10.09.2020 14:58

«Switzerländers»«Bei schönem Wetter gibt es kein Halten für mich»

Hannes Köppel ist seit jeher im Rheintal zu Hause. Im hohen Alter aber zieht es ihn ins Warme, nämlich nach Boracay auf den Philippinen.

von
Noah Zygmont

Das ist Hannes' «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)

Wir treffen den 80-jährigen Hannes Köppel in einem angesagten Gartenrestaurant in Widnau, gleich neben der Grenze. Mit lässigem Shirt, kurzer Hose und Slippern sitzt Hannes da. Sein Bier stellt er hinter der Speisekarte in den Schatten, damit es kühl bleibt. Seine Frisur gleicht jener von Thomas Gottschalk. Eine coole Sonnenbrille auf der Nase und mit einem Schreibblock vor sich sitzt er in der prallen Sonne.

«Wenn ich in den Ausgang gehe, dann hierher, und natürlich sitze ich nur in der Sonne.» Man müsse Glück haben, dass man bei solch gutem Wetter überhaupt einen Platz bekomme. Ausserdem sei er der Älteste im Lokal. Normalerweise kämen nur Leute zwischen 20 und 50 Jahren hierher.

Hannes ist ein Vollblut-Sommerkind. «Ich will jede Sonnenminute geniessen und so viel Energie tanken wie nur möglich», sagt er. Für ihn sei das Wetter in der Schweiz mässig angenehm. Immer wieder fliehe er im Winter in die Wärme. Die Philippinen, Sri Lanka, Malaysia, Kuba: Das sind nur ein paar der Sonnenorte, die er bereits besucht hat.

«Auch wenn ich bereits 80 Jahre alt bin, kann ich mir sehr gut vorstellen, nach Boracay auf den Philippinen auszuwandern.» Hannes hat zwei Söhne und drei Enkel. Und eine Frau, die findet, in seinem Alter müsse er nicht mehr auswandern.

«Boracay ist meine zweite Heimat»

Doch ein Freund hat ihm vor einigen Jahren Boracay gezeigt, um dort die Jahrhundertwende zu feiern. Als er seine Füsse das erste Mal in den Sand gesteckt habe, sei es um ihn geschehen gewesen: «Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich wollte nichts anderes mehr als Sonne, Strand und hohe Temperaturen.» Seit 1999 ist Hannes insgesamt ungefähr sieben Jahre dort gewesen. Eigentlich sei Boracay seine Heimat, «aber das darf ich ja nicht zu laut sagen».

Seit Hannes klein war, lebt er in Widnau, nahe der Grenze zu Österreich. Das Dorf liegt im Rheintal und bietet Attraktionen, die die restliche Schweiz gar nicht richtig wahrnehme. «Erst kürzlich habe ich mir ein Touristenmagazin angeschaut und fand tatsächlich keine Sehenswürdigkeit im Rheintal. Gibts denn so was?» Allein schon der Alte Rhein sei eine Attraktion für sich. Zudem biete das Gebiet viele Shoppingmöglichkeiten, und überhaupt sei Widnau mit seiner «Stangenstrasse» einen Besuch wert.

Switzerländers - Videoaufruf

Switzerländers - Videoaufruf
(Video: M. Täuber / T. El Sayed)

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Auch am Bodensee ist man in wenigen Minuten. Um sich fit zu halten, geht Hannes einmal wöchentlich mit seiner Clique auf eine Fahrradtour: «Auf dem Velo fühle ich mich frei, und bei schönem Wetter gibt es sowieso kein Halten für mich», sagt Hannes lachend. Er pflegt seinen eigenen Garten, in dem er täglich mehrere Stunden verbringt, mit viel Liebe zum Detail. Seit 47 Jahren leben Hannes und seine Frau im selben Haus. Und auch davor lebten sie ganz in der Nähe: «Wir zogen sozusagen vom Unterdorf ins Oberdorf von Widnau.»

Er sei ein Dorforiginal, erzählt Hannes: «Ich setze mich für Widnau und Gerechtigkeit für die Bevölkerung ein. Man kennt mich als Kämpfer. Vom Sternzeichen her bin ich ein Löwe, deshalb brauche ich diese Aufmerksamkeit.» Während unseres Gesprächs wird er ungefähr alle fünf Minuten von jemanden gegrüsst. «Hopp» oder «Hoi» sagen die Leute hier.

«Ich nerve mich eigentlich für die Katz»

Widnau und das Rheintal würden voller Überraschungen stecken, erzählt Hannes. Die Politik mache, was sie wolle: «Jetzt will man die Abflussmenge des Rheins erhöhen und somit den Fluss langsamer machen. Dadurch würde enorm viel Land der Bauern verschwinden, nur um eine allfällige Überschwemmung in 300 Jahren zu vermeiden. Ich habe so viele Leserbriefe gegen das Projekt gelesen und frage mich, weshalb man dies nun trotzdem umsetzt.» Das Projekt sei bereits bewilligt, die Umsetzung eine Frage der Zeit. «Wahrscheinlich erlebe ich das gar nicht mehr. Ich nerve mich eigentlich für die Katz», sagt Hannes.

Auf die Frage, was er sich wünsche, antwortet Hannes cool: «Ich hätte gern zwei Millionen Franken. Eine würde ich meiner Frau geben, die andere würde ich behalten.» So wäre er morgen am Flughafen und würde nach Boracay auswandern.

Als Hannes Köppel von «Switzerländers» hörte, überlegte er nicht lange. Er wollte seine Sicht auf sein Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «seine Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!

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