Frauen in Aleppo: Bei jeder Mens droht der Tod
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Frauen in AleppoBei jeder Mens droht der Tod

Weil es an Hygieneprodukten mangelt, müssen Frauen im syrischen Aleppo ihre Binden mehrmals benutzen. Jetzt grassieren Infektionen.

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Wegen der mangelnden Hygiene in der Zeit der Monatsblutung haben die Fälle von Scheidenpilz und schweren Unterleibs- und Niereninfekten unter den Frauen im belagerten Aleppo rasant zugenommen.

Wegen der mangelnden Hygiene in der Zeit der Monatsblutung haben die Fälle von Scheidenpilz und schweren Unterleibs- und Niereninfekten unter den Frauen im belagerten Aleppo rasant zugenommen.

AP/Khalil Hamra
Das Problem: Binden gibt es keine oder sind extrem teuer. Die Frauen müssen darum Stofffetzen als Slipeinlagen benutzen.

Das Problem: Binden gibt es keine oder sind extrem teuer. Die Frauen müssen darum Stofffetzen als Slipeinlagen benutzen.

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Die primitiven Binden können sie nicht immer richtig waschen. Die Infektionen können sie aber auch nicht richtig behandeln lassen, denn es fehlt an Medikamenten.

Die primitiven Binden können sie nicht immer richtig waschen. Die Infektionen können sie aber auch nicht richtig behandeln lassen, denn es fehlt an Medikamenten.

AP/Khalil Hamra

Wie vielen anderen Frauen in Aleppo graut es Rania (18) vor jenen Tagen im Monat, in denen sie ihre Periode bekommt. Die junge Frau lebt im belagerten Ostteil von Aleppo. Binden und Hygieneartikel sind rar oder extrem teuer. So muss Rania mit Stofffetzen zurechtkommen, die sie immer wieder verwendet.

Doch weil es auch an sauberem Wasser mangelt, kann die Syrerin die Stoffeinlagen nicht richtig waschen. Mit ihrem Problem ist sie nicht allein — rund 258'000 Frauen sind davon betroffen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP haben wegen der mangelnden Hygiene in der Zeit der Monatsblutung in letzter Zeit die Fälle von Scheidenpilz und schweren Unterleibs- und Niereninfekten rasant zugenommen.

Es wären 10 Millionen Binden nötig

Laila Bakry leitet ein Gesundheitszentrum in der östlichen Ghouta. Das Thema Menstruation sei unter syrischen Frauen tabu. Darum sei die Problematik der Monatshygiene lange unbemerkt geblieben. Jetzt aber würden viele Frauen mit schweren Infektionen im Intimbereich zu ihr kommen.

Mit einem Arztbesuch ist das Problem aber bei weitem nicht gelöst: «Auch wenn ich ihnen ein Medikament verschreibe, bringt das wenig, denn wegen der Belagerung fehlt es auch an Arzneimitteln», sagt Bakry. Ihre Patientinnen würden manchmal abgelaufene Medikamente einnehmen, in der Hoffnung, dass sie noch wirkten.

Eine Hilfsorganisation der UNO hat seit vergangenem Jahr 840'000 Binden in die belagerten Gebiete geschickt. Das ist immer noch zu wenig: Um alle betroffenen Frauen zu erreichen, müssten pro Jahr 10 Millionen Slipeinlagen geliefert werden.

Grossoffensive gestartet

Syrische Rebellen haben in den vergangenen Tagen eine Grossoffensive gestartet, um den Belagerungsring der Regierungstruppen um Aleppo zu durchbrechen. Ein Reporter in der Stadt berichtete am Freitag im regierungsnahen Fernsehsender Al-Majadin von Angriffen auf «allen Seiten». Im Hintergrund waren Schüsse und Explosionen zu hören. Zudem war zu vernehmen, wie mutmasslich syrische oder russische Kampfjets über der Gegend flogen.

Rebellengruppen in und um Aleppo hatten sich zuletzt auf eine Gegenoffensive vorbereitet, um die Belagerung der Ostviertel Aleppos zu durchbrechen. In der Gegend hat es schwere Luftangriffe russischer und syrischer Kampfflugzeuge gegeben. In den letzten fünf Wochen wurden 500 Menschen getötet.

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