Hightech im Lager: Bei Ikea machen jetzt Drohnen die Inventur
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Hightech im LagerBei Ikea machen jetzt Drohnen die Inventur

Früher mussten die Ikea-Mitarbeitenden jeden Tag stundenlang Produkte zählen. Jetzt fliegen in Spreitenbach Drohnen durch das Lager und scannen Produkte in 10 Metern Höhe. Werden die Mitarbeitenden im Lager so überflüssig?

von
Janine Gloor

Helge Nilsson, Logistics Manager der Ikea Spreitenbach, erklärt das nach eigenen Angaben erste voll autonome und automatische Drohnensystem im Ikea-Lager.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Im Lager der Ikea Spreitenbach zählen Drohnen die Produkte.

  • Dank ihnen erreicht die Filiale 99,9 Prozent bei der Genauigkeit der Lagerbestände.

  • Die Drohnen machen die Inventur effizienter und sicherer, sagt die Ikea.

  • Die Mitarbeitenden hätten dadurch Zeit für andere Aufgaben.

Wenn es Nacht wird, steigen sie aus ihren Boxen. Dann beginnt die Schicht der neuen Inventar-Drohnen bei der Ikea Spreitenbach. Sie sind Teil eines Pilotprojekts der Ikea und seit Januar in Spreitenbach im Einsatz. Zu acht schweben sie durch die zehn Meter hohe Regale, halten an, um einen Strichcode zu scannen, und fliegen weiter.

Im Video oben siehst du, wie die Drohnen im Lager der Ikea Spreitenbach Produktcodes scannen.

Die Drohnen arbeiten, wenn die Kundschaft und die Mitarbeitenden die Ikea-Filiale verlassen haben; in der Nacht und am Sonntag. Sie ermitteln den Standort der Paletten im Lager, scannen die Strichcodes der Produkte und übermitteln die Informationen über den Lagerbestand an das System.

Schneller und besser als Menschen

«Das Zählen der Paletten hat uns jeden Tag mehrere Stunden gekostet», sagt Helge Nilsson, Logistics Manager der Ikea Spreitenbach. Die Drohnen bringen keine Zahlen durcheinander und arbeiten die ganze Nacht fehlerfrei. Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun überflüssig?

«Die Drohnen ergänzen unsere Mitarbeitenden», sagt eine Sprecherin von Ikea zu 20 Minuten. «Noch immer gibt es Inventar-Aufgaben, die von Mitarbeitenden übernommen werden. Doch sie haben jetzt mehr Zeit für Aufgaben, die nur Menschen ausführen können.» Die Ikea setze ihre Mitarbeitenden flexibel in verschiedenen Abteilungen ein. Dank des wachsenden Onlinehandels gebe es genug zu tun.

Ikea plant, auch in einer zweiten Filiale in der Schweiz Drohnen einzusetzen. Welcher Standort das ist, will das Unternehmen aber noch nicht verraten. Zudem werde auch untersucht, ob es weitere Bereiche gebe, wo Maschinen wie Drohnen oder Roboter eingesetzt werden können.

So arbeitet die Inventar-Drohne

Die Ikea hat in der Schweiz gemäss eigenen Angaben knapp 10’000 Produkte im Angebot. Um den Überblick behalten zu können, müssen Anzahl und Lagerungsort stets bekannt sein. Im internen System der Ikea werden die sogenannten Bewegungen festgehalten, wenn ein Produkt angeliefert oder verkauft wird. «Und die Drohnen liefern uns die wichtigsten Information, indem sie zählen, welche Produkte an Lager sind», sagt eine Ikea-Sprecherin. Jeden Abend kontrollieren die Drohnen, wie sich der Bestand tagsüber verändert hat. Am Sonntag fährt die Drohnen-Flotte zum Full Scan auf und zählt die Produkte an 6200 Palettenstandplätzen. Das dauert 14 Stunden. Insgesamt überwachen die Drohnen ein Lager von 9600 Quadratmetern Fläche.

99,9-prozentige Genauigkeit des Warenbestandes

Die Drohnen sollen auch helfen, Frust bei Kunden zu verhindern. Konkret geht es darum, Situationen zu vermeiden, wo Kunden ein als verfügbar angezeigtes Produkt nicht kaufen können, weil es plötzlich doch nicht erhältlich ist – das ist besonders ärgerlich, wenn man für den Einkauf eine lange Fahrt hinter sich hat.

«Mit Hilfe der Drohnen haben wir eine Genauigkeit von 99,9 Prozent erreicht», sagt die Sprecherin von Ikea. Systemungenauigkeiten sind nicht nur ärgerlich für die Kundschaft, sie kosten die Ikea Geld. Zum einen entgehen ihr möglicherweise Geschäfte, zum anderen muss sie Lieferungen allenfalls zweimal ausführen.

Die Drohnen sollen laut Ikea auch mehr Sicherheit für die Mitarbeitenden bieten. «Früher mussten Menschen auf die Regale steigen, um Inventur zu machen», sagt die Sprecherin. Die Drohnen können nicht nur zählen, sie merken auch, wenn eine Palette sich an einem falschen Ort befindet, beschädigt ist oder so gelagert ist, dass es ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte. Dank eines Rundum-Sicherheitssensors können die Drohnen Hindernissen ausweichen und kommen sich bei der Arbeit nicht in die Quere.

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