Aktualisiert 13.02.2014 11:10

ZKB-Analystin

«Bei Nachhaltigkeit ist Apple eher Nachzügler»

Apple will komplett auf den Einsatz von Rohstoffen aus Konfliktregionen verzichten. Laut einer Expertin ist der IT-Riese in Sachen Nachhaltigkeit aber keineswegs ein Vorreiter.

von
pst/ame
Konfliktmineralien wie das Erz Coltan werden hauptsächlich in Zentralafrika gefördert. Aus Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, das in der Mikroelektronik für die Produktion von kleinsten Kondensatoren mit hoher elektrischer Kapazität verwendet wird, die zum Beispiel in Mobiltelefonen und Laptops eingesetzt werden

Konfliktmineralien wie das Erz Coltan werden hauptsächlich in Zentralafrika gefördert. Aus Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, das in der Mikroelektronik für die Produktion von kleinsten Kondensatoren mit hoher elektrischer Kapazität verwendet wird, die zum Beispiel in Mobiltelefonen und Laptops eingesetzt werden

Apple will fairer werden. Das für die Produktion der Apple-Produkte wichtige Mineral Tantal stamme inzwischen nachweisbar vollständig aus konfliktfreien Quellen, teilte das Unternehmen in einem Bericht am Mittwoch mit (PDF-Download).

Tantalerze wie Tantalit und Coltan werden als sogenannte Konfliktmineralien eingestuft, da die Förderminen im Osten der Demokratischen Republik Kongo von Rebellen kontrolliert werden. Diese Betriebe stehen im Verdacht, Menschenrechtsverletzungen mitzufinanzieren.

Transparenz wird gefördert

Für andere kritische Rohstoffe kann Apple den Beweis einer ethisch sauberen Quelle noch nicht lückenlos liefern. «Wir drängen unsere Zulieferer von Zinn, Wolfram und Gold hart, nur verifizierte Quellen zu verwenden», erklärte das Unternehmen.

Um die Verantwortung der Zulieferer zu betonen, veröffentlichte Apple zusammen mit dem Bericht eine komplette Liste aller Erzhütten, die Rohstoffe für Produkte wie das iPhone, das iPad und die Macintosh-Rechner liefern. Bei Zinn, Wolfram und Gold ist die Elektronikbranche aber nur ein vergleichsweise kleiner Abnehmer.

Apple reagierte nur unter Druck

Wie sich dies auf die Nachhaltigkeitsbewertung von Apple auswirken wird, sei noch völlig offen, sagt ZKB-Analystin Simone Schärer zu 20 Minuten. «Zuerst muss das Unternehmen die Vorsätze auch glaubhaft in die Tat umsetzten.» Für Apple als weltweit bekannte Marke sei die Reputation aber enorm wichtig, so Schärer weiter.

In Sachen Nachhaltigkeit sieht sie den Computerhersteller aber keineswegs als Vorbild für andere Firmen. «Im Bereich der Nachhaltigkeit ist Apple eher ein Nachzügler». Der IT-Riese habe bisher immer nur unter Druck reagiert, anstatt selbst aktiv zu werden.

Ausbeutung und Kinderarbeit

Auch in Bezug auf faire Arbeitsbedingungen hat Apple reagiert. Dem Bericht zufolge habe man bei der Einhaltung der maximalen wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden enorme Fortschritte gemacht. Im vergangenen Jahr hätten sich 95 Prozent der Zulieferer daran gehalten. Im Jahr 2011 waren dies nach Apple-Angaben lediglich 38 Prozent gewesen.

Inzwischen sei die durchschnittliche Arbeitszeit auf unter 50 Wochenstunden gesunken. Für Apple sei wichtig, dass die Arbeiter nur freiwillig länger als gewöhnlich arbeiten. Der Kampf gegen zu lange Arbeitswochen war in den vergangenen Jahren zum Teil sogar auf Proteste der Arbeiter in China gestossen.

Apple-Chef Tim Cook hatte nach dem Amtsantritt vor gut zwei Jahren das Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen gerichtet und mehr Transparenz versprochen. Die Mitarbeiter des Unternehmens unternahmen im vergangenen Jahr 451 Kontrollen bei Zulieferfirmen. Dabei seien 23 Arbeiter entdeckt worden, die bei ihrer Einstellung noch nicht 16 Jahre alt waren. (pst/ame/sda)

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