Bei Tempo 50 darf man nicht immer 50 fahren
Aktualisiert

Bei Tempo 50 darf man nicht immer 50 fahren

Das Bundesgericht hat die Verurteilung eines Autolenkers bestätigt, dem ein achtjähriges Mädchen vor den Wagen gerannt ist. In Wohnquartieren darf das Tempo nicht immer ausgefahren werden.

Der Fahrer des Jeep Cherokee war im Mai 2002 auf der Uetlibergstrasse in Urdorf ZH unterwegs gewesen. Er fuhr nahe am rechten Rand, seine Geschwindigkeit lag drei Stundenkilometer über dem signalisierten Tempolimit von 50 km/h. Plötzlich rannte von rechts ein achtjähriges Mädchen auf die Strasse.

Fahrlässige schwere Körperverletzung

Das Kind wurde vom Wagen erfasst und schwer verletzt. Das Zürcher Obergericht verurteilte den Fahrer im vergangenen Dezember wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis bedingt. Zudem legte es fest, dass er für die Unfallfolgen zu 100 Prozent hafte.

Das Bundesgericht hat diesen Entscheid nun bestätigt und die Beschwerde des Fahrers abgewiesen. Er hatte argumentiert, dass seine Geschwindigkeit nicht übersetzt gewesen sei. Er habe den Unfall weder vorhersehen können, noch mit einem Kind rechnen müssen. Das Mädchen habe den Unfall überwiegend selber verschuldet.

Die Lausanner Richter erinnern in ihrem Urteil daran, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht unter allen Umständen ausgefahren werden darf. Vielmehr sei das Tempo stets den konkreten Verhältnissen anzupassen. Das sei hier nicht der Fall gewesen.

Unfall auch mit Tempo 30

Die fragliche Strasse sei eine von Einfamilienhäusern gesäumte Quartierstrasse. Die Hauseinfahrten auf der rechten Seite seien wegen Büschen und Sträuchern nur schlecht einsehbar und nicht durch ein Trottoir abgegrenzt gewesen. Weiter sei der Lenker wegen eines vorangegangenen Kreuzungsmanövers nahe am rechten Rand gefahren.

Unter diesen Umständen müsse seine Fahrweise als sorgfaltswidrig gelten. Zwar wäre es möglicherweise auch bei Tempo 30 zum Unfall gekommen. Dann aber wären die Verletzungen wahrscheinlich weniger gravierend gewesen. Das Mädchen selber treffe keine Schuld, da es die unübersichtliche Situation nicht habe beurteilen können.

(6S.107/2007 vom 11.6.2007; keine BGE-Publikation)

(sda)

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