Töffraser von St. Gallen: «Bei Verfolgungen kann sich Hass entwickeln»
Aktualisiert

Töffraser von St. Gallen«Bei Verfolgungen kann sich Hass entwickeln»

Ein Video zeigt, wie zwei Polizisten einen rücksichtslosen Töff-Raser mit Beleidigungen und Schlägen traktieren. Psychologen erklären, was die Beamten in diesem Moment durchmachen.

von
Jeroen Heijers

Das Video zeigt die rasante Fahrt des Töfffahrers und seine Verhaftung. Kurz nach Minute 14:40 kommt er zu Fall (Youtube/Cyber Styler).

Das Youtube-Video eines Töff-Rasers, das die rustikale Verhaftung des 41-Jährigen durch zwei Polizisten zeigt, wirft hohe Wellen. Der Film wurde im Laufe des Dienstags tausendfach angeklickt. Das Video lässt nicht nur den Raser selbst, sondern auch die Polizei schlecht aussehen: Die Beamten schlagen und beleidigen den Töfffahrer, der seinerseits ausfällig wird.

Für den Polizeipsychologen der Kantonspolizei Graubünden ist dies ein absolutes No-Go: «Dass die Polizisten dermassen überreagiert haben, verbal wie physisch, darf nicht passieren», so Christian Weidkuhn. Er fügt aber an, dass Polizisten einem enormen Druck ausgesetzt sind. Gerade Verfolgungsjagden würden hohe Anforderungen an die Polizisten stellen.

«Das Herz rast, man schwitzt, bekommt langsam einen Tunnelblick und muss doch gleichzeitig auf den Verkehr achten und den Funk abhören», sagt Weidkuhn. Zwischendurch komme oft auch der Gedanke auf, ob man diese Verfolgung heil überstehe. «Je länger und gefährlicher eine solche Verfolgungsfahrt wird, desto eher kann es passieren, dass sich die Beamten in die Situation hineinsteigern und einen gewissen Hass oder Wut auf den Flüchtigen entwickeln», sagt Weidkuhn.

«Polizisten sind keine Maschinen»

Dem stimmt auch der ehemalige Polizeipsychologe Reinhard Felix-Lustenberger aus dem luzernischen Sursee zu. «Das Ziel der Polizisten ist es, den Flüchtigen möglichst schnell dingfest zu machen. Dies geht in den wenigsten Fällen auf freundliche Art und Weise. Da kann es schon einmal zu Überreaktionen kommen», sagt Felix-Lustenberger.

Max Hofmann, Generalsekretär des Verbandes der Schweizerischen Polizei-Beamten, fügt an, dass Polizisten auch nur Menschen sind. «Es sind keine Maschinen. Ihnen passieren Fehler, wie sie jeder andere Mensch auch macht», sagt Hofmann. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass man solche Vorfälle wie in St. Gallen als Lehrmittel nutzt. «Man kann aus solchen Fehlern lernen», so Hofmann.

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