien. Wir arbeiten ruhig und kommunizieren über Handzeichen. In Menzingen habe ich still die Aufträge verteilt. Es darf keine Hektik geben, da sich das negativ auf den Patienten auswirken könnte. Wir wollen den Menschen ja helfen und ihnen keine Angst machen.

Was sind die Gefahren für Retter und Gerettete?

Für den Retter sind es die scharfen Kanten des abgetrennten Daches. Damit sich keiner daran verletzt, werden spezielle Schütze darüber gelegt. Feuer und Airbags sind für Retter und Verletzte eine Gefahr, ebenso die Elektrizität bei Elektroautos.

Ist solch ein Einsatz nicht eine grosse psychische Belastung für die Feuerwehrleute?

Sicher. Es gibt manchmal schlimme Bilder zu verarbeiten, vor allem, wenn jemand stirbt. Besonders schlimm ist es, wenn Kinder betroffen sind. Wir haben deswegen speziell ausgebildete Betreuer, die ebenfalls Feuerwehrleute sind. Am Unfallort betreuen diese etwa Angehörige oder Umstehende und erklären das Vorgehen der Feuerwehr. Nach dem Einsatz werden alle Feuerwehrleute gefragt, ob es Probleme gibt. Es ist ganz wichtig, dass über das Geschehene gesprochen wird. Wer nicht in der Gruppe sprechen möchte, kann auch mit dem Betreuer alleine reden. Wenn das nicht helfen sollte, kommt ein Psychologe ins Spiel.

Wie oft kommen solche Einsätze vor?

Im Kanton Zug im Schnitt zehn bis fünfzehn Mal im Jahr.

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