Schutz des Präsidenten: «Bei Obama gibt es eine erhöhte Bedrohung»
Aktualisiert

Schutz des Präsidenten«Bei Obama gibt es eine erhöhte Bedrohung»

Mit der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten erwartet den Secret Service mehr Arbeit. Obama sei stärker bedroht, weil er schwarz ist, sagt ein Personenschützer mit internationaler Erfahrung.

Erstmals zieht ein Schwarzer ins Weisse Haus ein: Was viele als historischen Tag feiern, dürfte nicht bei allen Freude auslösen. Der Schatten von John F. Kennedy, Martin Luther King oder Robert Kennedy liegt auf Barack Obama. Radikale Weisse könnten den ersten schwarzen Präsidenten der USA ermorden, so die Befürchtung vor allem der afroamerikanischen Gemeinschaft.

Ende Februar tauchten Morddrohungen von Fanatikern auf. Ende Oktober verhafteten die Behörden zwei junge Neonazis, die offenbar davon träumten, Obama zu töten. Dass der designierte Präsident Obama tatsächlich gefährdet sein könnte, glaubt auch ein Zürcher Personenschützer mit internationaler Erfahrung, der lieber anonym bleiben will: «Bei Obama gibt es eine erhöhte Bedrohung.» Der Weisse John McCain wäre als Präsident nicht gleich stark gefährdet gewesen.

Vier Präsidenten ermordet

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nie, sagt der Personenschützer: «Es ist immer die Frage, wieviel Elan und wieviele Mittel nötig sind.» In der amerikanischen Geschichte sind bisher vier Präsidenten Opfer eines Mordanschlags geworden. Politisch motiviert war das Attentat auf Abraham Lincoln: Kurz vor Ende des amerikanischen Bürgerkriegs schoss ein Sympathisant der Südstaaten am 14. April 1865 den damaligen Präsidenten in einem Theater in Washington an. Am nächsten Tag starb er. Letztes Opfer eines tödlichen Anschlags wurde Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963. Der Schütze Lee Harvey Oswald wurde danach selbst erschossen, so dass die Motive des Attentats nicht geklärt werden konnten. Um die Ermordungs Kennedys ranken sich deshalb bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien.

Diese Verschwörungstheorien erstrecken sich auch auf zwei Morde, die sich 1968 ereigneten. Am 4. April erschoss ein bekennender Rassist den Schwarzenführer Martin Luther King in Memphis. Nur zwei Monate später starb Robert F. Kennedy an den Verletzungen eines Attentats in Los Angeles. Der Bruder von John F. Kennedy bewarb sich zu dieser Zeit um das Amt als Präsidentschaftskandidat der Demokraten.

Schutz der Präsidentschaftskandidaten

Als Folge der Ermordung Robert F. Kennedys begann der US Secret Service (USSS), der den Präsidenten und dessen Familie beschützt, auch die Präsidentschaftskandidaten zu schützen. Obama nahm diesen Schutz bereits vor 18 Monaten in Anspruch — unter dem Codenamen «Renegade». Der Schutz soll laut Medienberichten 44 000 Dollar täglich gekostet haben. Sein Konkurrent um das Präsidentenamt, McCain, nahm erst vor einem halben Jahr den Schutz des Secret Service in Anspruch. Hillary Clinton, die sich wie Obama für die demokratische Kandidatur bewarb, geniesst als ehemalige First Lady sowieso den Schutz des USSS. Während bisher alle ehemaligen Präsidenten lebenslang staatlich beschützt wurden, kommt der abtretende Präsident George W. Bush nicht mehr in den Genuss dieses Privilegs. Nach einer Gesetzesänderung 1997 beschützt der USSS ehemalige Präsidenten nur noch während zehn Jahren.

(mdr)

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