Weshalb werden Männer zu Exhibitionisten?

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Kanton St. GallenBeide Exhibitionisten waren schon wegen Verkehrsdelikten verurteilt

Gleich zwei Männer wurden wegen Exhibitionismus verurteilt. Ein Mann (57) entblösste sich gleich dreimal vor seinem Fenster und belästigte eine junge Frau. Der zweite Beschuldigte (25) belästigte eine Frau in einer Tiefgarage.

von
Seline Bietenhard
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Ein 54-Jähriger entblösste sich gleich dreimal innert weniger Monate vor einer jungen Frau. Jedes Mal stand er dabei vor seinem Fenster. Er wurde nun per Strafbefehl verurteilt. (Symbolbild)

Ein 54-Jähriger entblösste sich gleich dreimal innert weniger Monate vor einer jungen Frau. Jedes Mal stand er dabei vor seinem Fenster. Er wurde nun per Strafbefehl verurteilt. (Symbolbild)

Pixabay/Tumisu
Auch ein 25-Jähriger wurde per Strafbefehl verurteilt. Er hatte sich in einer Tiefgarage vor einer Frau entblösst und onaniert. 

Auch ein 25-Jähriger wurde per Strafbefehl verurteilt. Er hatte sich in einer Tiefgarage vor einer Frau entblösst und onaniert. 

Pexels/Michael Gaida
Beide Männer wurden zu bedingten Geldstrafen und Bussen verurteilt.

Beide Männer wurden zu bedingten Geldstrafen und Bussen verurteilt.

20min/Shannon Zangger

Darum gehts

  • Im November wurden zwei Männer aus dem Kanton St. Gallen per Strafbefehl verurteilt.

  • Beide hatten sich unabhängig voneinander des Exhibitionismus schuldig gemacht.

  • Laut einem forensischen Psychiater handelt es sich bei Exhibitionisten meist um verklemmte, schüchterne Männer.

Gleich zwei Männer aus dem Kanton St. Gallen wurden Anfang November per Strafbefehl wegen Exhibitionismus verurteilt. Ein 57-jähriger Mann hatte sich innerhalb weniger Monate gleich dreimal des Exhibitionismus schuldig gemacht. Beim ersten Vergehen stand der Mann im April 2022 abends nackt vor einem Fenster in seiner Wohnung und beobachtete eine junge Frau, die sich mit einer Kollegin in ihrer Wohnung aufhielt.

Während der 57-Jährige durch das Fenster die beiden jungen Frauen beobachtete, onanierte er. «Dabei wusste er, dass die beiden ihn und auch seine Handlungen sehen können und wollte dies auch», so die St. Galler Staatsanwaltschaft im Strafbefehl. Die beiden jungen Frauen informierten die Polizei.

Einen Monat später führte der Mann erneut dasselbe Verhalten durch, während sich die Frau allein in der Wohnung befand. Auch im Juni 2022 entblösste sich der Mann vor der Frau. «Zuerst zeigte er sein Glied, danach drehte er sich um und zog mit seinen Händen seine Pobacken auseinander, welche er gegen die junge Frau richtete», steht im Strafbefehl.

57-Jähriger erhält bedingte Geldstrafe und Busse

Der 57-Jährige ist bereits mehrfach vorbestraft. 2014 wurde er wegen Fahren in fahrunfähigem Zustand verurteilt. Vier Jahre später erhielt er wegen einfacher Körperverletzung erneut eine bedingte Geldstrafe.

Der Mann wurde von der St. Galler Staatsanwaltschaft des Exhibitionismus für schuldig befunden. Der 57-Jährige wird zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 30 Franken, also total 1200 Franken, sowie einer Busse von 800 Franken verurteilt. Bei einer Nichtbezahlung droht dem St. Galler eine Ersatzfreiheitsstrafe von acht Tagen. Ebenfalls fallen ihm 450 Franken für Gebühren und besondere Auslagen zur Last.

25-jähriger Exhibitionist ebenfalls verurteilt

Ebenfalls per Strafbefehl wegen Exhibitionismus verurteilt wurde ein 25-jähriger St. Galler. Im September 2022 befand sich eine Frau morgens in einer Tiefgarage und traf dort auf den Beschuldigten. «Der Mann entblösste dabei sein Glied und onanierte vor der Frau, wobei er wollte, dass sie es wahrnahm», so die Staatsanwaltschaft im Strafbefehl. Die Frau stellte daraufhin Strafanzeige bei der Polizei.

Auch der 25-Jährige ist bereits vorbestraft. 2018 wurde er wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Der Mann wurde von der St. Galler Staatsanwaltschaft des Exhibitionismus für schuldig befunden. Der 25-Jährige wird zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen à 110 Franken, also total 1100 Franken, sowie einer Busse von 300 Franken verurteilt. Bei einer Nichtbezahlung droht dem St. Galler eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen. Ebenfalls fallen ihm 500 Franken für Gebühren und besondere Auslagen zur Last. 

Gegen beide Strafbefehle kann Einspruch erhoben werden.

«Exhibitionisten wollen Opfer zu Reaktion zwingen»

Doch weshalb entblössen sich meist Männer in der Öffentlichkeit? «Ein Exhibitionist ist erfahrungsgemäss ein schüchterner, verklemmter Mensch», sagt der forensische Psychiater Thomas Knecht zu 20 Minuten. Die Entblössung erfolge als Ersatz für ein normales Sexualverhalten. «Exhibitionisten wollen Leute erschrecken, besonders Frauen oder Kinder. Sie wollen ihre Opfer zu einer Reaktion zwingen», so Knecht.

Durch den Akt des «Sichzeigens» und der angstvollen Reaktion erfahren die Männer Genugtuung und würden in ihrer Männlichkeit bestätigt. «Teilweise erleben sie sogar einen rauschartigen Zustand, der recht schnell auch süchtig machende Tendenzen annehmen kann», so Knecht. Ziel sei, sich gross und stark zu fühlen, so, wie sie in Wirklichkeit nicht seien. Manchmal werde so auch eine Selbstwertkrise kurzfristig behandelt. «Es ist eher eine aggressive als eine sexuelle Handlung, die aber sexuelle Erregung als Präsentationsmittel nutzt», so der forensische Psychiater.

Exhibitionistinnen hingegen seien selten. «Frauen wollen mit einer Entblössung eher positiv auf sich aufmerksam machen und werben, als abschrecken», so Knecht.

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