Aktualisiert 20.01.2016 07:15

Nahkampf-Instruktor

«Bei Gefahr den Spray in die Jackentasche nehmen»

Um Pfeffersprays richtig anzuwenden, muss man üben, sagt ein Ausbildner. Bekommt die Frau selbst eine Ladung ins Gesicht, sind die Folgen fatal.

von
ann

Herr Kropf, wegen Köln kaufen derzeit die Leute Pfeffersprays wie verrückt. Was raten Sie Benutzern im Umgang mit den Sprays?

Ich biete zwar Pfefferspray-Kurse an, ich bin aber nicht völlig überzeugt von dieser Lösung des Selbstschutzes.

Wieso?

Weil der Umgang mit dem Pfefferspray nicht nachhaltig geübt wird. Die meisten denken, nun habe ich einen Spray gekauft und einen Kurs besucht, jetzt kann mir nichts mehr passieren. Aber der Pfefferspray ist gefährlich, denn der Angreifer kann ihn der Frau entreissen und gegen sie verwenden. Im schlimmsten Fall wird sie für bis zu 40 Minuten völlig ausser Gefecht gesetzt, weil ihre Augen tränen und sich schliessen und sie Atemnot mit Erstickungsangst bekommt.

Warum bieten Sie dann Kurse an?

Im Pfefferspraykurs geht es in erster Linie darum, den Gefahrenradar aufzumachen und mehr Aufmerksamkeit zu vermitteln. Die Leute sollen lernen, sich nicht ablenken zu lassen und Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen. Wenn das Bauchgefühl sich meldet, soll man den Spray in der Jackentasche festhalten und nicht in der Handtasche lassen. Aber nicht in jedem Fall ist der Einsatz gerechtfertigt. Dieser muss verhältnismässig sein, auch das muss man lernen. In manchen Situationen sollte man den Spray zudem nicht einsetzen.

In welchen Situationen?

Wenn Frauen angegriffen werden, ist der Täter sofort sehr nahe. Alles geht sehr schnell und die Frau wird überrascht, vor allem, wenn sie Kopfhörer im Ohr hat. In so einem Fall nützt der Spray meist nichts mehr. Dann braucht es Techniken, wie man sich im Nahkampf zur Wehr setzen kann.

Was raten Sie, wenn man den Spray nutzen will?

Die Anwendung muss regelmässig trainiert und automatisiert werden, bis man es intuitiv richtig macht. Nur Abläufe, die intuitiv funktionieren, kann man in Notsituationen sicher und richtig anwenden.

Peter Kropf ist Leiter der Kravmaga-Schule und bietet Kurse in Herzogenbuchsee, Solothurn, Zürich und Bern an.

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