Omikron-Wand – «Bei sehr hohen Infektionszahlen sind die Kinder am stärksten betroffen»
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Omikron-Wand«Bei sehr hohen Infektionszahlen sind die Kinder am stärksten betroffen»

Die USA und Grossbritannien weisen alarmierende Hospitalisationszahlen bei Kindern aus. Auch Infektiologin Julia Bielicki befürchtet in Omikron eine Bedrohung für Kinder – jedoch nicht nur auf klinischer Ebene.

von
Christina Pirskanen
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Julia Bielicki, leitende Ärztin der Pädiatrie und Infektiologie am UKBB: «Omikron ist nicht gefährlicher für Kinder als Delta.» Trotzdem könne die Omikron-Welle Kinder schwer treffen.  

Julia Bielicki, leitende Ärztin der Pädiatrie und Infektiologie am UKBB: «Omikron ist nicht gefährlicher für Kinder als Delta.» Trotzdem könne die Omikron-Welle Kinder schwer treffen.

Universitätskinderspital beider Basel
Die Hospitalisierungsrate bei Kindern in New York habe sich im Dezember vervierfacht. Auch in Grossbritannien hat sich die Zahl der Spitaleinweisungen bei Kindern stark gesteigert: Innerhalb der letzten Dezemberwoche verdoppelte sich die Zahl auf 525 hospitalisierte Kleinkinder.

Die Hospitalisierungsrate bei Kindern in New York habe sich im Dezember vervierfacht. Auch in Grossbritannien hat sich die Zahl der Spitaleinweisungen bei Kindern stark gesteigert: Innerhalb der letzten Dezemberwoche verdoppelte sich die Zahl auf 525 hospitalisierte Kleinkinder.

AFP
In der Schweiz lässt sich eine erhöhte Hospitalisierung bislang nicht erkennen. Die Covid-Task-Force warnte jedoch an einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Kinder womöglich stärker von Omikron betroffen sein könnten. Dies zeigt zumindest eine Studie aus Südafrika.

In der Schweiz lässt sich eine erhöhte Hospitalisierung bislang nicht erkennen. Die Covid-Task-Force warnte jedoch an einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Kinder womöglich stärker von Omikron betroffen sein könnten. Dies zeigt zumindest eine Studie aus Südafrika.

kostas maros/ TAMEDIA AG

Darum gehts

  • In den USA und in Grossbritannien haben die Hospitalisierungen von Kindern und Jugendlichen im Dezember stark zugenommen.

  • In der Schweiz verhalten sich die Hospitalisationen von unter 19-Jährigen noch stabil.

  • Eine Infektiologin erklärt, was dahintersteckt und wieso sie trotzdem in Omikron eine Bedrohung für Kinder sieht.

In New York und Grossbritannien explodieren die Zahlen an hospitalisierten Kindern und Jugendlichen. In der Schweiz machen sich die vielen Omikron-Fälle in den Kinderspitälern bislang noch nicht bemerkbar – die Lage werde aber sorgfältig beobachtet, sagen mehrere Kinderspitäler auf Anfrage von 20 Minuten.

An einer Pressekonferenz des Bundes am Dienstag warnten Task-Force-Mitglieder davor, dass Kinder stärker von Omikron betroffen sein könnten und verwiesen auf eine Studie aus Südafrika. Auch Julia Bielicki, leitende Ärztin der Pädiatrie und Infektiologie am Universitäts-Kinderspital beider Basel, hat Bedenken über die Auswirkungen von Omikron auf Kinder – jedoch nicht aus klinisch-medizinischer Sicht, wie sie in einem Interview mit 20 Minuten erklärt.

Frau Bielicki, erwartet uns ein ähnliches Szenario in der Schweiz, wie es nun in den USA und Grossbritannien eingetroffen ist?

Theoretisch ist das natürlich möglich. Aber man muss auch beachten, dass die Hospitalisationsraten sehr stark durch die Struktur des Gesundheitssystems beeinflusst werden. Somit ist ein Vergleich zwischen der Schweiz und den USA oder Grossbritannien schwierig – die Gesundheitssysteme unterscheiden sich stark.

Grossbritannien hat beispielsweise keine Kinderärzte in der Direktversorgung, sondern General Practitioners, sogenannte GPs. In den USA hingegen gibt es einen relevanten Anteil der Bevölkerung, der nicht versichert ist, und somit eine Spitalbehandlung selbst zahlen müsste. So ist es möglich, dass erkrankte Kinder erst viel später und mit schlechterem Zustand ins Spital eingewiesen werden.

Gibt es eine Erklärung für diesen Anstieg der Hospitalisationen bei Kindern?

Die Hospitalisationsrate in der Schweiz steigt nicht – das Ganze muss epidemiologisch gedeutet werden. Die absolute Zahl an Hospitalisierungen steigt, ja. Aber der proportionale Anteil ist entscheidend – und dieser zeigt, dass wohl sogar weniger Kinder hospitalisiert werden.

Sieht man sich die Schweizer Zahlen der Woche vom 18. Oktober 2021 an, vor Omikron, so gab es rund 1900 Infektionsfälle bei 0- bis 19-Jährigen. Daraus resultierten vier Hospitalisationen – hochgerechnet entspricht dies zwei von 1000 infizierten Kindern. Für die Woche vom 6. Dezember 2021 verzeichnete das Bundesamt für Gesundheit rund 20’000 Fälle bei unter 19-Jährigen – 17 Kinder mussten hospitalisiert werden. Rechnet man dies wiederum hoch, so musste weniger als ein Kind von 1000 hospitalisiert werden.

Gibt es Anhaltspunkte, dass Omikron für Kinder bedenklicher ist?

Da muss man unterscheiden, was denn die Bedenklichkeit ist. Die Daten, die ich kenne, geben keinen Hinweis darauf, dass Omikron gefährlicher ist als Delta – eher im Gegenteil. Wenn es aber zu sehr hohen Infektionszahlen kommt und sich viele Kinder anstecken, dann fokussiert sich die Sachlage auf die Kinder. In diesem Sinne stütze ich die kürzliche Einschätzung der Task-Force.

Medizinisch ist Omikron somit nicht unbedingt gefährlicher, aber Kinder werden wohl die am meisten betroffene Gruppe sein. Einerseits direkt, weil sie eine tiefere Impfquote haben, aber auch indirekt, weil sie in der Schule, bei Vereinstätigkeiten und Freunden unter schärferen Massnahmen leiden werden. In dieser Phase kann es zu einer grossen Belastung für Kinder, aber auch Eltern und Gesundheitsversorger, kommen.

Wie wichtig ist es, seine Kinder jetzt gegen Corona zu impfen?

Es ist seit Omikron nicht wichtiger oder weniger wichtig geworden – es ist genauso wie die Eidgenössische Kommission für Impffragen es empfiehlt. Wenn man sein Kind impfen möchte, dann soll man das auch machen. Persönlich finde ich diese Massnahme am sinnvollsten, um den Kindern eine gewisse Normalität zurückgeben zu können.

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