Aktualisiert 27.07.2014 15:02

Ja kein RisikoBei Hypotheken sind die Schweizer konservativ

Wenn es um die Hypothek geht, wählen die Schweizer in fast allen Fällen die sichere Variante. Ganz anders als die Spanier und Italiener. Doch die Strategie der Schweizer geht auf.

von
Yves Hollenstein
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Bei der Wahl ihres Hypothekenmodells gehen die Schweizer konservativ vor. In fast allen Fällen entscheiden sie sich für die sicherere Variante der Festhypothek. Ganz anders in Spanien: Dort wird mit über 99 Prozent praktisch der ganze Immobilienmarkt mit variabel verzinslichen Hypotheken finanziert.

Bei der Wahl ihres Hypothekenmodells gehen die Schweizer konservativ vor. In fast allen Fällen entscheiden sie sich für die sicherere Variante der Festhypothek. Ganz anders in Spanien: Dort wird mit über 99 Prozent praktisch der ganze Immobilienmarkt mit variabel verzinslichen Hypotheken finanziert.

Keystone/Gaetan Bally
Die Kosten für eine Hypothek können sich aber je nach Region erheblich unterscheiden: Verhältnissmässig teuer sind die Hypotheken laut den Experten von Moneypark im Kanton Graubünden, eher günstig ist die Region Basel.

Die Kosten für eine Hypothek können sich aber je nach Region erheblich unterscheiden: Verhältnissmässig teuer sind die Hypotheken laut den Experten von Moneypark im Kanton Graubünden, eher günstig ist die Region Basel.

Die Region Basel - im Bild ein Quartier in Münchenstein - profitiert von der niedrigen Eigentümerquote und vom gesunden Markt. Die Banken versuchen die vielen verbleibenden «guten Risiken» mit günstigen Hypotheken zu locken.

Die Region Basel - im Bild ein Quartier in Münchenstein - profitiert von der niedrigen Eigentümerquote und vom gesunden Markt. Die Banken versuchen die vielen verbleibenden «guten Risiken» mit günstigen Hypotheken zu locken.

Keystone/Martin Ruetschi

Bei der Wahl des Hypothekenmodells haben sich die Schweizer von einem spekulativen zu einem konservativen Volk gewandelt. Betrug der Anteil der variabel verzinslichen Hypotheken im Jahr 2000 noch 55 Prozent, so sank dieser bis heute auf lediglich 14,6 Prozent. In anderen Worten: In fast 86 Prozent der Fälle entscheiden wir uns für die wesentlich sicherere Festhypothek (siehe Box).

Dies zeigt eine wissenschaftliche Arbeit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW und der Hochschule Luzern HSLU, die 20 Minuten vorliegt. Und nicht nur das: Auch bei den Festhypotheken selber gingen die Schweizer dieses Jahr noch ein wenig mehr auf Nummer sicher. So bevorzugen gemäss dem aktuellen Hypothekenbarometer von Comparis drei Viertel der Schuldner Festhypotheken mit langfristigen Laufzeiten zwischen 7 und 15 Jahren. Knapp ein Viertel wählte mittelfristige Laufzeiten zwischen 4 und 6 Jahren. Nur drei Prozent entschieden sich für kurzfristige Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren.

Ganz anders das Bild im Süden Europas: In Spanien wird mit über 99 Prozent praktisch der ganze Immobilienmarkt mit variabel verzinslichen Hypotheken finanziert. Reine Festhypotheken haben in Spanien kaum eine Bedeutung. Auch in Italien ist die Finanzierung durch eine variable Hypothek die Regel, so machten diese 2011 einen Anteil von 66,5 Prozent aus.

Planungs- und Budgetsicherheit

Sind die Schweizer bei der Wahl des Hypothekenmodells zu konservativ und risikoscheu? Nein, findet Stefan Heitmann vom Hypothekenspezialisten MoneyPark. Klar, über die letzten zehn Jahre gesehen sei ein Hauseigentümer mit einer Libor-Hypothek am besten gefahren. Doch: «Kein anderes Finanzierungsmodell bietet eine solch hervorragende Planungs- und Budgetsicherheit wie die Festhypothek», sagt Heitmann im Gespräch mit 20 Minuten. Dazu gehöre eine gewisse Risikoaversion eben auch zur Mentalität der Schweizer.

Festhypotheken sind in der Schweiz derzeit mit einem Zinssatz von unter zwei Prozent zu haben. «Wenn Geld so günstig geliehen werden kann, sollte man zuschlagen und den tiefen Zins langfristig binden», ist der Hypothekenexperte überzeugt. Da hätten die Südeuropäer mit doppelt so hohen Zinsniveaus ganz andere Voraussetzungen. «Da versucht man sich mit variablen Hypotheken und der damit verbundenen Hoffnung, sich mit tieferen Gesamtkosten über die Laufzeit über Wasser zu halten.»

Die rekordtiefen Zinsen könnten denn auch ein Grund sein für die Zunahme der Festhypotheken in der Schweiz. Denn: Je tiefer die Zinsen sinken, desto mehr erwarten die Leute, dass diese bald wieder steigen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie – darum die sicherere Variante.

«Nicht wie beim Joghurt»

Das Verhalten der Schweizer Hypothekarnehmer sei jedoch richtig, findet Ansgar Gmür vom Hauseigentümerverband HEV: «Es bringt absolut nichts, bei den tiefen Zinsen noch mit spekulativen Hypotheken das letzte Quäntchen herauszuquetschen.» Wer ruhig schlafen wolle, der solle sich langfristig binden, so der HEV-Direktor.

Geld sparen können man hingegen mit Vergleichen: «Wenn es um ein Joghurt geht, rennen wir gerne von Laden zu Laden und vergleichen die Preise. Doch bei einem Hauskauf von einer Million geben wir uns oft mit dem erstbesten Angebot unserer Hausbank zufrieden», gibt Gmür zu bedenken.

Das sind Unterschiede

Festhypothek: Festhypotheken haben eine fixe Laufzeit zwischen einem und zehn, vereinzelt auch 15 Jahren. In dieser Zeit bleibt der vereinbarte Zinssatz fix. Die Zinssätze sind höher, je länger die Laufzeit dauert. Sinkt das allgemeine Zinsniveau während dieser Zeit, kann davon nicht profitiert werden. Ein frühzeitiger Ausstieg aus einer Festhypothek ist zwar möglich, lohnt sich aber in den wenigsten Fällen, weil damit sehr hohe Kosten verbunden sind.

Variable Hypothek: Die variablen Hypotheken haben keine feste Laufzeit; der Kredit kann üblicherweise mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt werden. Die Zinssätze der variablen Hypotheken ändern laufend. Sinkt das Zinsniveau, profitieren der Schuldner davon, ansonsten muss aber sofort mehr für die Hypothek bezahlt werden.

Libor-Hypothek: Die Libor-Hypothek (Geldmarkt-Hypothek) orientiert sich am Libor-Zinssatz. Dieser Zinssatz wird täglich neu festgelegt. Dazu kommt ein individueller Aufschlag der Bank (je nach Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers und je nach Objekt). Über die letzten zehn Jahre gesehen, ist ein Hauseigentümer mit Libor-Hypotheken am besten gefahren. Doch der Libor-Zinsatz kann sehr schnell sehr stark steigen und die Hypothek damit quasi über Nacht verteuern. (hoy)

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