Aktualisiert 04.12.2019 08:33

BerufsbildungBei Google können Schüler jetzt auch schnuppern

Der Konzern will mit Schnuppertagen Lernende rekrutieren. Es gebe aber noch Luft nach oben, so die Gewerkschaft.

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Seit 2017 bietet Google in der Schweiz jeweils fünf Informatik-Lehrstellen pro Jahr an.

Seit 2017 bietet Google in der Schweiz jeweils fünf Informatik-Lehrstellen pro Jahr an.

Keystone/Ennio Leanza
Was bisher nicht bekannt war: Der Konzern bietet auch Schnuppertage für Schüler an.

Was bisher nicht bekannt war: Der Konzern bietet auch Schnuppertage für Schüler an.

Keystone/Ennio Leanza
«Wir begrüssen, dass Unternehmen wie Google Nachwuchsförderung betreiben, vor allem auch weil der Frauenanteil in der Tech-Branche nach wie vor niedrig ist», sagt Lena Allenspach, stellvertretende Leiterin Kommunikation bei Syndicom, der Gewerkschaft im Bereich Medien und Kommunikation.

«Wir begrüssen, dass Unternehmen wie Google Nachwuchsförderung betreiben, vor allem auch weil der Frauenanteil in der Tech-Branche nach wie vor niedrig ist», sagt Lena Allenspach, stellvertretende Leiterin Kommunikation bei Syndicom, der Gewerkschaft im Bereich Medien und Kommunikation.

Keystone/Walter Bieri

Der Technologieriese Google beschäftigt in der Schweiz bereits fast 4000 Mitarbeitende, die meisten davon in Zürich. Der Konzern bietet seit 2017 auch jeweils fünf Informatik-Lehrstellen pro Jahr. Bei der Promotion des Angebots gibt sich Google aber zurückhaltend – ob Interessierte auch bei Google schnuppern können, ist im Netz nicht ersichtlich.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt nun Google-Sprecher Matthias Meyer, dass Google Schweiz auch Schnuppertage für die Lehre als Applikationsentwickler EFZ anbietet. «Sie finden für gewöhnlich im Frühjahr statt und sind als Informationsanlass über einen halben Tag aufgebaut.»

Dabei könnten teilnehmende Schüler erste Erfahrungen mit HTML und der Coding-Plattform Scratch sammeln. «Die Verpflegung wird von Google offeriert», so Meyer. Ein Sprecher ergänzt weiter: «Die Schnuppertage kommen sehr gut an.» Das Angebot stehe allen Interessierten offen, es sei jedoch nur online ersichtlich, wenn es wieder einen Termin gebe.

Unternehmen kennen Schweizer Bildungssystem nicht

«Wir begrüssen, dass Unternehmen wie Google Nachwuchsförderung betreiben, vor allem auch, weil der Frauenanteil in der Tech-Branche nach wie vor niedrig ist», sagt Lena Allenspach, stellvertretende Leiterin Kommunikation bei Syndicom, der Gewerkschaft im Bereich Medien und Kommunikation. «Aber in der Lehrlingsausbildung gibt es durchaus noch Luft nach oben. Internationale Unternehmen sind oftmals nicht mit dem dualen Bildungssystem der Schweiz vertraut.» Syndicom fordere mehr gute Lehrstellen und gezieltes Engagement in der Berufsbildung.

Das Angebot kommt auch bei ICT-Berufsbildung Schweiz gut an, dem Berufsbildungsverband im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie. «Wir finden solche Angebote sehr sinnvoll. Sie sind ein Puzzlestein, um dem Fachkräftemangel im Mint-Bereich entgegenzuwirken», sagt Geschäftsführer Serge Frech.

«Konzernen ist der Fachkräftemangel bewusst»

Das Engagement in der Berufsbildung variiere in der gesamten Branche aber stark. «Gewisse Unternehmen – vor allem solche mit Schweizer Wurzeln – sind schon sehr vorbildlich, andere beginnen, den Wert der Berufsbildung langsam, aber sicher zu erkennen.»

Den Konzernen sei der Fachkräftemangel bewusst, deshalb versuchten sie, Junge für IT-Berufe zu begeistern, und würden auch neue Lehrstellen schaffen. Es gebe auch etliche Förderangebote für Mädchen, um den Frauenanteil in der Branche zu erhöhen.

Zu wenig Koordination

Heute bestehen laut Frech über 600 Förderangebote im Mint-Bereich (siehe Box). Diese müssten koordiniert und aufeinander abgestimmt werden, um deren Wirksamkeit zu überprüfen. Er bemängelt, dass seine Organisation von den Unternehmen zu wenig unterstützt werde.

«Nur mit genügend finanziellen Mitteln können wir die Berufe weiterentwickeln, Angebote koordinieren und die Qualität sicherstellen. Dazu reichen die heutigen Mittel nur in begrenztem Rahmen aus.» Es bleibe ihnen nichts anderes übrig, als die Konzerne zu motivieren, mehr in den Nachwuchs zu investieren und die Projekte des Verbands zu sponsern.

Fachkräftemangel Die Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik werden unter dem Begriff «MINT» zusammengefasst. In diesem Berufsfeld fehlen nach wie vor Fachkräfte. Schnupperlehren können helfen, Nachwuchs für MINT-Berufe zu rekrutieren, wie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation in einem Bericht aus dem Jahr 2018 festhält.

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