21.10.2016 09:46

ErnährungBeim Essen ist Zürich auf dem To-go-Trip

Manor fresh to go, Marché Express, Coop to go – neue Ketten mit schneller, aber gesunder Ernährung boomen an Zürcher Bahnhöfen. Das fordert die Restaurantbetreiber heraus.

von
som

Das essen die Passanten im Hauptbahnhof Zürich zum Zmittag. (Video: jen/som)

In den grossen Zürcher Bahnhöfen wimmelt es von Fast-Food-Angeboten. Auffällig dabei: Darunter sind immer mehr Anbieter, die mit gesunden Gerichten wie Salaten und Müeslis sowie hausgemachten Säften punkten wollen. Coop beispielsweise eröffnete innert kurzer Zeit mehrere Coop-to-go-Filialen.

Zur Coop-Gruppe gehören auch die Marché Restaurant Schweiz AG, die laut Mitteilung ein neues Take-away-Konzept entwickelt hat. Seit wenigen Tagen werden im Marché Express am Hauptbahnhof und im umgebauten Bahnhof Oerlikon ab November Sandwiches, warme Mahlzeiten und Süsses verkauft. «Die Zahl der Pendler steigt und damit das Bedürfnis nach schneller und gleichzeitig gesunder Verpflegung», heisst es auf Anfrage.

«Ich mag Fast Food einfach»

Ähnlich begründet Manor die Eröffnung der zweiten Schweizer Manora-fresh-to-go-Filiale im Bahnhof Oerlikon im November, in der es etwa Salate, Panini, Suppen und asiatische Gerichte zu kaufen gibt. «Der To-go-Markt wächst, und die Kunden möchten frische Produkte kaufen», sagt Sprecherin Elle Steinbrecher. Will man damit ähnliche Angebote von Coop und oder Migros konkurrenzieren? Steinbrecher dementiert: «Wir betrachten es eher als ein zusätzliches Angebot für Kunden, die ein anderes Sortiment suchen. Frisch und vor Ort produziert.»

Trotzdem verdrücken die meisten jungen Leute, die 20 Minuten bei einer Video-Umfrage um die Mittagszeit im HB antrifft,

Sandwiches oder Pommes frites. «Es muss schnell gehen», heisst es oder «Ich mag Fast Food einfach.»

«Gastronomen müssen innovativer sein»

Egal ob ungesunder oder gesunder Fast Food – das wachsende To-go-Angebot beschäftigt auch die traditionellen Gastronomen, bestätigt Ernst Bachmann, Wirt und Präsident von Gastro Zürich: «Früher nahmen sich die Leute gerade am Mittag mehr Zeit, um im Restaurant zu essen – natürlich ist es auch eine Kostenfrage.»

Allerdings hilft Jammern über diese Veränderung nicht weiter, findet er: «Gastronomen müssen heute eben innovativer sein – etwa indem sie selbst Essen zum Mitnehmen anbieten oder mit einem tollen Angebot am Abend.»

Was Fast Food für die Gesundheit bedeutet

Fast Food muss nicht schlecht sein, findet die Ernährungsberaterin Gigia Mettler-Saladin: «Inzwischen haben viele Anbieter ihr Angebot um gesunde Lebensmittel erweitert.» Dennoch: «Das Bewusstsein, sich gut zu ernähren, hat sich war verbessert, trotzdem ist das Überangebot von Essen, auch von ungesundem, vorhanden.» Manchmal sei es schwierig, diesem zu widerstehen. Wenn regelmässig ungesundes Fast Food konsumiert wird, können laut Mettler-Saladin Folgen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Probleme oder Bluthochdruck auftreten. Sie rät deshalb, den Teller am Mittag mit der Hälfte Gemüse, einem Viertel gesunden Kohlenhydraten und einem Viertel Proteinen wie Hülsenfrüchten, Fisch oder Fleisch zu füllen. Zudem sollte man sich nicht nur von kaltem Essen ernähren: «Warme Mahlzeiten können besser verdaut werden», sagt Mettler-Saladin.(jen)

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