Chur: Jugendzentrum für queere Jugendliche beschädigt

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Chur GRBei Jugendzentrum für queere Jugendliche wurde randaliert

Am Wochenende wurde in Chur beim Jugendzentrum für queere Jugendliche randaliert. In diesem Jahr gab es bereits mehrere Vorfälle. Dabei geht es nicht nur um Sachbeschädigung.

von
Samira Bänziger
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Das Jugendzentrum ist eine Anlaufstelle für queere Jugendliche. 

Das Jugendzentrum ist eine Anlaufstelle für queere Jugendliche. 

Rebekka Weber, Vorstand sozialwerk.LGBT+
Das Plexiglasschild mit der Beschriftung «Treff-LGBT+» wurde weggerissen.

Das Plexiglasschild mit der Beschriftung «Treff-LGBT+» wurde weggerissen.

Privat

Darum geht es

  • Letztes Wochenende wurde beim Jugendzentrum für queere Jugendliche in Chur randaliert.

  • In diesem Jahr ist es bereits die zweite Beschädigung an diesem Ort.

  • Bekannt sind auch Übergriffe gegenüber Mitarbeitenden der Zentren.

  • Die Vorfälle lösen bei der Gemeinschaft grosse Ängste aus.

Am Wochenende wurde bei der Anlaufstelle für queere Jugendliche in Chur randaliert. Der Vorfall ist in diesem Jahr nicht der Erste. Das Zentrum war zum Zeitpunkt des Vandalismus geschlossen. Die Täter haben das Plexiglasschild mit der Aufschrift «Treff-LGBT+» gewaltvoll aus der Wand gerissen. Das queere Jugendzentrum hat eine Anzeige bei der Kapo Graubünden gemacht. 20 Minuten hat sich bei Holger Niggemann, Leitung «Treff-LGBT+» Buchs und Chur, über die letzten Vorfälle erkundigt.

Mehrere Vorfälle in diesem Jahr

Holger sagt, dass in den Zentren Aggressionen vermieden werden können: «Unsere Mitarbeitenden bringen Erfahrung mit und sind gut geschult». Das Jugendzentrum in Buchs gibt es seit gut einem Jahr. Es befindet sich mitten in der Bahnhofstrasse, wo sich jeweils viele Leute befinden. «In Chur gibt es weniger Laufkundschaft», erzählt Holger, ein Grund, weshalb das Zentrum in Chur ein beliebteres Ziel für Angriffe sein könnte. Vorfälle gab es jedoch sowohl in Buchs als auch in Chur: «Es gibt Gewalt gegenüber queeren Menschen in beiden Städten», sagt Holger. Vor ein paar Wochen wurden zwei junge queere Männer in Buchs verprügelt, sie haben den Treff am Abend verlassen und waren unterwegs zum Bahnhof. Bei einem weiteren Vorfall war eine Fachperson aus Chur betroffen. Sie wurde in den sozialen Medien angegriffen. Dies geschah kurz nachdem sie bei der Zeitung «Reformiert» über das Thema Nonbinarität informiert hatte. «Häufig passieren Übergriffe auf Mitarbeitende im privaten Kontext», so Holger.

«Diese Ereignisse lösen grosse Ängste aus»

Laut Holger würden die Übergriffe teilweise in Schulen geplant. Jugendliche, die den Treff besuchen, können dies bestätigen.

Holger vermutet, dass es sich bei den Tätern um eine Gruppe von jungen Menschen handelt. «Queer-Feindlichkeit ist nicht per se da», so Holger. «Ein kleiner Teil fühlt sich vermutlich in der eigenen Sexualität angegriffen», sagt die Fachperson soziale Arbeit.

Die Vorfälle bleiben nicht ohne Folgen, sie hinterlassen Spuren bei den Betroffenen. «Es löst Angst aus, Wut und Aggression», schildert Holger. «Es ist wichtig, sich Gehör und Sicherheit zu verschaffen, ohne selbst zu Täter oder Täterinnen zu werden», dies lernen die Jugendlichen in den Zentren. Das «Sozialwerk LGBT+» sucht den Kontakt zur Polizei in Chur. Auch auf politischer Ebene werden Möglichkeiten diskutiert, um queere Menschen besser zu schützen. Der jüngste Vorfall vom Wochenende wird von der Polizei noch ermittelt.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

OneLove setzt auf den Genderstern

Liebe Leser*innen, wir verwenden den Genderstern, um in Personenbezeichnungen neben der männlichen und der weiblichen auch alle anderen Geschlechtsidentitäten sichtbar zu machen.

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