Schulkosten: Bei schlechtem Deutsch sollen Eltern bezahlen
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SchulkostenBei schlechtem Deutsch sollen Eltern bezahlen

Die Schule soll nicht mehr in jedem Fall kostenlos sein. Dafür will der Kanton Thurgau die Bundesverfassung ändern.

von
chk
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Je nach Kanton sieht die Lösung anders aus, wie fremdsprachige Kinder im Vorschulalter Deutsch lernen können: Kindergärtler beim Spielen. (Archivbild)

Je nach Kanton sieht die Lösung anders aus, wie fremdsprachige Kinder im Vorschulalter Deutsch lernen können: Kindergärtler beim Spielen. (Archivbild)

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Der Volksschulunterricht soll unentgeltlich sein, schreibt die Verfassung vor.

Der Volksschulunterricht soll unentgeltlich sein, schreibt die Verfassung vor.

Keystone/Christian Beutler
Das will der Kanton Thurgau nun mit einer Standesinitiative ändern.

Das will der Kanton Thurgau nun mit einer Standesinitiative ändern.

Keystone/Christian Beutler

Die Vorgabe ist unmissverständlich: Der Volksschulunterricht muss unentgeltlich sein, heisst es in Artikel 19 der Bundesverfassung. Diese Bestimmung will der Kanton Thurgau nun für schlecht integrierte Kinder ändern – und entfacht damit zum zweiten Mal innert weniger Jahre einen Bildungsstreit, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Nach dem Aufruhr um das Frühfranzösisch sollen jetzt fremdsprachige Eltern für den Deutschunterricht ihrer Kindergartenkinder bezahlen müssen, wenn sie deren vorschulische Sprachförderung verpasst haben.

Anliegen in Bern nicht abgestützt

Das Thurgauer Parlament hat die Regierung mit einer Standesinitiative beauftragt, die diese Forderung nach Bundesbern trägt. Mit dieser Massnahme wolle man Ausländer nicht generell abstrafen, sondern vermeidbare und folgenschwere Sprachdefizite der Kinder beheben, sagt Schulleiter und SVP-Kantonsrat Andreas Schrepfer.

Im Thurgau ist das Anliegen breit abgestützt – im Bundeshaus nicht, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. Zwar sehen alle Lager Handlungsbedarf wegen der schlechten Deutschkenntnisse vieler Kinder. Doch eine Verfassungsänderung hält ausser der SVP keine Partei für angezeigt. «Es wäre bestimmt einfacher für den Thurgau, sich daran zu orientieren, wie andere Kantone in ihren Volksschulgesetzen mit dem Problem umgehen», sagt CVP-Bildungspolitikerin Andrea Gmür. Als Vorbild gilt Basel-Stadt.

Dort besteht für förderbedürftige Kinder ein «selektives Obligatorium» für Sprachspielgruppen. LDP-Nationalrat Christoph Eymann hatte es als Bildungsdirektor initiiert. Er fordert nun, dass sich der Bund an solchen Massnahmen beteiligt.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

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