Öffnung ab April?: «Bei hohen Fallzahlen sind Lockerungen unmöglich»
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Öffnung ab April?«Bei hohen Fallzahlen sind Lockerungen unmöglich»

Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger fordert Lockerungen der Corona-Massnahmen. Bürgerliche Politiker schliessen sich ihm an. Experten mahnen vor übereilten Entscheidungen.

von
Céline Krapf
Dafina Eshrefi
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Der oberste Schweizer Gesundheitsdirektor Engelberger plädiert dafür, dass grössere Veranstaltungen wieder ermöglicht werden, wenn diese negativ getesteten oder geimpften Personen vorbehalten sind. (Symbolbild) (Gurtenfestival 2019)

Der oberste Schweizer Gesundheitsdirektor Engelberger plädiert dafür, dass grössere Veranstaltungen wieder ermöglicht werden, wenn diese negativ getesteten oder geimpften Personen vorbehalten sind. (Symbolbild) (Gurtenfestival 2019)

20Min/OskarMoyano
Der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger, forderte in einem Interview mit der Sonntagszeitung Lockerungen.

Der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger, forderte in einem Interview mit der Sonntagszeitung Lockerungen.

20Min/Steve Last
«Veranstaltungen, die nur für Geimpfte oder Getestete erlaubt wären, kämen einem Impfzwang gleich und diesen gilt es zu verhindern», sagt Sibel Arslan, Nationalrätin Grüne.

«Veranstaltungen, die nur für Geimpfte oder Getestete erlaubt wären, kämen einem Impfzwang gleich und diesen gilt es zu verhindern», sagt Sibel Arslan, Nationalrätin Grüne.

Parlamentsdienste

Darum gehts

  • Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, fordert Lockerungen im April.

  • Bürgerliche Politiker begrüssen das Vorhaben.

  • Grünen-Politikerin Sibel Arslan bevorzugt etappenweise Öffnungen und will keine Veranstaltungen, die nur Geimpften und Getesteten vorbehalten sind.

  • Zwei Experten mahnen zur Vorsicht und verweisen auf steigende Fallzahlen.

Lukas Engelberger fordert ab April eine Lockerung der Corona-Massnahmen. Der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren plädiert dafür, dass grössere Veranstaltungen wieder ermöglicht werden, wenn diese negativ getesteten oder geimpften Personen vorbehalten sind.

Thomas Aeschi, SVP-Fraktionschef, begrüsst das Vorhaben des Gesundheitsdirektors: «Es ist natürlich erfreulich, dass die Gesundheitsdirektion auf die Forderungen der SVP nun endlich eingeht und ebenfalls Lockerungen fordert.» Dass die Fallzahlen in den nächsten Tagen und Wochen steigen würden, sei voraussehbar und auf die Ausweitung des Testens zurückzuführen, sagt Aeschi. .» «Lockerungen sind zwingend und längstens überfällig.»

«Man hätte schon eher anfangen sollen, Test-Grossanlässe zu bewilligen»

Auch FDP-Nationalrat Marcel Dobler spricht sich für Lockerungen ab April aus. Diese seien aufgrund der gut voranschreitenden Erstimpfungen der Risikogruppe berechtigt. Damit senke sich die Anzahl der schweren Verläufe massiv, da über 90 Prozent der an Covid-19 verstorbenen Personen aus dieser Gruppe kämen. «Man hätte schon eher damit anfangen sollen, Test-Grossanlässe einzeln zu bewilligen und zu überwachen.» Die Daten wären laut Dobler hilfreich bei der Prüfung der Schutzkonzepte. Die Lockerungen im April sollten vom Impffortschritt in der Risikogruppe abhängig sein, führt Dobler weiter aus.

Parteikollegin und Nationalrätin Doris Fiala sieht es ähnlich: «Ich denke, dass es auf jeden Fall Sinn macht, im Rahmen des Möglichen zu lockern. Das setzt voraus, dass die Impfstrategie substantiell vorangetrieben wird und sich möglichst viele Personen testen lassen.»

«Keine Veranstaltungen nur für Geimpfte und Getestete»

Grünenpolitikerin Sibel Arslan erklärt auf Anfrage von 20 Minuten: «Ich bin grundsätzlich für Lockerungen, da wir auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung aufrecht erhalten müssen.» Viele Menschen würden unter den Massnahmen leiden und drohen zu vereinsamen, sagt die Nationalrätin. «Ich bin für eine etappenweise Öffnung für alle, die ein Schutzkonzept haben.» Veranstaltungsbesuche nur für Geimpfte oder Getestete zu erlauben, unterstütze die Baslerin nicht: «Das käme für mich einem Impfzwang gleich!»

Thomas Steffen, Basler Kantonsarzt und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärzte, ist hingegen skeptisch: «Die breite Lockerung der Massnahmen dürfte in dieser Situation nicht möglich sein.» Die zunehmende Zahl der Neuinfektionen spreche dafür, dass es in den nächsten Wochen zu einem erneuten deutlichen Anstieg der Neuinfektionen kommen werde. Da eine zunehmende Massnahmenmüdigkeit in der Bevölkerung spürbar sei und sich der Impfschutz bei den älteren Personen langsam positiv auswirke, könne er sich aber kleinere Lockerungen vorstellen.

«Gesundheit von vielen Menschen nach wie vor stark gefährdet»

Natürlich sei er für Pilotprojekte und dass man genau prüfe, welche Öffnungsschritte was für Konsequenzen hätten, schreibt Daniel Speiser, Arzt und Impfstoff-Experte der Universität Lausanne. «Falls es hohe Fallzahlen gibt, wird dies aber leider weitgehend unmöglich sein.» Auch sogenannte Nicht-Risikopersonen könnten schwer erkranken oder Langzeitfolgen haben, so der Immunologe. Zudem gebe es Risikopersonen, die noch längere Zeit nicht geimpft sein würden, wie beispielsweise schwangere Frauen. «Deshalb ist die Gesundheit von vielen Menschen nach wie vor stark gefährdet», schreibt der Experte.
«Hohe Fallzahlen verursachen darüber hinaus grosse Schäden, wirtschaftlich und gesellschaftlich.» Wenn sie mal hoch seien, gelinge es kaum, die Pandemie wieder unter Kontrolle zu bringen - bestes Beispiel seien alle Staaten und Regionen, die wieder in den Lockdown müssten, schreibt Speiser.
«Es müssen noch viel mehr Menschen geimpft sein, um grössere Öffnungen möglich zu machen.»

BAG: Impffortschritt wird berücksichtigt

Bei der Beurteilung der Massnahmen werde neben den definierten Richtwerten auch berücksichtigt, wie viele Menschen bereits geimpft sind, schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Wenn alle Personen aus Risikogruppen geimpft sind, können weniger strenge Richtwerte akzeptiert werden Die Entwicklung der Epidemie müsse aber unter Kontrolle sein. Nachdem alle impfwilligen Personen geimpft seien, «dürften gemäss heutiger Einschätzung keine Schliessungsmassnahmen und auch keine Richtwerte mehr nötig sein.» Am 14. April will der Bundesrat über das weitere Vorgehen entscheiden, teilt BAG-Mediensprecher Yann Hulmann mit.

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