Polizei-Würgegriff: «Bei jedem Körperkontakt bleibt ein Restrisiko»
Aktualisiert

Polizei-Würgegriff«Bei jedem Körperkontakt bleibt ein Restrisiko»

Jedes Kind kennt den «Polizei-Griff». Doch in der Police Academy lernen Aspiranten: Der Würgegriff ist der Ernstfall – mit kalkulierbarem Restrisiko.

von
Roland Schäfli

In Amerika flammten jüngst Proteste auf, weil ein Polizist einen übergewichtigen Verdächtigen in den Würgegriff nahm – und dieser verstarb. Anklage wurde nicht erhoben. Auch in der Schweiz gelten für den Einsatz der Polizei klare Richtlinien. Doch wie soll ein Ordnungshüter im Ernstfall abschätzen können, welcher «Polizei-Griff» der Situation angemessen wäre?

Darauf hat Patrick Bacher eine einfache Antwort: «Durch viel Training.» Seit neun Jahren trichtert er als Schulleiter der Polizeischule Ostschweiz jährlich 90 Aspiranten genau diesen Automatismus ein: Verhältnismässigkeit. Die solide Grundausbildung soll dem künftigen Polizisten mit eidgenössischem Fachausweis ein Repertoire von Kampftechniken zur Verfügung stellen. Diese Massnahmen seien so angelegt, dass die Person nur kampfunfähig gemacht wird, aber unverletzt bleibt, erklärt Bacher. Doch: «Bei jedem Körperkontakt bleibt ein gewisses Restrisiko.»

Ausbildung bleibt aktuell

Bedrohungssituationen für Polizeibeamte ändern sich mit der Zeit, und mit ihnen die Ausbildung. Ein gesamtschweizerisches Gremium, die Lehrmittelkommission, lässt neue Erkenntnisse regelmässig in den Schulstoff einfliessen.

In Amriswil, der ersten interkantonalen Bildungsstätte für Polizisten in der Schweiz, werden die Schülerinnen und Schüler in 1200 Lektionen von 300 Instruktoren darauf vorbereitet, wie sich der Polizist mit eidgenössischem Fachausweis im Einsatz verhalten soll – und doch bleibt die Praxis der beste Lehrmeister. Erst im Polizeikorps, wo der Aspirant sein Praktikum absolviert, erhält er den letzten Schliff.

Keine Nachwuchsprobleme

Als erstes regionales Ausbildungszentrum wurde die Ostschweizer Schule 2006 eröffnet. Seitdem durchläuft eine konstant gleich hoch bleibende Zahl Aspiranten (der Frauenanteil beträgt mittlerweile 20%) dieses Lehrjahr. Obwohl das Schweizer Bürgerrecht eine Voraussetzung ist, macht die Sprachkompetenz den Anwärtern immer häufiger Probleme. Dafür musste neu ein Niveau-Unterricht im Fach Deutsch eingerichtet werden. Dennoch bleibt gemäss Direktor Marcus Kradolfer die Erfolgsquote des Schulabschlusses bei 95 Prozent.

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