Bruchlandung: Bei Xamax steht die Uhr auf 5 vor 12
Aktualisiert

BruchlandungBei Xamax steht die Uhr auf 5 vor 12

Neuchâtel Xamax schlittert immer weiter in die Krise. Im Cup schieden die Neuenburger gegen einen Unterklassigen sang- und klanglos aus, und das Sommer-Chaos in der sportlichen Leitung beginnt sich auszuwirken.

Für Xamax wäre es eine gute Möglichkeit gewesen, sich im Cup die gute Laune und Ambitionen für die schwere Rückrunde zu holen. Mit einer emotionslosen Einstellung und einer gelangweilten Darbietung gab es vom im Mittelfeld platzierten Challenge-Ligisten Concordia Basel aber eine 0:4-Ohrfeige. Die Mannschaft zeigte dabei, dass sie nicht homogen ist, dass sie nicht kompakt auftreten kann, und dass sie schon bei wenigen verletzungsbedingten Ausfällen der Leistungsträger völlig die Orientierung verliert.

Sportchef Geiger in der Kritik

Kritikpunkte also, die sich in erster Linie um die Kaderzusammenstellung ranken. Wie bereits berichtet, lud Xamax bereits im Sommer nicht weniger als 18 Testspieler gleichzeitig ein und liess diese auch Testspiele bestreiten. Trainer Clausen war dagegen. Dann hatte Clausen zwei Wunschkandidaten als Verstärkungen im Sinn, doch nun war Geiger dagegen.

Dann holte Geiger viele Spieler - zu viele Spieler - und Clausen schüttelte erneut nur mit dem Kopf. Während der Saison legte Geiger nochmal nach und transferierte Beträge von insgesamt über 1 Mio. Franken ins Ausland. Zumindest den Vorwurf, plan- und konzeptlos gehandelt zu haben, muss sich Geiger gefallen lassen; und intern sicherlich noch deutlich unangenehmere Fragen beantworten.

Die Position des Trainers

Nestor Clausen als Trainer besitzt vor allem bei den Fans weiterhin noch viel Kredit. Nach dem Cup-Match war er bei den Fans und entschuldigte sich mit den Worten «Was wir heute gezeigt haben, war beschämend.» Zum Spiel selbst nahm Clausen aber keine Stellung mehr. Er stieg schnurstracks in sein Auto und brauste unmittelbar nach dem Schlusspfiff davon.

War dies wieder einmal ein Rücktritt, wie schon im Oktober und davor in Sion? «Nein, war es nicht», sagte Clausen am Nachtag am Telefon: «Ich weiss im Moment nicht genau, bis zu welchem Punkt ich da die Verantwortung trage, aber wir müssen jetzt schnell den Frust beiseite schieben und genau analysieren. Vielleicht werde ich einige Änderungen vornehmen, aber wir kommen da nur als Mannschaft heraus.»

Die Mannschaft ohne Kopf und Herz

Doch die Mannschaft selbst scheint nicht in der Lage hierfür zu sein: Nach dem Treffer zum 0:1 warf sie der Rückstand völlig aus der Bahn. «Wie Schulbuben liefen wir umher und bettelten förmlich um die weiteren Gegentore», analysierte Goalietrainer Florent Delay nach dem Schlusspfiff.

Fest steht, dass der Kader zwar breit ist, aber nur selten auf Super-League-Niveau spielt. Dazu kommt eine emotionale und charakterliche Desorientierung. Ein wenig Gegenwind oder ein Rückschlag durch einen Gegentreffer und das Team zerfällt in seine elf Einzelteile. Die Fans im Stadion sangen jedenfalls «Laissez-nous jouer!» – Lasst uns spielen!

Joel Corminboeuf, ehemaliger Schweizer Nati-Torhüter und aktuell in der Trainerausbildung zum Pro-Diplom, sagte noch im Stadion: «Der Spielausgang ist logisch. Zu viele Spieler haben nicht das Niveau» - und dies in einem Match gegen den Elften der Challenge League.

(gwl)

Deine Meinung