Aktualisiert 28.02.2015 15:05

Elsad Zverotic«Bei Fulham war es zehn Mal schlimmer»

Die Ankunft von Elsad Zverotic im Wallis erfolgte mit Verspätung. Seit Samstag ist er nun da und könnte am Sonntag gegen Luzern für den FC Sion zu seinem Debüt kommen.

von
Eva Tedesco
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Elsad Zverotic (l.) kehrt in die Super League zum FC Sion zurück. Im September 2013 wechselte der Montenegriner zum FC Fulham.

Elsad Zverotic (l.) kehrt in die Super League zum FC Sion zurück. Im September 2013 wechselte der Montenegriner zum FC Fulham.

Keystone/AP/Clint Hughes
Von 2011 bis 2013 spielte der Aussenverteidiger bei den Berner Young Boys.

Von 2011 bis 2013 spielte der Aussenverteidiger bei den Berner Young Boys.

Keystone/Marcel Bieri
In der Super League lief Zverotic einst auch für den FC Luzern auf, wo er von 2008 bis 2011 spielte.

In der Super League lief Zverotic einst auch für den FC Luzern auf, wo er von 2008 bis 2011 spielte.

Keystone/Sigi Tischler

Elsad Zverotic, Ihre verspätete Ankunft in Sion hatte einen speziellen Grund ...

Elsad Zverotic: (lacht) Einen sehr, sehr speziellen sogar. Ich bin am Dienstagabend Vater geworden. Meine Frau hat in London unseren Sohn Almedin zur Welt gebracht.

Und Sie waren natürlich bei der Geburt dabei.

Klar. Es ist das schönste Gefühl, das man haben kann!

Ist alles gut gegangen?

Vielen Dank der Nachfrage. Ja, Mutter und Kind sind gesund.

Wann holen Sie Ihre kleine Familie ins Wallis?

In zirka drei Wochen. Ich bin schon auf Wohnungssuche und auch die Dinge mit der Auflösung unseres Haushalts in England konnte ich in den Tagen nach der Geburt soweit regeln. Ich bin Präsident Christian Constantin wirklich sehr dankbar, dass er mir entgegengekommen ist. Die Zeit habe ich echt gebraucht.

Sie hatten keinen Zwang, Fulham zu verlassen. Wieso wechselt man von der Metropole London ins beschauliche Sitten?

Das stimmt, ich musste nicht unbedingt weg aus der Premier Leagu,e und ich sehe den Wechsel auch nicht als Scheitern an, wenn Sie darauf aus sind. Das Angebot von Christian Constantin hat mich gereizt. Ausserdem (schmunzelt): Ich bin in der Ostschweiz aufgewachsen, darum hält sich der Kulturschock in Grenzen.

Sie hatten auch ein Angebot von GC und waren auf bestem Weg zu unterschreiben. Wieso der Sinneswandel?

Das ganze Paket, die Perspektiven aus Sion waren interessant und auch das grosse Engagement der Verantwortlichen hat mich mehr überzeugt.

Perspektiven beim FC Sion, wo es jedes Jahr drunter und drüber geht?

Mit den Verpflichtungen von Reto Ziegler, Vero Salatic und jetzt auch von mir will Sion ein Zeichen setzen. Zudem sind mit Beg Ferati und Pa Modou Spieler im Kader, die in der Deutschschweiz gespielt haben und die Disziplin und Ordnung ins Team bringen können, die es vielleicht braucht. Ich glaube, dass es in die richtige Richtung gehen kann und Ruhe im Klub einkehrt, damit wir erfolgreich sein können.

Ruhe und Erfolg unter dem unberechenbarsten Präsidenten der Liga? Das klingt, als wollte man eine Kuh durchs Nadelöhr ziehen.

(lacht) Bei Fulham war es zehn Mal schlimmer. Mich haut nichts mehr um! Aber was und wo wäre der FC Sion, wenn Christian Constantin nicht da wäre?! Das kann keiner genau sagen. Ich denke, das Bild in der Öffentlichkeit wurde durch die Medien so gemacht und entspricht nicht den Tatsachen, wie wir Spieler es erleben. Vielleicht sieht es so aus, dass er vieles überzogen hat und vielleicht hat er das auch in einigen Fällen. Ich habe einen positiven ersten Eindruck vom Verein.

Können Sie sagen, was Trainer Didier Tholot von Ihnen verlangt?

Die Erwartungen sind sehr hoch. Das kann ich sagen. Nicht nur vom Trainer, von dem ich einen guten Eindruck habe. Ich weiss, dass man viel Hoffnung in die Neuzugänge hat. Ich werde versuchen, die Erwartungen zu erfüllen, und probiere immer mein Bestes zu geben.

Ihre Position ist die des rechten Verteidigers. Auf der hat Vincent Rüfli einen Stammplatz gepachtet. Wer springt über die Klinge?

Das ist beides richtig. Ich kann aber auch im rechten Mittelfeld eingesetzt werden. Allerdings gehe ich nicht davon aus. Aber über Aufstellungen und Systeme müssen Sie mit dem Trainer reden.

Am Sonntag ist der FC Luzern im Tourbillon zu Gast, jener Klub, bei dem Sie zwischen 2008 und 2011 engagiert waren. Ist das Debüt für Sie speziell oder sind Sie YB – Ihrer letzten Station in der Schweiz – näher?

Es ist immer speziell, wenn man gegen ehemalige Klubs und Kollegen spielt, aber ich kann nicht sagen, ob mir YB oder Luzern näher ist. Ich hatte bei beiden Vereinen wunderbare Jahre erleben dürfen und habe schöne Erinnerungen. Ich freue mich einfach nur auf meinen ersten Einsatz in Sion und für den bin ich bereit. Ob ich am Sonntag schon spielen werde, entscheidet aber der Trainer.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Kollegen aus der Zentralschweiz?

Ja, zum Beispiel mit Adrian Winter. Mit ihm habe ich telefoniert und er hat mir auch zum Wechsel ins Wallis gratuliert.

Nach dem Sieg in Vaduz und einem weiteren Erfolg gegen Luzern könnte Sion weiter Boden gut machen im Abstiegskampf. Rollt Sion jetzt richtig an?

Wir wollen so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Aber es macht keinen Sinn von Dingen zu träumen, die noch nicht da sind und deshalb lautet das Ziel: von Spiel zu Spiel schauen und so viele Punkte zu sammeln wie möglich. Aber ich bin sicher, mit diesem Team ist vieles möglich.

Nach Gelb-Rot am Mittwoch fehlt Vero Salatic gegen den FCL. Wie sehr wird er im Direktduell vermisst?

Vero ist ein Führungsspieler und wird sehr fehlen. Er ist nicht der Typ, der den Chef raushängen will, aber seine Routine ist schwer zu ersetzen.

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