Talk mit Preisüberwacher Stefan Meierhans: «Bei uns in der Schweiz sind die Margen der Tankstellen am höchsten in Europa»

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Talk mit Preisüberwacher Stefan Meierhans«Bei uns in der Schweiz sind die Margen der Tankstellen am höchsten in Europa»

Zocken die Tankstellen die Autofahrer ab? Preisüberwacher Stefan Meierhans hat am Donnerstagmittag Fragen der Community beantwortet und sagt, warum auch er sich über die Zapfsäulen-Betreiber ärgert.

von
Fabian Pöschl
Sandro Spaeth

Das Interview mit Preisüberwacher Stefan Meierhans in voller Länge.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die Community konnte Preisüberwacher Stefan Meierhans am Donnerstag Fragen stellen.

  • Er kam im Rahmen der Reihe «Live aus dem Chefbüro» ins Studio von 20 Minuten.

  • Die wichtigsten Fragen und Antworten siehst du hier in den Videos.

Die Preisteuerung beim Benzin, Gas und Strom ärgert auch Preisüberwacher Stefan Meierhans. Ist sie gerecht  oder nutzen jetzt viele Firmen die Situation aus? Und was unternimmt Meierhans dagegen? 20 Minuten traf ihn zum Talk.

Im Rahmen der Reihe «Live aus dem Chefbüro» kam Meierhans ins Studio von 20 Minuten. Dort beantwortete er die Fragen der 20-Minuten-Community.

Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Livechat siehst du hier in den Videos:

«Die hohen Benzinpreise ärgern mich auch»

Thomas fragt, wie es sein könne, dass die Erdölkonzerne Milliardengewinne erzielten, während die Autofahrerinnen und Autofahrer immer mehr zahlen müssten. Preisüberwacher Stefan Meierhans sagt: «Das ärgert mich auch. Verhandlungen laufen. Bei uns und in Skandinavien sind die Margen der Tankstellen am höchsten in Europa. Ich habe eine Benzinpreis-App vorgeschlagen, um den Wettbewerb spielen zu lassen. Das braucht aber Zeit.»

«Wir brauchen nationale Transparenz beim Benzinpreis»

Markus fragt, warum der Benzinpreis im Kanton Zug fast überall gleich hoch sei, aber im Kanton Schwyz nicht. Meierhans sagt: «Abschauen ist erlaubt, nur Absprechen nicht. Wenn keiner ausschert, ist die Preisbewegung viel schwerfälliger. Deshalb braucht es Wettbewerbsdruck durch nationale Transparenz mit der Benzinpreis-App.»

«Ein Gerichtsprozess zu den ÖV-Preisen würde 10 Jahre dauern»

Leon fragt, was der Preisüberwacher gegen die hohen ÖV-Preise unternehme. Meierhans sagt: «Da bin ich ständig in Diskussionen und konnte schon mehrere Millionen sparen. Die Branche ist viel zu langsam mit neuen Angeboten. Wenn ich vor Gericht ginge, würde es zehn Jahre dauern, deshalb setze ich auf Gespräche.»

«Ich befürchte, dass nun Trittbrettfahrer die Preise erhöhen»

Stefan fragt, ob es Anzeichen gebe, dass Firmen unter dem Vorwand der Inflation die Preise übermässig erhöhten. «Solche Trittbrettfahrer sind auch meine Befürchtung. Ich habe den Verdacht, dass es die gibt. Ich habe die Ressourcen aber noch nicht, um dagegen vorgehen zu können. Deshalb bin ich froh um Hinweise aus der Community.»

«Der Strom wird für viele massiv teurer»

Sebastiano fragt, ob eine Strompreiserhöhung um das Doppelte gerechtfertigt sei. Meierhans sagt: «Für viele wird der Strom massiv teurer. Bei vielen schlägt der internationale Strompreis voll durch. Aber eine Verdopplung ist sehr happig. Die Regulierungsbehörde Elcom prüft derzeit die Tarife. Ich empfehle Sebastiano, bei Elcom eine Meldung zu machen, damit es geprüft wird.»

«Hohe Fleischpreise sind das Resultat unserer Landwirtschaftspolitik»

Rolf fragt, ob es ein Döner-Kartell gebe, weil die alle fast überall gleich viel kosteten. Meierhans sagt: «Ich habe das noch nie untersucht. Aber wir haben massiv höhere Fleischpreise als im Ausland, das ist das Ergebnis unserer Landwirtschaftspolitik. Aber ich respektiere die politischen Entscheidungen, die Mehrheit hat in der Schweiz immer recht.»

«Wir dürfen uns von den Pharmafirmen nicht erpressen lassen»

Beat fragt, warum die Medikamente so viel teurer in der Schweiz seien. «Wir konnten die Medikamentenpreise schon um Hunderte Millionen Franken senken. Wir dürfen uns von den Pharmafirmen nicht erpressen lassen. Aber die Industrie hat einen sehr grossen Einfluss bis ins Bundeshaus.»

Vom Microsoft-Berater zum Preisüberwacher

Stefan Meierhans (53) ist seit 2008 der Eidgenössische Preisüberwacher. Zuvor war er unter anderem im Stab des Vorstehers des Eidgenössischen Justiz- und Polizedepartements tätig und beriet den IT-Riesen Microsoft in politischen Angelegenheiten. Meierhans studierte Rechtswissenschaften an Unis in Basel, im norwegischen Oslo und im schwedischen Uppsala. Meierhans ist mit Béatrice Wertli verheiratet und hat zwei Kinder.

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