Publiziert

O du fröhliche!Bei Spar ist seit dem 31. August Weihnachten

Der Sommer ist kaum vorbei, da liegen beim Lebensmittelhändler Spar schon die Samichlaus-Lebkuchen in den Regalen. Das stimmt nicht alle besinnlich.

von
sul/jen
1 / 4
Spätsommerliche Weihnachten: Ein Spar-Mitarbeiter räumt eine neue Ladung Samichlaus-Lebkuchen ein.

Spätsommerliche Weihnachten: Ein Spar-Mitarbeiter räumt eine neue Ladung Samichlaus-Lebkuchen ein.

SUL
Leser-Reporter Michel S. war überrascht, als er Ende August auf das vorweihnächtliche Gebäck in einem Spar-Supermarkt in Basel stiess.

Leser-Reporter Michel S. war überrascht, als er Ende August auf das vorweihnächtliche Gebäck in einem Spar-Supermarkt in Basel stiess.

Leser-Reporter/Michel Simon
Die ersten Weihnachtsbackwaren seien «aufgrund vielfacher Nachfrage» bereits jetzt im Sortiment, sagt Spar-Sprecherin Silvia Manser. «Viele Kunden warten auf diese Produkte.»

Die ersten Weihnachtsbackwaren seien «aufgrund vielfacher Nachfrage» bereits jetzt im Sortiment, sagt Spar-Sprecherin Silvia Manser. «Viele Kunden warten auf diese Produkte.»

Michel S.* (27) aus Basel rieb sich verdutzt die Augen, als er am 31. August den Spar in der Steinenvorstadt in Basel betrat: «Ich sah einen Korb voller Lebkuchen mit Samichlaus-Motiven darauf.» Ob der Aktion habe er nur den Kopf schütteln können. «Es ist doch völlig unnötig, bereits Ende August Weihnachtsartikel ins Sortiment zu nehmen.»

Der Lebensmittelhändler widerspricht. Die ersten Weihnachtsbackwaren seien «aufgrund vielfacher Nachfrage» bereits jetzt im Sortiment, sagt Spar-Sprecherin Silvia Manser. «Viele Kunden warten auf diese Produkte.» Auch in den vergangenen Jahren habe man Lebkuchen und Weihnachtsschokoladen ab Anfang September angeboten. Weitere Weihnachtsartikel kämen Ende Monat in den Verkauf.

Der Eindruck täuscht

Auch bei Coop sind bereits «erste Herbstleckereien» wie Lebkuchen, Magenbrot oder Mässmögge zu finden. «Die Verkaufszahlen zeigen, dass es ein Kundenbedürfnis gibt und die Nachfrage stimmt», pflichtet Sprecherin Yvette Petillon bei. Mitte Oktober würden dann die ersten Vor-Adventsartikel wie Schoggichläuse, Weihnachtsguetsli oder Marron glacé folgen.

Der Eindruck, dass sich der Verkaufsstart von Weihnachtsartikeln immer weiter vorverlege, entstehe offenbar jedes Jahr aufs Neue. «Tatsächlich starten wir jedoch keinen Tag früher und keinen Tag später als noch vor fünf oder zehn Jahren», stellt Petillon klar. Wichtig sei letzten Endes die Wahlfreiheit. «Wer früh Weihnachtsspezialitäten kaufen möchte, kann das bei uns tun. Wer sich erst später eindecken will, wartet», so die Coop-Sprecherin.

Sehnsucht nach dem Winter

Denner steigt ebenfalls Anfang September auf den vorweihnächtlichen Zug auf. «Herbstspezialitäten wie Lebkuchen oder Pfefferkuchen kommen bei den Konsumenten sehr gut an, da sie den Auftakt machen in die kältere Jahreszeit, die von vielen Kunden herbeigesehnt wird», erklärt Sprecher Thomas Kaderli.

Nicht ganz so eilig mit den Weihnachtsgebäcken hat es Lidl. «Wir werden die ersten Produkte erst Mitte Oktober in die Ladenregale bringen», lässt Sprecherin Corina Milz verlauten. Dabei handle es sich etwa um Chläuse, Lebkuchen und Adventskalender. Danach werde das Sortiment fortlaufend erweitert. Wie Coop bestreitet auch Lidl, dass Weihnachtsartikel immer früher verkauft werden. «Wir sind dieses Jahr nur drei Tage früher dran als im Vorjahr», so Milz.

Umfrage: Mehrheit gegen Spätsommer-Lebkuchen

Aldi will «aus geschäftspolitischen Gründen» keine Auskunft zum Start des Weihnachtsverkaufs geben, heisst es auf Anfrage. Und auch die Migros hält sich bedeckt. «Wir werden unsere Kundinnen und Kunden wie jedes Jahr zum geeigneten Zeitpunkt mit unserem Weihnachtssortiment überaschen», lässt die Medienstelle verlauten.

Trotz angeblicher Nachfrage in den Supermärkten: Mit seinem Ärger über die spätsommerlichen Weihnachtsartikel ist Leser-Reporter S. nicht allein. 2014 führte 20 Minuten eine nicht repräsentative Umfrage unter mehr als 7300 Lesern durch. 74 Prozent wünschten sich, dass Lebkuchen, Guetsli und Weihnachtsschokoladen nicht vor November in den Regalen landen. Immerhin 14 Prozent sehnten sich gar nach einem Gesetz, das reguliert, ab wann in Geschäften die Weihnachtsartikel in den Verkauf kommen.

*Name der Redaktion bekannt

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.