Treibhausgase: Beim Essen ruinieren wir das Klima

Aktualisiert

TreibhausgaseBeim Essen ruinieren wir das Klima

Die Schweiz verfehlt ihre Klimaziele im Bereich Ernährung – wegen steigender Lebensmittel-Importe. Der Bund ist hilflos.

von
Claudia Hoffmann

Eigentlich scheint die Schweiz auf gutem Weg zu sein: Die Treibhausgase aus der Landwirtschaft sind in den letzten zwanzig Jahren leicht gesunken – dank einer immer effizienteren Produktion einheimischer Nahrungsmittel.

Doch der positive Eindruck täuscht, wie Klimaforscher Daniel Bretscher von der Forschungsanstalt Agroscope sagt: «Bezieht man insbesondere die importierten Lebensmittel in die Berechnung ein, ist der Treibhausgas-Ausstoss sogar gestiegen.» Die Zunahme betrug zwischen 1990 und 2011 mehr als 15 Prozent. So das Ergebnis einer Studie, welche die gesamte Nahrungsmittelkette berücksichtigt. Dazu gehören auch der Import von Dünger und Tierfutter sowie die Verarbeitung der Lebensmittel.

Gewohnheiten müssen sich ändern

Die Studie in Auftrag gegeben hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), welches mit seiner Klimastrategie eigentlich die Treibhausgase im Ernährungssektor bis zum Jahr 2050 um zwei Drittel senken will. Doch ob dieses Ziel erreicht wird, ist zweifelhaft. Denn: «Die Agrarpolitik zielt vor allem auf die Produktion ab, weniger auf die Ernährungsgewohnheiten der Menschen», sagt Daniel Felder, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BLW und Co-Autor der Studie. Dabei habe gerade die individuelle Ernährungsweise den grössten Einfluss auf den Ausstoss von Treibhausgasen (siehe Box).

Und die Gewohnheiten haben sich kaum geändert: Heute produziert jeder Bewohner der Schweiz durch seine Ernährungsweise praktisch gleich viel Treibhausgase wie vor 25 Jahren. Mit einer weiter wachsenden Bevölkerung dürfte also auch der Ausstoss weiter steigen.

Das kann man besser machen

Um beim Essen das Klima zu schützen, kann man vor allem zwei Dinge tun:

Weniger Fleisch essen: Tierische Produkte wie Eier, Milch oder Fleisch verursachen bis zu 20-mal mehr Treibhausgase als die Produktion von Gemüse oder Getreide.

Food Waste vermeiden: Ein Drittel aller Nahrungsmittel weltweit werden umsonst produziert, weil sie verderben und weggeworfen werden.

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