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FlankingBei Kälte nackte Knöchel zeigen härtet ab

Zwischen Oberkante Schuh und Unterkante Hose ein paar Zentimeter Luft zu lassen, ist hip – und gesund, wie Berner Ärzte sagen.

Wo man auch hinschaut: Junge Leute zeigen Knöchel. Egal ob hochgekrempelt oder abgeschnitten, Hochwasserhosen sind stylisch. Socken gibt es dazu entweder gar nicht oder nur in Form von Füsslingen – und das trotz sinkender Temperaturen. Sollten wir uns nicht gerade in der Winterzeit warm einpacken, wenn wir aus dem Haus gehen?

Was Mami gern als unvernünftig betitelt, wird von Ärzten begrüsst. «Knöchel zeigen bei niedrigen Temperaturen härtet ab», sagt etwa Tomasz Bugaj vom City Notfall Bern. Laut dem Facharzt für Allgemeine Innere Medizin neigen wir im Winter dazu, eher zu viel als zu wenig Kleidung zu tragen. «Durch die entblösste Körperstelle gewöhnen wir uns besser an das Spiel zwischen Kalt und Warm und halten auf die Dauer mehr aus.»

Auch Sportmediziner German Clénin hält das sogenannte Flanking – ein Mixwort aus flashing (Aufblitzen) und ankle (Fussfessel) – für unbedenklich. «Die Füsse sind dadurch zwar weniger durchblutet, aufgrund ihrer Robustheit halten sie das aber aus», weiss er. Bei Operationen werde die Durchblutung im Fuss schliesslich gezielt unterbrochen, und da sei es ebenfalls kein Problem.

Dennoch raten die Ärzte nicht uneingeschränkt zum Knöchel-Exhibitionismus. Tomasz Bugaj empfiehlt etwa, dem Flanking nur zu frönen, solange es draussen trocken ist. «Bei Schnee und Nässe steigt der Wärmeverlust des Körpers. Dann ist dieser Style nicht mehr ganz so gesund.»

German Clénin zufolge ist es vor allem wichtig, den Körperkern warm zu halten. «So schützen wir die inneren Organe», erklärt er. «Ein Mini-Rock oder kurze Hosen bei eisigen Temperaturen sind deutlich schlimmer als nackte Knöchel, weil die freigelegten Körperpartien näher am Körperkern liegen», sagt der Buchautor.

Die jungen Leute scheinen die Grenze zwischen gesund und ungesund auch ohne ärztlichen Rat zu kennen, wie eine Strassenumfrage zeigt. Aktuell sei es ja noch nicht so kalt, meint etwa die 26-jährige Micha Luisa Heger, deren Fussfessel über zehn Zentimeter freigelegt ist. «Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werde ich dann aber schon die Wollsocken von Grosi anziehen.»

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